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Die DFB-Baustellen in der Analyse

Experte über Löws Schlussfolgerungen: „Vielleicht gar nicht seine ganz ehrliche Meinung, aber ...“

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Training der Nationalmannschaft

Der DFB hat die Weltmeisterschaft in Russland vollkommen in den Sand gesetzt – sportlich und in Sachen Marketing. Wie sehen Experten die zwei großen DFB-Baustellen? Die Analyse.

München - Der DFB hat die Weltmeisterschaft in Russland vollkommen in den Sand gesetzt – sportlich und in Sachen Marketing. Das räumten Bundestrainer Jogi Löw und Manager Oliver Bierhoff ein. Löw meinte, dass das Festhalten an seinem geliebten Ballbesitzfußball „der allergrößte Fehler“ gewesen sei, „fast schon arrogant“. Das Turnier in Russland habe gezeigt, dass die erfolgreichen Teams deutlich variabler waren als die deutsche Auswahl. Bierhoff hingegen nahm die Öffentlichkeitsarbeit, vor allem mit Blick auf die Fans, ins Visier. Zwischen Spieler und Anhänger soll eine neue Nähe entstehen. Ein erster Ansatzpunkt: der ungeliebte Spitzname „Die Mannschaft“ und die ins Lächerliche gezogene Kampagne „#zsmmn“ (steht für zusammen). Wie sehen Experten die zwei großen DFB-Baustellen? Die tz-Analyse.

„Den Spielstil ändern? Dafür ist es zu spät!“

Jogi Löw will weg vom krassen Ballbesitzfußball – zumindest erklärte der Bundestrainer das bei seiner groß angekündigten WM-Analyse vergangene Woche in der Münchner Allianz-Arena. Knallharte Ansage oder nur eine vorgeschobene Floskel? Constantin Eckner, Taktikexperte von spielverlagerung.de, meint: „Jogis Schlussfolgerung, er habe den Fehler begangen, zu sehr auf Ballbesitzfußball zu setzen, erscheint mager und ist zudem falsch. Eine Vermutung: Das ist vielleicht gar nicht seine ganz ehrliche Meinung, aber er wollte die Öffentlichkeit zufriedenstellen.“

Der Experte erklärt, dass nicht der Ballbesitz-Ansatz falsch war, sondern schlicht die Umsetzung des DFB-Teams. Für die deutsche Herangehensweise habe eine echte Absicherung im Mittelfeld gefehlt – bis auf Sebastian Rudys kurzen Einsatz beim Sieg gegen Schweden.

Wirft Löw nach dem WM-Debakel jetzt wirklich alles um? Eckner: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er seinen Spielstil komplett ändert. Dafür ist es zu spät, dafür hat er zu lange den Ballbesitzfußball trainiert – und dafür sind zu viele seiner Spieler mit dieser Spielweise aufgewachsen. Zum Beispiel die ganzen Bayern-Spieler, Toni Kroos oder die Akteure von ManCity.“

Toni Kroos soll das DFB-Spiel weiter ­lenken, nur wie?

Nach einer Weltmeisterschaft kopieren die Trainer der früh gescheiterten Teams gerne die taktischen Kniffe der erfolgreichen Nationen. Spielt Deutschland also in Zukunft wie Titelträger Frankreich? Eckner meint: „Die Franzosen sind momentan mit unglaublich vielen Weltklasse-Fußballern bestückt – auch im athletischen Bereich. Es ist sehr schwer, das französische Spiel zu kopieren, weil es sehr stark auf Individualisten wie Kylian Mbappé und Antoine Griezmann zugeschnitten ist.“

Außerdem, so der Taktikexperte, sei es ein Trugschluss, dass die Franzosen allein mit Konterfußball zum WM-Pokal stürmten. Eckner: „Frankreich hatte auch ständig den Ball und wusste in manchen Phasen noch weniger mit dem Ball anzufangen als Deutschland. Aber sie haben den Ballbesitz anders genutzt: mit mehr langen Bällen und geradliniger.“

Ballbesitz hin oder her – die deutsche Nationalmannschaft steht im zentralen Mittelfeld vor einem kleinen Umbruch. Mit Mesut Özil trat für Eckner „der eine Zehner“ zurück. Der Experte sagt: „Trotz aller Kritik war er in den letzten rund acht Jahren in vielen Phasen einer der herausragenden Spieler. Löw muss sich jetzt überlegen, wie er das Loch im Mittelfeld auffängt.“

