tz-Besuch

Grüezi, Ottmar, wie läuft’s?

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tz-Reporter Knippenkötter mit dem Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld.

Porto Seguro - Die tz besucht Ex-Bayern-Trainer und den aktuellen Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld im WM-Quartier der Schweiz.

Rudi ist Schweizer, begeisterter Schweizer. Der Fußballfan hat auf seinen roten Leihwagen eine brasilianischer Flagge und eine aus seiner Heimat angebracht, auf der Stoßstange kleben zudem noch ein paar einschlägige Aufkleber. Mit seinem kleinen Renner düst er so durch die Gegend und verbreitet gute Laune, so scheint es zumindest. Das Besondere dabei ist, dass er damit sogar ziemlich nahe herankommt an seine Idole. Rudi fährt nämlich wie selbstverständlich am Porto Seguro Praia Resort vor, einem der drei Orte, an denen sich Xherdan Shaqiri & Co. bei dieser WM aufhalten. Die tz hat mal vorbeigeschaut, zum Besuch auf neutralem Gebiet.

Das Praia Hotel ist der Medientreff für die Mannschaft und Betreuer. Etwa elf Kilometer weiter sind die Spieler von Trainer Ottmar Hitzfeld im La Torre untergebracht, einem Luxusresort fernab vom ganz großen Trubel. Hier ist der Ruhepol des Teams. Ein paar Kilometer in die andere Richtung findet man dafür das genaue Gegenteil: das Estadio Municipal von Porto Seguro. Hier trainieren die Eidgenossen, machen sich fit für ihre Gruppengegner. Alles erreichbar innerhalb von rund 25 Minuten, alles jenseits der deutschen Insel und der viel zitierten Fähre.

Der deutsche Botschafter Wilfried Grolig hatte sich dieses dreigeteilte Modell vor wenigen Tagen angeschaut. „Von der Schweiz kann man sich noch etwas abgucken“, hatte er gesagt und viele weitere lobende Worte für die Eidgenossen gefunden. Das deutsche Quartier hatte er da noch nicht gesehen, einen Vergleich wollte er also nicht ziehen. Aber er drückte aus, was auch Ottmar Hitzfeld empfand.

„Es ist alles sehr gut organisiert. Auch die Vorkehrungen sind sehr gut, die Eskorte ist zügig. Wir fühlen uns sicher“, sagte der ehemalige Trainer des FC Bayern, der bislang auch noch nicht bei der deutschen Mannschaft vorbeischauen konnte. „Ich habe da keinen Kontakt hin. Hier ist jeder für sich.“

Man hat ja so seine eigenen Sorgen. Obwohl sie manchmal auch sehr ähnlich sind. Bundestrainer Jogi Löw zum Beispiel stellte gerade erst den Trainingsbeginn auf die Anstoßzeiten um. Und die Schweiz? Die tz hakte nach, immerhin geht es mit Ecuador und Honduras gegen zwei Teams, die sehr gut mit den Bedingungen in Südamerika umgehen können. Hitzfeld sagt: „Wir haben gerade erst ein Testspiel auf 13 Uhr gelegt und sind die Abläufe wie am Spieltag durchgegangen. Das Frühstück, die Getränke, wir haben alles so zu uns genommen wie am Sonntag.“ Dann nämlich geht es zum Auftakt gegen Ecuador. Dann soll alles stimmen.

Hoffnungsträger bei unseren Nachbarn ist natürlich FCB-Star Xherdan Shaqiri. „Er hat besondere Qualitäten, er kann den Unterschied ausmachen“, sagt sein Trainer über ihn. Shaqiri ist einer derjenigen, die Hitzfeld den Abschied vom Trainerdasein versüßen sollen. „Wir haben unsere Träume, wir wollen Geschichte schreiben“, sagt der 65-Jährige. „Und Geschichte zu schreiben heißt, weiterzukommen als ins Achtelfinale.“

Diesem Ziel wird alles untergeordnet. So wird man die Spieler nur im ganz offiziellen Rahmen im Medienzentrum an der Strandpromenade treffen, kleinere Pläuschchen zwischendurch sind nicht möglich, das Training findet immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Man will die Taktik nicht dem Gegner preisgeben. „Ich weiß, die Medienvertreter würden das gern sehen und am liebsten noch am Spielfeldrand mit den Spielern sprechen. Aber das geht nicht. Unsere Gegner machen das auch nicht“, sagt Hitzfeld. Auch in diesem Punkt ist man nicht weit weg von dem deutschen Team.

Im Foyer des Hotels schüttelt der Trainer dann noch ein paar Hände, nimmt die besten Wünsche entgegen. Vor der Tür löst sich das emsige Treiben so langsam auf, dort, wo es rechts zum Strand hinaus geht und wo im Hof eine kleine Kapelle steht. Wer weiß, vielleicht schaut Superfan Rudi auch dort einmal vorbei. Er würde sicher alles tun, was hilft.

Michael Knippenkötter

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