Ex-Schotten-Spieler

Andreas Hinkel: „Kleine Liga ist Celtics Problem“

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Gegen PSG mit Mbappé gab es für Celtic ein 0:5.

Andreas Hinkel kennt als Ex-Spieler Celtic Glasgow bestens. Das Potential der Schotten sei groß, meint der 35-Jährige. Doch der Verein habe ein besonderes Problem.

München - Er gehörte in Stuttgart zu den „Jungen Wilden“, stand 2006 kurz vor dem Wechsel zum FC Barcelona. Die Rede ist von Andreas Hinkel. Statt Camp Nou hieß es für den heute 35-Jährige: Celtic Park. Vor dem CL-Heimspiel der Bayern gegen Celtic Glasgow (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF und Sky) spricht Hinkel über die Probleme seines Ex-Klubs.

Herr Hinkel, ist es besonders ärgerlich für Celtic, kurz nach der Heynckes-Rückkehr auf die Bayern zu treffen?

Hinkel: Es ist definitiv ein ungünstiger Zeitpunkt, weil bei den Bayern das Szenario eintreten kann, dass eine Reaktion auf den Trainerwechsel kommt. Aber die Bayern waren generell der Favorit – auch vor dem Trainerwechsel. Von der Qualität, vom Budget, von allem, was so dranhängt, sind es Riesen-Unterschiede.

Celtic dominiert in Schottland, wird dort kaum gefordert. Ist das ein Problem in der Champions League?

Es ist über Jahre hinweg das Problem von Celtic, dass es in der Liga nur mit den Rangers eine zweite starke Mannschaft gab. Celtic hat schon immer überlegt, die Liga zu verlassen und in die Premier League zu gehen. Da würden sie jede Woche gefordert und wahrscheinlich ganz andere Spieler bekommen. Vom Potenzial ist Celtic ein Weltklub mit irischen Wurzeln. Und die Iren sind auf der ganzen Welt verteilt. Egal, wo wir früher hingekommen sind, die Stadien waren voll – in Nordamerika, Australien, Asien.

Der Celtic Park, auch Paradise genannt, ist das größte Pfund des Klubs

Das Potenzial ist also da?

Das Potenzial ist riesengroß, aber Celtic steckt in Schottland in einer kleinen Liga fest. Wenn sie in die Premier League wechseln würden, hätten sie schnell eine Mannschaft, die im oberen Drittel mitspielen würde. Es gibt viele Topspieler, die die Atmosphäre im Celtic Park kennen und sagen: Wenn Celtic in der Premier League spielt, dann gehe ich dahin. Sie bekommen heute Spieler mit guter Qualität, aber nicht mit Topqualität. Daher die Diskrepanz zur Champions League.

Ein besonderer Faktor ist der Celtic Park. Beschreiben Sie mal die Atmosphäre dort.

Das ist mit Worten schwierig zu beschreiben. Manche Sachen muss man selbst erleben und spüren. Abendspiele in der Champions League und das Old Firm sind einzigartig. Aus allen Richtungen ist Lautstärke angesagt. Das Publikum trägt die Mannschaft und pusht sie nach vorne. Von der individuellen Qualität ist Celtic in der Champions League Außenseiter, aber einzelne Spiele im Celtic Park haben schon eine spezielle Atmosphäre. Das beeindruckt auch große Mannschaften. Solche Spiele wie das 3:3 gegen Manchester City letzte Saison sind immer drin.

Hat Celtic nur im Rückspiel eine Chance gegen die Bayern?

Zu Hause haben Sie definitiv eine größere Chance. Das ist grundsätzlich bei Mannschaften von der Insel so. Das heißt aber nicht, dass sie gegen Bayern automatisch was holen. Der Spielverlauf muss in die richtige Richtung gehen. Wenn man im Celtic Park in Führung geht, bebt das Stadion. Ich kann mich an meine Champions-League-Saison erinnern, da haben wir gegen ManU zu Hause unentschieden gespielt und Villarreal 2:0 geschlagen. Auswärts haben wir die Spiele verloren. Wenn die Vereine von der Insel runter kommen und auf dem Festland spielen, ist die Statistik oft miserabel.

Grün-weiße Vergangenheit: Andreas Hinkel im Celtic-Trikot, das er von 2008 bis 2011 trug.

Wie sehen Ihre Erinnerungen an die Zeit bei Celtic sonst aus?

Für mich ist das ein spezieller Verein, er lebt durch die Fans und lebt seine Tradition. Der Fußball kommt von der Insel. Das erste Länderspiel der Geschichte wurde in Glasgow bestritten – zwischen Schottland und England. Daran merkt man, was Glasgow für eine Fußballstadt ist. Der Verein kümmert sich sehr viel um arme Leute, wurde einst von einem Priester gegründet, vor allem für die Armen im Osten von Glasgow – also gerade für die Iren, die eingewandert waren.

Im Sommer waren Sie als Co-Trainer bei Schalke 04 im Gespräch, blieben aber beim VfB Stuttgart und trainieren jetzt die zweite Mannschaft. Reizt Sie die Bundesliga in Zukunft?

Sie reizt mich definitiv. Ich habe auf höchstem Niveau Fußball gespielt – in der Bundesliga, in der Primera Division, in der Nationalmannschaft und in der Champions League. Es ist natürlich ein Bestreben, als Trainer auch irgendwann mal auf so einer Ebene zu arbeiten. Ich habe das Geschäft kennengelernt und habe mich bewusst dafür entschieden, in der Jugend und im Kinderfußball anzufangen. Ich gehe den Weg weiterhin so. Wenn man zu schnell nach oben schießt, ist das Geschäft brutal. Momentan sind es drei oder vier Spiele, dann gibt es schon die ersten Trainerwechsel. Ich frage mich, wie weit das noch geht. Aber natürlich ist es ein Ziel, irgendwann auf Topniveau zu arbeiten, aber ich finde es wichtig, dass man Erfahrungen sammelt. Weiter unten kann man noch diese Erfahrungen sammeln und viel ausprobieren. Dann ist man, glaube ich, auch besser auf gewisse Situationen vorbereitet.

Jonas Austermann

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