Interview

Spaniens Liga-Boss erklärt in der tz den Clásico

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Am samstag findet er wieder statt: Der Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid.

Barcelona -  Spaniens Ligapräsident Javier Tebas erklärt in der tz den Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Zum Interview.

Anschnallen! Vier Wochen nach dem deutschen Clásico findet nun der echte Clásico (so sehen Sie das Spiel im TV und Live-Stream) statt. Barça empfängt Real. Grund genug, um Javier Tebas zu Wort kommen zu lassen. Das tz-Interview mit Spaniens Ligapräsidenten:

Señor Tebas, wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen den spanischen Klubs?

Tebas: Es herrscht eine kontinuierliche Kommunikation. Wir halten wöchentliche Videokonferenzen ab, in denen wir Situationen analysieren, die uns alle interessieren. Neben den Einzelgesprächen ist das eine gemütliche Art, um uns zu sehen und als geschlossener Block in Kontakt zu bleiben.

Können so auch Streitereien zwischen den Klubs verhindert werden?

Tebas: Was sich zwischen ihnen auf dem Platz oder in den Büros ereignet, müssen sie auf ihre Art regeln. Als Verantwortliche der Liga ist es unsere primäre Aufgabe, die Ordnung auf allen Ebenen zu gewährleisten.

Ist die Europa League ein unterklassiger Wettbewerb?

Tebas: Ganz und gar nicht! Die Europa League ist prestigeträchtig und verfügt über große Qualität. Gehen Sie doch mal die Teilnehmerliste durch, das ist ein Genuss!

Bereitet Ihnen der vollgestopfte Terminkalender Sorgen?

Tebas: Ja, natürlich. Durch die Daten der FIFA und die Ansetzung des Champions-League-Finales auf einen Samstag haben wir an Bewegungsfreiheit eingebüßt. Die nationalen Wettbewerbe geraten ins Stocken, das führt zu einer exzessiven Belastung der Spieler. Wir wissen, dass der Kraftaufwand unverhältnismäßig ist und die Termine reduziert werden sollten.

Klingt gut.

Tebas: Wir haben nicht vor, Druck aufzubauen, verlangen jedoch schon, dass man uns hört.

Besteht die Möglichkeit, dass der Clásico zwischen Real Madrid und Barcelona eines Tages nicht mehr Bestandteil der spanischen Liga ist?

Tebas: Keineswegs. Spanien ist ein Rechtsstaat, das Recht, die Regierung und seine Institutionen verteidigen die Rechtmäßigkeit. Katalonien ist Spanien und Spanien ist Katalonien. Unilaterale Prozesse können nicht funktionieren.

Neulich erwogen Sie die Möglichkeit, Spiele außerhalb Spaniens stattfinden zu lassen. Ist der Clásico eines davon sein?

Tebas: Diese Partie wird nie außerhalb unserer Grenzen stattfinden. Es ist das Schlüsselspiel unserer Liga mit dem Wert einer internationalen Marke. Wir befassen uns damit, Spiele auch außerhalb auszutragen, noch wurde das aber nicht in die Agenda zur internationalen Expansion aufgenommen.

Das ist der Clásico: Die zwei besten Mannschaften...

Erklären Sie uns mal den Clásico!

Tebas: Es sind die zwei besten Mannschaften, die zwei besten Spieler und die zwei besten Kader der Welt.

Können Sie die Zuschauerzahlen bei diesem Spiel beziffern?

Tebas: Sie übersteigen die 500 Millionen TV-Zuschauerzahlen. Zwischen 500 und 600 Millionen.

Sind Sie nicht der Meinung, dass die Spieler mehr Präsenz gegenüber den Medien zeigen müssten – und wollen Sie derartige Maßnahmen durchzusetzen?

Tebas: Wir stehen diesbezüglich in Kontakt mit den Klubs und den Spielern. Gut möglich, dass sie reden wollen, aber eben keine aufdringlichen Fragen gestellt bekommen. Oftmals bekommen sie 17 Mal dieselbe Frage. Niemand mag es gern, 20 Mal auf eine Frage mit negativen Hintergedanken zu antworten. Gut möglich, dass es anstelle einer Pressekonferenz auf ein exklusives Interview mit dem Rechteinhaber hinausläuft. Oder mit der Liga selbst. Das würde die Marke zusätzlich stärken. Wir befassen uns damit.

Befürchten Sie, dass es eines Tages zu einem Clásico ohne Spanier kommt?

