Seit sieben Jahren ist er trocken: Er will anderen helfen

Ex-Löwe Michel Dinzey: Mein Leben in der Alkohol-Hölle

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Michel Dinzey bestritt in seiner Karriere 88 Bundesliga-, 73 Zweitliga- sowie 114 Regionalliga-Spiele.

Er bestritt von 1998 bis 2000 insgesamt 15 Bundesliga-Spiele für den TSV 1860, spielte danach für Hannover, Braunschweig, St. Pauli und Kiel – aber den größten Sieg hat Michel Dinzey abseits des Platzes gefeiert.

Der 36-Jährige hat sich als Alkoholiker geoutet, der seit sieben Jahren „trocken“ ist. Er gesteht: „Täglich eine Flasche Wodka und ein paar Weißbiere waren in meiner Zeit als Profi normal für mich.“ Manchmal seien es auch eineinhalb Flaschen Wodka und eine halbe Kiste Weißbier geworden.

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In der Bundesliga fing es an. Erst in Stuttgart (1994/95), dann bei St. Pauli (1995/96). „In Hamburg war es noch nicht ganz so exzessiv“, sagt Dinzey. „Später bei Hertha, 1860 und Hannover ist es eskaliert.“

Die Trinkerei begann oft schon mittags. Das ging das eine oder andere Mal bis morgens früh weiter. Nur einmal sei er erwischt worden: „Bei Hertha war ich so voll, dass ich von Trainer Jürgen Röber eine Abmahnung erhielt.“

Wie aber konnte er die Sauferei mit Leistungssport verbinden? Dinzey: „Mein Körper hat es ja ausgehalten, durch das Training ist der Alkohol wohl gut abgebaut worden.“

Grund für seine Sucht ist offenbar sein Vater Mabaise-Lukula: „Er hatte eine Kneipe in Brüssel. Als kleiner Junge habe ich mitgekriegt, dass er viel getrunken hat.“ Sein Vater brachte ihn (ungewollt) dazu, mit dem Trinken aufzuhören: „Er kam am 7. November 2001 mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus. Seit diesem Tag trinke ich keinen Tropfen Alkohol mehr. Ich hätte mich sonst totgesoffen.“

Das wollte er besonders Söhnchen Jean-Philipp (heute 12) nicht antun: „Der fragte mich damals: Papa, trinkst du heute Abend wieder? Kommst du auch ins Krankenhaus?“

Jetzt ist es Dinzey ein tiefes Bedürfnis, offen über Alkoholismus zu reden. „Ich weiß, dass viele Bundesliga-Profis zu meiner Zeit getrunken haben, auch zwei Nationalspieler waren dabei. Jetzt möchte ich junge Fußballer warnen, ihnen helfen.“

Deshalb entwickelt er gerade eine Broschüre (in Form einer Wodka-Flasche), in der er beschreibt, wie er seine Sucht erlebt und allein besiegt hat. Dinzey: „Aber natürlich wird auch professionelle Hilfe angeboten.“ Dieses Papier möchte er über den Hamburger Fußball-Verband vertreiben. Gleichzeitig hat er Kontakt aufgenommen zu einem außergewöhnlichen Fan-Klub St. Paulis: Die „Weiß-braunen Kaffeetrinker“ sind ehemalige Alkoholabhängige. Michel Dinzey: „Dort werde ich sehr bald eintreten.“

Buttje Rosenfeld

Quelle: tz

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