Sportmediziner schlägt Alarm

Experte zu Fall Neuer: "DFB verharmlost Situation"

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Manuel Neuer nach seiner Untersuchung beim Doc.

München - Müssen wir uns wirklich keine Sorgen um Manuel Neuer machen? Oder spielen die Verantwortlichen das Thema gezielt herunter? Zweiteres, sagt einer der renommiertesten Sportmediziner des Landes.

Jetzt also doch! Entgegen sämtlicher Prognosen soll Manuel Neuer gemeinsam mit Philipp Lahm bereits am Freitag zum Trainingslager des deutschen Nationalteams in Südtirol anreisen. Das gab der DFB am Donnerstag in Absprache mit Teamdoc Müller-Wohlfahrt bekannt. Die deutsche Nummer eins hatte sich im Pokalfinale einen Einriss am Kapselbandapparat des rechten Schultereckgelenks zugezogen, den Kapitän plagt derweil ein Kapselriss am linken Sprunggelenk. Wann sie jedoch wieder ins Training einsteigen können, steht in den Sternen. Große Bedenken scheint man in Sankt Leonhard deswegen aber nicht zu haben. „Wir haben keine Sorge, dass wir ­Manu bei der WM nicht bei uns haben“, so DFB-Manager Oliver Bierhoff. Aber müssen wir uns wirklich keine Sorgen machen? Oder spielen die Verantwortlichen das Thema gezielt herunter? 

Verletzte Neuer, Lahm Thiago bei Dr. Müller-Wohlfahrt

Verletzte Neuer, Lahm Thiago bei Dr. Müller-Wohlfahrt

Zweiteres, sagt einer der renommiertesten Sportmediziner des Landes: Professor Ernst Kabelka. Der Arzt, dem Roger Federer und die Box-Brüder Klitschko vertrauen, findet im Fall Neuer deutliche Worte: „Aus meiner Sicht verharmlost der DFB die Situation. Jeder, der eine solche Verletzung schon einmal hatte, kann ihnen bestätigen, wie schmerzhaft und langwierig das sein kann. Das Problem ist, dass er eine ganze Zeit lang die Arme nicht über die Horizontale nach oben nehmen kann. Und das ist ja für einen Torwart nicht ganz unwichtig.“

Auch dass der DFB den erst nicht berücksichtigten Marc-André ter Stegen, der am Donnerstag beim FC Barcelona vorgestellt wurde, in Alarmbereitschaft versetzt hat, lässt an Neuers Gesundheitszustand zweifeln.

Doch damit nicht genug. Schweinsteiger, Lahm, Neuer, Klose, Khedira – sie alle sind angeschlagen. Im Trainingslager habe man aber noch „genügend Zeit“, beteuerte Co-Trainer Hansi Flick. Doktor Kabelka hat da seine Zweifel. Der Hamburger sagt: „Nehmen wir den Fall Khedira: Er hat jetzt zwei Spiele über rund 60 Minuten gemacht. Das ist schön, reicht aber auf keinen Fall aus, um in Brasilien international konkurrenzfähig zu sein.“ Seit 1986 sei keine deutsche Nationalmannschaft mehr mit ähnlichen Problemen zu einem Turnier gereist, sagt Kabelka. Kann Deutschland denn trotzdem Weltmeister werden? „Das würde mich sehr wundern“, meint der Promi-Doc. „Die Voraussetzungen dafür sind außergewöhnlich schlecht.“ Eigentlich sollte man Ärzten ja vertrauen – in diesem Fall hoffen aber wohl alle Fans, dass sich der angesehene Mediziner auch mal irrt…

José Carlos Menzel Lopez, Frederik Ahrens

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