Milliardengeschäft Fußball zum Durchklicken

Interaktive Karte: So liefen Europas Top-Transfers

+
Die interaktive Karte zeigt den Weg der Top-Spieler über den Kontinent.

München - 75 Millionen Euro für Kevin de Bruyne, 50 Millionen für einen unbekannten 19-Jährigen: Europas Fußball-Klubs werfen immer mehr Geld auf den überhitzten Markt. Die interaktive Datenanalyse zeigt: Wirtschaftlich ist diese Spieler-Rotation in vielen Ligen längst nicht mehr.

Fernseheinnahmen, Sponsoren- und Preisgelder, Ticketeinnahmen, Fanartikel: Fußball ist ein Milliardengeschäft. Das wird vor allem zweimal im Jahre deutlich - während der Transferperiode. Von 1. Juli bis 31. August und von 1. bis 31. Januar wechseln in der Welt und vor allem in Europa Hunderte Millionen Euro den Besitzer, Hunderte Spieler ihren Arbeitgeber. Wie diese Reise von Fußballern und Geld durch die Welt ausseht, zeigen wir am Ende dieses Artikels am Beispiel der 50 derzeit wertvollsten Spieler.

Fußball-Zentren Manchester und London

Das auf der Karte entstehende Netz zeigt die Zentren der Fußballwelt: Die meisten Karrieren der Top-Spieler führen früher oder später zu den großen englischen Vereinen FC Chelsea London, Manchester United oder Manchester City. Die meisten Top-Spieler haben derzeit allerdings Real Madrid (8), der FC Bayern (8), der FC Barcelona (7) und der FC Chelsea (7) unter Vertrag. Das verwundert vor allem bei den beiden spanischen Klubs wenig, schließlich haben sie seit 2001 rund 520 (Real Madrid) beziehungsweise 250 (FC Barcelona) Millionen Euro in einige der 50 heute wertvollsten Spieler der Welt investiert – mehr als alle anderen Vereine.

Drehkreuz Chelsea

Der FC Chelsea ist hingegen so etwas wie das Drehkreuz für Topspieler. 17 Transfers der absoluten Weltklasse-Spieler wurden hier in den vergangenen Jahren abgewickelt, zwölf Zugänge und fünf Abgänge. Rund 230 Millionen Euro hat der Verein dabei ausgegeben und eingenommen.

Der deutsche Rekordmeister kann da mit rund 175 Millionen Euro kaum mithalten, beim FC Bayern stehen zwei Abgängen von Top-Spielern acht Zugänge gegenüber. Der Verein ist noch immer deutsch geprägt, in Thomas Müller, Manuel Neuer, Jerome Boateng und Mario Götze stehen vier Nationalspieler mit einem Marktwert von mehr als 35 Millionen Euro im Kader, zwei weitere wurden in den vergangenen Jahren abgegeben.

Auf dem Transfermarkt werden riesige Summen bewegt

Die Karte zeigt es: Alleine für die 50 derzeit wertvollsten Spieler haben die Vereine im Laufe ihrer bisherigen Karriere mehr als zwei Milliarden Euro ausgegeben, auf dem Transfermarkt werden riesige Geldsummen bewegt. Seit der Saison 2006/2007 haben die Vereine der fünf Top-Ligen Europas jährlich jeweils mehr 1,5 Milliarden Euro in neue Spieler investiert – und sie nehmen immer mehr Geld in die Hand: Alleine in den vergangenen zwölf Wochen gaben die Klubs schon mehr als drei Milliarden Euro aus – und die Wintertransferperiode kommt erst noch. Nachdem sie zu Beginn des zweiten Jahrtausends zunächst gesunken waren, haben sich die Investitionen der Vereine in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 

Vor allem die Premier League gibt Geld aus

Ein Großteil der europäischen Transferausgaben stammt von Vereinen der englischen Premier League. Schon seit der Saison 2002/2003 sind die Klubs dort die Krösusse, in den vergangenen drei Jahren wurde die Kluft zu den anderen europäischen Ligen immer größer. Der Grund dafür ist vor allem die große Beliebtheit der Liga in der ganzen Welt. Sie treibt die Preise für die Übertragungsrechte in die Höhe. In der vergangenen Saison hat die Premier League einen neuen Vertrag abgeschlossen, Gesamtvolumen 9,5 Milliarden Euro zwischen 2016 und 2019, schon der Tabellenletzte erhält künftig mehr als 100 Millionen Euro. Die Folge ließ sich bereits in diesem Sommer beobachten: Die Vereine der Premier League erzielten neue Rekordausgaben.

