Dürrezeit an der Costa Brava 

FC Barcelona: Bayern-Gegner nicht nur finanziell in der Krise - Klub steht vor einem Scherbenhaufen

FC Barcelona - Camp Nou - Barcas Motto auf den Rängen des Camp Nou: Mehr als ein Klub.
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Barcas Motto auf den Rängen des Camp Nou: Mehr als ein Klub.

Der FC Barcelona hat schon bessere Zeiten erlebt. Der Club steht vor einem Scherbenhaufen - abgesehen von den Finanzen.

Barcelona - Es herrscht Dürrezeit an der Costa Brava. Galt die autonome Region Katalonien im Nordosten der iberischen Halbinsel einst noch als einer der Wirtschaftsmotoren Spaniens, liegt die gute Erde am Mittelmeer im Jahr 2021 brach.

Die Pandemie, insbesondere jedoch die sture Unabhängigkeitsbewegung hat die knapp acht Millionen Menschen im Schatten der Pyrenäen mehr gekostet, als die - sich zum Teil vom Acker gemacht haben - Politiker je für möglich gehalten hätten. Über 7000 Firmen haben ihren Sitz im Laufe der vergangenen vier Jahre von Katalonien in einen anderen, ausgeglicheneren Teil Spaniens verlegt.

Nicht viel besser steht es um das sportliche Pendant des katalanischen Gedankenguts, den FC Barcelona, der von sich selbst sagt, „mehr“ als ein bloßer Fußballklub zu sein. Ja, auch im Camp Nou, wo demnächst der FC Bayern zur Gruppenphase der Champions League gastiert, haben sie schon bessere Zeiten erlebt. Vor allem bessere Bilanzen.

FC Barcelona vor einem Scherbenhaufen - Milliarden verpulvert

Das aktuelle Momentum beim Renommierklub lässt sich mit dem Morgen nach einer aus dem Ruder gelaufenen Studentenfeier vergleichen. Nur, dass Barças Leben in Saus und Braus keine zerbrochenen Gläser zur Folge hatte, sondern 1,35 Milliarden Euro Schulden. In Zahlen: 1.350.000.000 Euro. Eine teure Fete.

Hier mal einen Philippe Coutinho für 135 Millionen Euro kaufen, dort noch einen Ousmane Dembélé für weitere 135 Millionen mitnehmen. Ach, und warum auch nicht 120 Millionen in Antoine Griezmann investieren? In Sachen Salär gab man sich ebenso gönnerhaft: So sehr, dass die Gehaltsaufwendungen zuletzt 110 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachten. Und dann kam die Pandemie. So weit die ersten Erkenntnisse der Autopsie eines lebenden Toten, der dank höherer Mächte weiterhin atmet. Die Rede ist vom US-amerikanischen Investmentriesen Goldman Sachs, der den fünffachen Champions-League-Sieger mit einem Kredit in Höhe von 595 Millionen Euro samt freundlicher Verzinsung von 1,98 Prozent versehen hat.

Darf jetzt aufräumen: Barça-Präsident Joan Laporta   

Hinzu kommt ein mit den Kapitänen verhandelter Gehaltsverzicht, der Neu-Präsident Joan Laporta den nötigen Handlungsspielraum verschafft, um mit der Beseitigung des Scherbenhaufens von Vorgänger Josep Maria Bartomeu zu beginnen. Nach dem (wirtschaftlich unvermeidbaren) Abgang Lionel Messis belaufen sich die Gehaltsausgaben „nur“ noch auf 95 Prozent der Gesamteinnahmen. Es müssen allerdings weitere Großverdiener wie Coutinho oder Griezmann von einer Gehaltsliste gestrichen werden, die einer der Hauptgründe für das ganze Übel ist.

Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona.

Barça tritt gegen den FC Bayern

An diesem Vorhaben ist Laporta, der Barça bei fortschreitender Rückkehr der Fans in rund zwei Jahren wieder bei Gesundheit wähnt, bislang gescheitert. Unter diesen Voraussetzungen empfängt die Mannschaft von Trainer Ronald Koeman nun die Bayern, jenen Klub, der vor ziemlich genau einem Jahr auch das sportliche Kartenhaus der Katalanen beim 8:2 im Viertelfinale der Königsklasse zum Einsturz brachte. Die CL-Auslosung war spektakulär. In der Champions League trifft der FC Bayern auf Barcelona.

FC Barcelona - Ende einer Ära

Vom Ende einer Ära war die Rede, vorbei waren die glorreichen Zeiten aber schon lange. Letztmals gewann Barcelona 2015 den Henkelpokal, ins Halbfinale schafften sie es seitdem lediglich einmal. Kein Wunder also, dass die Stimmung an den belebten Ramblas dieser Tage gedämpft ist. Anders in der Hauptstadt Madrid, Heimat von Barças Erzrivalen Real. Und zwar nicht nur, weil die Königlichen drauf und dran sind, Superstar Kylian Mbappé zu verpflichten. Sondern auch, weil sich 124 der 254 im ersten Jahresquartal aus Katalonien geflüchteten Firmen in Madrid niedergelassen haben. Mehr als eine bloße Niederlage.

Hier gibt‘s mehr Infos zur UEFA Champions League. Übrigens, die Bayern spielen in einem neuen Trikot. Die Fangemeinde reagierte darauf sehr gespalten. *tz.de ist ein Angebot von IPPPEN.MEDIA

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