Schalke in der Krise

Kommentar: Tönnies zerschlachtet das S04-Image und muss weg! Wenn nicht jetzt, wann dann?

Tönnies muss weg. Der Unternehmer ist als Aufsichtsratsvorsitzender auf Schalke völlig untragbar. Nur ohne den Fleisch-Giganten schafft es S04 aus der Krise. Ein Kommentar.

  • „Tönnies muss weg“ forderten die Schalke-Ultras jüngst. Sie haben recht.
  • Der Skandal-Unternehmer ist als Aufsichtsratsboss bei den Knappen völlig untragbar. Er ramponiert die Werte des Klubs massiv.
  • Nur ohne Clemens Tönnies kommt Schalke daher aus der Krise. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 kämpft um seine Existenz. Die Corona-Pandemie hat die jahrelange Misswirtschaft des eingetragenen Vereins auf dramatische Art und Weise offengelegt. Es brodelt in der Chefetage, das leidige Thema Ausgliederung polarisiert und die Mannschaft spielt eine regelrechte Seuchenrückrunde. Dass die Knappen zudem mal wieder einen katastrophalen Part in puncto Kommunikation abgeben, hat fast schon genauso viel Tradition wie der Verein selbst. S04 befindet sich in einer Identitätskrise. Diese wird von einem Mann maßgeblich verkörpert: Clemens Tönnies

Ein Kommentar von Andreas Schmid.

Schalke 04: Tönnies muss weg! Wenn nicht jetzt, wann dann?

Kaum eine Person in Deutschland schreibt derzeit so viele Negativschlagzeilen wie der Aufsichtsratsvorsitzende von S04. Der Corona-Skandal um seinen gleichnamigen Schlachtbetrieb schlägt immer höhere Wellen. Etwa 1500 infizierte Arbeiter und ein Unternehmer an der Spitze, der sich wohl auch dank ausgebeuteter Arbeiter zum Primus der Fleischbranche hieven konnte.

Gleichzeitig lenkt der 64-Jährige die Geschicke auf Schalke und schlachtet dort das Image des Kumpel- und Malocherklubs immer weiter aus. Dass dieses Vereinsbild im krassen Widerspruch zu den erschreckenden Zuständen in der Tönnies-Firma steht, sollte spätestens jetzt klar sein. Härter kann man das Klubimage nicht ramponieren. In der Ära Tönnies wurden zudem 19 Trainer und fünf Sportvorstände verschlissen. Auch das trägt zum Bild des Chaos-Klubs bei.  

Der Aufsichtsratsvorsitzende ist auf Schalke alles in allem völlig untragbar. „Tönnies raus“ forderten die Ultras Gelsenkirchen jüngst auf Spruchbändern, die in der ganzen Stadt zu sehen waren. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Schalke 04: Clemens Tönnies untragbar - wann wird endlich die Reißleine gezogen?

Ob es dazu kommen wird, ist allerdings fraglich. Tönnies hat sich in den Vereinsgremien ein starkes Netzwerk an Fürsprechern aufgebaut, auf deren Unterstützung er schon nach seinem Rassismus-Eklat im vergangenen Jahr bauen konnte. Eigentlich war der gebürtige Rhedaler schon damals unzumutbar. Ob es nun zum Rausschmiss kommen wird, bleibt abzuwarten. Fällig wäre Tönnies allemal.  

Von seinen fast schon hörigen Unterstützern wird gerne der finanzielle Aspekt ins Spiel gebracht. Schalke sei schlicht abhängig von der Großzügigkeit des Wurst-Giganten. Angesichts von 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten auf den ersten Blick ein nicht zu unterschätzendes Argument. Doch will der Klub wirklich mit einem Skandal-Unternehmer in Verbindung gebracht werden, dessen Eklats sich mehr und mehr auf den Verein auswirken? 

Schalke-04: Wie der Klub aus der Krise kommt - ohne Tönnies 

Zum Glück gibt es auch eine Lösung ohne große Tönnies-Millionen, denn eine Krise ist auch immer eine Chance. Und diese liegt (mal wieder) im eigenen Nachwuchs. 

Hungrige Junioren wie Levent Mercan, Can Bozdogan, Malick ThiawTimo Becker, Nassim Boujellab oder Ahmed Kutucu zeigten in ihren wenigen Spielen durchaus ordentliche Leistungen und leben die eigentlichen Tugenden des Klubs vor: Laufbereitschaft, Leidenschaft, Kampfgeist. Gleichzeitig genießen die von U19-Kult-Coach Norbert Elgert ausgebildeten Talente ein hohes Standing bei den traditionsbewussten Anhängern.  

Wie prägend das Verhältnis der Fans zu den eigenen Jugendspielern ist, erkennt man auch daran, dass der gebürtige Gelsenkirchener Kutucu in der Arena mit den lautesten Sprechchören gefeiert wird.

Zum Unmut der Fans bekam die Jugend in dieser Saison aber viel zu oft einen altgedienten Profi vor die Nase gesetzt. Die Oczipkas und Burgstallers im Kader durften ihren Murks Woche für Woche auf den Rasen stolpern, während die Junioren vermehrt auf der Bank schmoren mussten. 

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil der Jugendkicker: Mit ihnen lässt sich in Zukunft womöglich gutes Geld verdienen - vorausgesetzt Schalke stellt sich diesmal etwas cleverer an und stattet sie mit langfristigen Verträgen aus: Kolasinac, Matip, Meyer, Goretzka und zuletzt auch Nübel - alle wechselten nach Vertragsende ablösefrei. 

Schalke 04: Tönnies muss weg! Eine längst überfällige Entscheidung

Ja, Schalke befindet sich in einer tiefen Krise, aber diese muss nicht das Ende des Klubs sein. Der Turnaround gelingt jedoch nur, wenn sich Schalke personell neu aufstellt und zum einen mehr auf die Jugend setzt, und zum anderen endlich Schluss mit Tönnies macht. Ein längst überfälliger Schritt. (Andreas Schmid)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Tim Rehbein

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