Vor dem Heim-Debüt

FC Ingolstadt: "Im Moment ist alles Highlight-verdächtig"

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„Die, die nicht spielen, bereiten mir Kopfzerbrechen“: Hasenhüttl über Spieler wie den Neuzugang Elias Kachunga, der in Mainz draußen saß.

Ingolstadt - "Angst oder Nervosität gibt es nicht", sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. Der FC Ingolstadt bereitet sich tatkräftig auf sein Heim-Debüt vor.

Fehlende Tradition? Von wegen! Ralph Hasenhüttl fühlt sich mehr als heimelig in seiner neuen Stube. Rustikales Holz, Wirtshaus-Atmosphäre, karierte Tischdecken. Zugegeben: Die zünftig bayerische Almhütte, die der Bundesliga-Neuling in der Sommerpause just neben dem Trainingsplatz gebaut hat, passt architektonisch nicht ganz so gut zum modernen Sportpark und dem Stadion mit dem wuchtigen Schriftzug „Schanzer Heimat“, das vis-à-vis steht. Aber sie soll eben die andere Seite von Ingolstadt verkörpern. Die als zweitgrößte Stadt Oberbayerns – und nicht einzig und allein als „Autostadt“.

Hasenhüttl hat am Mittwoch also in dieser Hütte Platz genommen, die ab dem kommenden ersten Heimspiel der eigenen Bundesliga-Geschichte am Sonntag gegen Borussia Dortmund ein Treffpunkt für die Fans sein soll. Der Trainer des Aufsteigers hatte keine Wahl, denn der Andrang der Presse war am ersten richtigen Arbeitstag nach dem Auftaktsieg in Mainz so groß wie nie zuvor. Einen Presseraum gibt es auch im Verwaltungsgebäude, er hat ein kleines Podium, ein Mini-Sofa und zehn Stühle. Aber das reicht eben nicht mehr, wenn sich die TV-Teams vor der Tür tummeln. Auch der Parkplatz vor der Tür wird derzeit ausgebaut, bis Sonntag soll er hoffentlich fertig sein, sagen die Angestellten. So ist sie, die schöne neue Welt der Bundesliga. Und Hasenhüttl genießt sie in vollen Zügen.

FC Ingolstadt: "Im Moment ist für uns alles Highlight-verdächtig"

„Im Moment ist für uns alles Highlight-verdächtig“, sagt der Coach und schwärmt auf jeder Ebene von dieser „anderen Liga“. Der Sieg zur Premiere in Mainz, der Beweis, dass man sportlich mithalten kann, hat die Euphorie aus der Aufstiegs-Saison noch einmal verstärkt. „Angst oder Nervosität“, sagt Hasenhüttl, „waren schon letzte Woche kaum da. Es ist eher Vorfreude – und zwar auf alles, was passiert.“ Der Gegner müsse nicht mal Borussia Dortmund heißen: „Es kann kommen, wer will.“

In den nächsten Wochen sind es der BVB und Wolfsburg, „einmal Europa League, einmal Champions League“, wie Hasenhüttl sagt. Man rechnet damit, dass das Stadion immer ausverkauft sein wird. In der vergangenen Saison schaffte man das drei Mal.

Bei einem normalen Training sind nun rund 70 Zaungäste dabei, auch daran muss man sich gewöhnen. Hasenhüttl ist bemüht, die Lockerheit, die sein Team in der vergangenen Saison zum Zweitliga-Meister machte, täglich vorzuleben. „Hast Du Spaßtabletten geschluckt?“, fragte ihn Almog Cohen gestern, als der Coach auf dem Trainingsplatz zum wiederholten Male einen Scherz gemacht hatte. Eine von vielen netten kleinen Anekdoten, die aber nicht davon ablenken können, dass Hasenhüttl trotz des gelungenen Auftakts auch Sorgen hat. „Kopfzerbrechen bereiten mir die Spieler, die in Mainz nicht ran durften. Es ist schwer, sie aufzurichten. Ich will am liebsten alle spielen lassen.“

Hasenhüttl hatte am vergangenen Samstag seiner Aufstiegsmannschaft vertraut, kein Neuzugang stand in der Startelf. Das funktionierte vor allem in der ersten Halbzeit gut, die schlechteren Phasen nach der Pause hat man nun „intensivst analysiert“. Gegen Dortmund wird er taktisch anders agieren lassen, das ließ der Österreicher durchscheinen. Hohes Pressing könnte bestraft werden. „Aber“, sagt er, „ich habe Optionen in der Hinterhand.“

FC Ingolstadt: Einfaches Erfolgsrezept

Wackeln wird man in jedem Spiel, „es wäre vermessen zu glauben, dass wir immer souverän durchkommen“. Hoffnung, anders als die letzten Neulinge Fürth, Paderborn und Braunschweig die Klasse zu halten, macht vor allem die Auswärtsstärke. 19 Spiele hintereinander schaffte man letztes Jahr in der zweiten Liga ohne Niederlage in der Ferne, das ist Rekord. In Mainz wurde der Trend nun im Oberhaus fortgeführt.

Die Fans vor der Haustür will der FCI mit seinem „attraktiven Spielstil“ überzeugen. Das Erfolgsrezept ist einfach: „Jeder hat im Moment diesen Hunger, diesen unbedingten Willen. Es wird darauf ankommen, diese Art weiterzuleben“, sagt Hasenhüttl.

Dann versteht man ihn nicht mehr. Eine Bohrmaschine ist angegangen. Auch die schön traditionelle Almhütte ist noch nicht ganz fertig.

Ab der Saison 2015/16 spielt der FC Ingolstadt 04 zum ersten mal in der 1. Fußball-Bundesliga. Alles, was Sie über den Aufsteiger wissen müssen, lesen Sie hier.

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