Weltmeister-Kapitän im tz-Interview

Lahm: Rafinha ist für Löw immer eine Option

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Philipp Lahm macht sich um die Nationalmannschaft keine Sorgen.

München - Wenn die deutsche Nationalmannschaft um das EM-Ticket kämpft, ist er nicht mehr dabei. Philipp Lahm fiebert nur noch auf dem Sofa mit. Im tz-Interview spricht er über die Form von Jogis Jungs und Rafinhas Chancen auf die Nationalelf.

Das EM-Ticket war eigentlich schon eingetütet, jetzt heißt es doch noch mal zittern für Jogis Jungs. Zumindest ein bisschen. Eine Pleite am Sonntag gegen Georgien würde zwar nicht die Fußballgesetze außer Kraft setzen, wäre aber schon mehr als eine faustdicke Überraschung. Doch ähnlich ist auch die 0:1-Niederlage des DFB-Teams gegen Irland einzuordnen, durch die der Weltmeister die vorzeitige Qualifikation zur Endrunde in Frankreich verpasste. Es läuft noch nicht so richtig rund seit dem WM-Triumph 2014, überzeugende Auftritte lieferte unsere Nationalelf zuletzt nur selten.

Doch Sorgen müsse man sich im Hinblick auf die EM nicht machen, versichert Philipp Lahm. Er muss es wissen, schließlich führte der 31-Jährige die Nationalelf als Kapitän zum WM-Titel. Im tz-Interview verrät der zurückgetretene Weltmeister, warum das DFB-Team pünktlich zur Endrunde in Topform sein wird und wie er die Spiele von Jogis Jungs verfolgt.

Herr Lahm, seit der WM läuft die Nationalelf noch der Form hinterher, die sie zum Titel geführt hat. Ist die Lücke, die Sie, Miro Klose und Per Mertesacker hinterlassen haben, doch größer als zunächst angenommen?

Lahm: Ich finde es normal, dass man durch die Quali nicht einfach so durchspaziert. Das ist harte Arbeit – vor allem, wenn man vorher Weltmeister geworden ist. Dazu musste sich die Mannschaft erst mal wieder finden und das in den wenigen Tagen Vorbereitung, die es bei den Länderspielen gibt. Man kann nicht erwarten, dass die Qualifikation immer so souverän läuft wie in den Jahren zuvor. Aber darum geht es ja auch nicht. Wichtig ist es, seine Spiele zu gewinnen und sich für das Turnier zu qualifizieren.

Sind Sie denn überzeugt, dass die Truppe in Frankreich wieder zu alter Stärke findet?

Lahm: Da mache ich mir keine großen Sorgen. Am wichtigsten für die EM ist das Trainingslager unmittelbar davor. Und da hat unsere Nationalmannschaft nicht nur in den vergangenen Jahren, sondern Jahrzehnten schon immer sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Das wird diesmal nicht anders sein. Das weiß ich, schließlich kenne ich den Trainer und sein Team ganz genau. Nicht umsonst heißt es, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist.

Dennoch hat Jogi ein Problem, an dem Sie nicht ganz unschuldig sind: Er sucht einen zuverlässigen Rechtsverteidiger. Löw probiert viele Spieler aus, findet aber keinen.

Lahm: Ich weiß nicht, ob er keinen gefunden hat. Es ist in der Qualifikation normal, dass viel getestet wird. Der Bundestrainer muss Dinge ausprobieren, die Spieler müssen Erfahrung sammeln. Man muss schauen, wer zu wem am besten passt. Das sehe ich jetzt noch nicht so problematisch.

Wäre Rafinha eine Alternative, vorausgesetzt, er erhält die deutsche Staatsbürgerschaft?

Lahm: Wer beim FC Bayern regelmäßig spielt und seine internationale Klasse nachgewiesen hat, ist immer eine Option – für jede Nationalmannschaft. Nicht umsonst hat er zuletzt eine Einladung vom brasilianischen Verband bekommen. Rafa hat seine Qualitäten über Jahre hinweg gezeigt. Und was er in den vergangenen beiden Jahren hier beim FC Bayern gespielt hat, war überragend. Er ist auf dem Platz unheimlich wertvoll und darüber hinaus auch noch ein überragender Typ. Warum soll so ein Spieler also keine Option sein? Aber wie gesagt: Bis zur EM ist ja noch ein bisschen Zeit. Da wird der Trainer die richtige Mannschaft finden. Ich glaube, als Fan kann man da sehr entspannt sein.

Sie sind mittlerweile ja auch nur noch Fan. Juckt es manchmal noch im Fuß, wenn die Nationalelf spielt oder ist die Sache längst erledigt?

Lahm: Das war sie schon vor einem Jahr. Als die WM vorbei war, habe ich mit dem Thema abgeschlossen. Ich bin ja nicht einfach so zurückgetreten, sondern hatte diese Entscheidung schon weit vor dem Turnier getroffen. Ich trauere da jetzt nichts nach. Natürlich schaue ich mir die Spiele aber an. Ich glaube, ich habe fast jedes seitdem gesehen und fiebere mit. Aber eben nicht so, dass ich gerne wieder dabei wäre – sondern so wie jeder andere Fan.

Thomas Müller hat zuletzt gesagt, er vermisst manchmal das Mitfiebern vor dem Fernseher. Sie können uns doch sicher jetzt erklären, wie er das meint.

Lahm: Ganz so mitfiebern wie vor meiner Nationalmannschaftskarriere kann ich dann doch nicht, das muss ich zugeben. Ich kenne so gut wie jeden Spieler und habe mit fast allen zusammengespielt. Es ist nicht einfach, Fan zu sein, wenn man alle Strukturen und Trainer der Mannschaft kennt. Eigentlich will ich während des Spiels gar nicht taktisch analysieren, aber dann erwische ich mich manchmal doch dabei (lacht).

Interview: Sven Westerschulze

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