Auf dem Trikot trägt Julian Brandt künftig die Nummer zehn, ein klassischer Spielmacher steht allerdings nicht im deutschen Aufgebot für die Partien gegen Frankreich (Donnerstag) und Peru (Sonntag). Eckner: „Vielleicht spielt Löw in Zukunft ohne echten Zehner, setzt stattdessen auf zwei Achter – so wie es der FC Bayern mit Thiago und Thomas Müller macht.“

Wichtig ist auf dieser Position das saubere Passspiel. Denn wenn es nach dem Experten geht, muss sich Jogi weiter auf die deutschen Stärken besinnen. Eckner: „Löw sollte nicht anfangen, nur auf Dribblings zu setzen. Die deutsche Mannschaft hat sich schon immer über das Passspiel definiert.“

Wie ernst es Löw mit der angekündigten Taktik-Revolution meint, wird sich schon am Donnerstag in München zeigen (wir berichten im Live-Ticker)...

Joachim Löw auf dem Podium, im Hintergrund der „Mannschaft“-Schriftzug.

Abschaffung der Marke „Die Mannschaft“? Experte: „Das ist ein Riesenfehler“

Seit Sommer 2015 heißt die DFB-Auswahl offiziell nur noch „Die Mannschaft“. Nach dem WM-Debakel von Russland denkt der Verband über eine Abschaffung des Begriffs nach. Andreas Klar, Experte für Markenbildung, fordert im tz-Interview, dass der Name bleiben soll.

Wieso fordern Sie, dass der Begriff „Die Mannschaft“ bleibt?

Andreas Klar: Einen Markenbegriff baut man über Jahre hinweg auf, er soll ein gewisses Vertrauen erzeugen. Der DFB hat diesen Markenbegriff gewählt, sicherlich aus guten Gründen – und dann haut man ihn nach drei Jahren über den Haufen. Das wirft Vertrauensfragen auf.

Gehört ein Misserfolg wie in Russland nicht dazu, wenn sich eine Marke etablieren soll?

Klar: 2015 war alles super, der Verband hat mit diesem Markennamen für Identifikation gesorgt. Jetzt läuft eine WM absolut katastrophal und diese Verbindung wird sofort gekappt. Damit gibt der DFB sogar latent zu, dass die Mannschaft gar keine Mannschaft gewesen ist. Das halte ich für ein Schuldeingeständnis – und für einen Riesenfehler!

Inwiefern?

Klar: Rein objektiv war’s ein schöner Markenname. Nachdem Deutschland Weltmeister geworden ist, war es gar nicht schlecht zu sagen: ‚Wir sind wirklich ein Team‘. Das Land stand auch geschlossen hinter der Mannschaft. Ein Misserfolg wie im Sommer macht noch keine Katastrophe aus. Dass die Dinge jetzt alle infrage gestellt werden, ist so, als wenn Apple ab morgen eine Birne auf seine Produkte malt.

DFB-Präsident Grindel hat gesagt, dass dem Begriff im Volk die Akzeptanz fehlt.

Klar: Herr Grindel wird wissen, was er sagt. Die fehlende Akzeptanz wird allerdings nicht am Begriff „Die Mannschaft“ liegen, sondern an der Leistung der Mannschaft. Gerade wenn der DFB das Thema Identifikation vorbringt, muss der Verband auch die diversen Fehlverhalten der Mannschaft und der Führungsriege berücksichtigen.

Neben „Die Mannschaft“ ist dem DFB auch der Hashtag #zsmmn um die Ohren geflogen. Das große Risiko von Marketing-Aktivitäten?

Klar: Ein Risiko ist bei Markennamen immer gegeben. Mit „Die Mannschaft“ hat der DFB aber kein Guerilla-Marketing betrieben, sondern ein solides Thema gewählt. In dem Begriff ist kein Sprengstoff enthalten, der Verband macht aber Sprengstoff draus.

Ist Fannähe nicht ohnehin viel wichtiger?

Klar: Genau darum geht es! Grindel sagt, man würde sich mit dem Begriff „Die Mannschaft“ über die Basis stellen. Aber jeder kleiner Fußballer hat doch den großen Traum, irgendwann mal in dieser Mannschaft zu sein oder sie wenigstens zu unterstützen. Diese Fannähe macht also Sinn.

Jonas Austermann

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