Diese Finanzkraft der englischen Vereine hat Auswirkungen auf den gesamten Markt. Auch in den Ligen von Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich haben sich die Manager an die neuen Preise angepasst. So haben die Vereine der Bundesliga ihre Ausgaben für neue Spieler seit 2006 verdreifacht. Lagen die Investitionen 2011 noch bei rund 211 Millionen Euro, kauften die Klubs in diesem Sommer schon für 410 Millionen ein. Auch in der italienischen Serie A steigerten sich die Ausgaben binnen 10 Jahren von rund 200 Millionen Euro auf fast 600 Millionen Euro. 

Die Einnahmen steigen deutlich langsamer

Parallel zu den Ausgaben stiegen logischerweise auch die Einnahmen der Vereine in den fünf europäischen Top-Ligen. Von einer Milliarde Euro im Milleniumsjahr bis auf zwei Milliarden im vergangenen – eine Verdopplung. Gewinne machen die Vereine zusammengerechnet trotzdem nicht. Im Gegenteil: Die Lücke zwischen Transfereinnahmen und den Ausgaben für neue Spieler klafft immer weiter auseinander. In den vergangenen Jahren wurde in jeder der fünf Ligen mehr in Spieler investiert, als durch Verkäufe wieder verdient wurde, einzig in diesem Sommer gelang es den Klubs der Bundesliga und der Ligue 1, einen Überschuss zu erwirtschaften. Ursache dafür dürfte hauptsächlich die große Einkaufstour der englischen Vereine sein. Hier beträgt die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen aus dem Transfermarkt inzwischen fast 600 Millionen Euro.

Geschätzte Marktwerte werden weit überboten

Warum das so ist, wird beim Blick auf die teuersten Transfers der vergangenen Monate rasch deutlich: Viele Spieler wechselten für Summen deutlich über ihrem geschätzten Marktwert den Verein. Kevin de Bruyne beispielsweise, der teuerste Spieler des Sommers, wechselte Ende August für rund 74 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Das Fachportal „transfermarkt.de“ schätzt seinen Marktwert auf 45 Millionen Euro. Der FC Liverpool bezahlte für Mittelstürmer Christian Benteke 46,5 Millionen Euro – mehr als 25 Millionen mehr als den geschätzten Marktwert. Und Manchester Uniteds Coach Louis van Gaal verpflichtete kurz vor Transferschluss den 19-jährigen Anthony Martial. Kostenpunkt: 50 Millionen Euro.

Drei Beispiele, die der Blick auf die Zahlen erklärt. Im Schnitt hat die Premier-League bei den teuersten Transfers rund 18 Millionen Euro mehr als den geschätzten Marktwert bezahlt. In der französischen Ligue 1 gab sich vor allem Paris St. Germain großzügig: 13 Millionen Euro bezahlte der Verein im Schnitt mehr.

Die Zahlen zeigen es: Der Transfermarkt ist überhitzt, binnen weniger Jahre sind die Preise für Spieler regelrecht explodiert. Das weltweit wachsende Interesse am Fußball lässt derweil die Fernseheinnahmen weiter steigen, Geld, das weiter auf den Transfermarkt fließen dürfte. Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar – im Gegenteil: Auch der Vorstandsvorsitzende des bislang auf dem Transfermarkt relativ zurückhaltenden FC Bayern wünschte sich für die nächste Verhandlungsrunde um die Bundesligarechte jüngst eine Steigerung der Fernseheinnahmen auf mehr als eine Milliarde Euro pro Saison. Es wäre ein Anstieg um mehr als ein Drittel.

Das Transfer-Karussell dürfte in den kommenden Jahren also weiter an Fahrt aufnehmen. Dabei ist die Fußballwelt schon jetzt in reger Bewegung, wie die interaktive Karte am Beispiel der 50 derzeit wertvollsten Spieler zeigt. Sie macht sichtbar, wie die Karrieren von Top-Spielern und die stetige Steigerung des eigenen Marktwerts aussehen können.

So funktioniert die Transferkarte:

Beim Klick auf den Play-Knopf in der linken oberen Ecke beginnt die Zeitreise, die Pfeile daneben beschleunigen und verlangsamen die Geschwindigkeit. Der Stopp-Button setzt die Zeit wieder zurück auf das Jahr 2007. 

Im Fenster rechts können einzelne Spieler dazu- und abgeschaltet werden, beim Berühren ihrer Portraits erscheint ein Fenster mit Informationen zum Spieler. Die untere Grafik (auf kleinen Bildschirmen ausgeblendet) zählt die Summen mit, die die ausgewählten Spieler ihren Vereinen im Lauf der Karriere eingebracht haben.

Michael Haas

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
So sehen Sie den Afrika Cup 2017 live im TV und im Live-Stream
So sehen Sie den Afrika Cup 2017 live im TV und im Live-Stream
Brutale Szenen: Väter prügeln sich bei Jugendspiel
Brutale Szenen: Väter prügeln sich bei Jugendspiel

Kommentare