Tebas: Natürlich finde ich es gut, dass es welche gibt, als Ligapräsident bereitet mir das aber keine allzu großen Sorgen. Sowohl der Clásico an sich als auch Real Madrid und Barcelona überflügeln unsere Grenzen. Wir sind global. Genau diese Heterogenität ist unser Erfolg.

Ronaldo und Messi verlassen die Liga? Unmöglich!

Cristiano Ronaldo heizt die Gerüchte um einen Abschied gerne an. Würde ein Weggang der Liga, die noch über keinen globalen Sponsor verfügt, schaden?

Tebas: Jedes Jahr heißt es mindestens zweimal, dass Cristiano und Messi gehen. Dass die beiden die Liga verlassen, ist in etwa so wahrscheinlich wie die Unabhängigkeit Kataloniens. Es ist unmöglich.

Was sehen Sie als Ihre größte Errungenschaft als Ligapräsident?

Tebas: Das königliche Dekret zur zentralisierten Vermarktung der audiovisuellen Rechte, das dank der Feinfühligkeit der Regierung möglich war. Sie haben uns ein Pferd zur Verfügung gestellt, das wir aufsatteln konnten, um das zu erreichen. Das ist ein Wunder für den spanischen Fußball.

Halten Sie den aktuellen Preis für den spanischen Fußball für gerechtfertigt?

Tebas: Ja. Ich denke, dass das der Preis ist, den der Wettbewerb wert ist. Es gilt hervorzuheben, dass wir den Wert der Liga in fünf Monaten dupliziert haben. In der Saison 14/15 nahmen die Klubs noch 830 Millionen ein, diese Saison sind es bereits 1,5 Milliarden. Kommende Saison werden es 1,55 Milliarden sein, 17/18 sogar 1,65 Milliarden.

Haben Sie diese Zahlen erwartet?

Tebas: Eine gewisse Unsicherheit herrscht immer bei Angeboten in geschlossenen Umschlägen, der Aufwand der Liga während dieser letzten Monate war enorm, um das zu erreichen. Wenn es nach unserem Arbeitspensum geht, dann habe ich es schon erwartet.

So weit ist die spanische Liga von der Premier League entfernt

Auf welchem Rang liegen Sie im Vergleich zu Premier League & Co.?

Tebas: Von der Premier League sind wir 1,5 Milliarden jährlich entfernt, dafür liegen wir zwischen 600 und 700 Millionen vor der Bundesliga sowie 500 Millionen vor dem Calcio.

Haben Sie lange vor den Zahlen gesessen?

Tebas: Im Wettstreit der TV-Rechte müssten wir eine Milliarde einnehmen, wo wir im Moment 600 Millionen erhalten. Ich sage diese Zahlen nicht einfach so, sondern im Hinblick auf die steigenden Zahlen der Abonnenten. Der anlaufende Prozess ist sehr wichtig. Die Erwartungshaltung liegt bei Einnahmen von zwei Milliarden in der Saison 19/20. Nehmen wir diese zwei Milliarden innerhalb des nationalen Markts ein, werden wir konkurrenzfähig zur Premier League sein. Hier können wir ansetzen.

Wo liegt der Schlüssel dazu?

Tebas: In der Kontrolle des Produkts. Die Methode des Einzelverkaufs hat das Produkt nicht kontrolliert. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der das Ganze verzerren kann und der aktuell in der EU geschieht. Dort werden zwei Reformen diskutiert, die die TV-Rechte beeinflussen könnten. Eine davon ist die Portabilität. Solange es temporär ist, sind wir einverstanden. Viel entscheidender sind jedoch die grenzübergreifenden Lizenzen, denn die bedrohen den Fußballmarkt.

Ist die Premier League sehr weit entfernt?

Tebas: Es könnte sich schwierig gestalten, England zu erreichen. Erst einmal aufgrund demografischer Gründe. Die Engländer sind mehr als wir. Zweitens, weil sie aktuell 15 Millionen Abonnenten haben und wir nur fünf. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir in den nächsten Jahren acht bis neun Millionen erreichen.

Sind Sie ein Befürworter der Technologie im Fußball?

Tebas: All diesen Dingen müssen wir uns anpassen, natürlich. Die Mehrheit der Sportarten hat dies bereits getan und ist dadurch in vielen Aspekten vorangeschritten. Wir sind zu langsam unterwegs, was diese Themen angeht, viel zu langsam. Die FIFA scheint übernächtigte Funktionäre zu haben, die nur schwarz oder weiß sehen. Als Fan verstehe ich selbstverständlich, dass sich das ändern muss.

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Interview: Moisés Llorens

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