Stevens-Nachfolger gesucht

Schalkes neuer Coach: Sehr bekannte Namen auf Mega-Liste - wer nimmt den schwierigen Job überhaupt an?

Jochen Schneider, Sportvorstand Schalke 04.
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Im März 2019 übernahm Jochen Schneider das Amt des Sportvorstands beim FC Schalke 04. Seitdem standen sechs (!) Trainer bei den Knappen an der Seitenlinie.

Welcher Trainer will sich den FC Schalke 04 überhaupt antun? Angesichts der Katastrophen-Saison des Traditionsklubs eine berechtigte Frage. Ein Blick auf die gehandelten Trainerkandidaten.

  • Der FC Schalke 04 befindet sich in einer existenziellen Krise.
  • Nach dem erneuten Trainerwechsel stellt sich die Frage, wer die sportliche Talfahrt noch stoppen kann.
  • Wen installiert Jochen Schneider an der Seitenlinie?

Gelsenkirchen - Neuer Trainer, altes Leid. Auch mit dem kurzfristig eingesprungenen Feuerwehrmann Huub Stevens wartet der FC Schalke 04 weiterhin auf einem Sieg. Seit nunmehr 29 Partien gab es keinen Dreier mehr. Königsblau hat im Jahr mehr Trainer engagiert als Siege geholt - 3:1.

FC Schalke 04: Stevens Zeit begrent - bis Weihnachten ein neuer Coach?

Nach der Entlassung Manuel Baums (elf Spiele sieglos) scheint auch unter Interimscoach Stevens keine Besserung in Sicht. Der ideenlose Auftritt im Abstiegskracher gegen Bielefeld (0:1) soll nach aktueller Planung eines von zwei Spielen unter der Führung des Kulttrainers sein. Im Idealfall nach dem Pokalspiel am Dienstag beim SSV Ulm möchte S04 einen neuen Cheftrainer präsentierten. „Wir haben für die Nachfolge schon jemanden im Kopf“, meinte Sportvorstand Jochen Schneider am Wochenende.

Schneider sollte sich die Entscheidung gut überlegen, sitzt doch auch er nach dem erneuten Trainerwechsel nicht mehr fest im Sattel. Neben der sportlichen Krisensituation steht Schalke indes auch vor großen finanziellen Problemen. Der neue Coach solle daher ein vergleichsweise kleines Grundgehalt beziehen, im Falle des Klassenerhalts jedoch per Prämie entlohnt werden. Doch wer könnte den Gang in die Zweitklassigkeit überhaupt verhindern? Es gibt mehrere Trainer, die in Gelsenkirchen gehandelt werden.

Das Schalker Horror-Jahr 2020

30 Bundesligaspiele: ein Sieg, zehn Remis, 19 Niederlagen.

Torverhältnis: 17:73

Sieglos seit: 17. Januar 2020

Trainer: David Wagner (bis September), Manuel Baum (bis Dezember), Huub Stevens (Interim)

FC Schalke 04: Der Topkandidat - Alexander Zorniger

Die Schalker Chefetage soll Alexander Zorniger als Favorit auf den Trainerposten ausgemacht haben. Der 53-Jährige gelte laut Sky als Wunschkandidat. Zorniger arbeitete bis 2019 beim dänischen Erstligisten Bröndby IF, mit denen er 2018 Pokalsieger wurde. Aktuell ist der 53-Jährige vereinslos. Für Zorniger spricht die gemeinsame Vergangenheit mit Schneider. Die beiden kennen sich aus Stuttgart, wo Schneider Sportdirektor und Zorniger Co-Trainer von Markus Babbel (2008-09) war. Daher wurde er schon nach Wagners Entlassung auf Schalke gehandelt. Außerdem trainierte der Schwabe die SG Sonnenhof Großaspach sowie RB Leipzig (noch in der 2. Liga). Seine Mission, den VfB Stuttgart in der Saison 2015/16 zu retten, scheiterte. Nach zehn Punkten aus 13 Spielen wurde der Fußballlehrer entlassen.

Alexander Zorniger arbeitete zuletzt zweieinhalb Jahre in Kopenhagen. Als Bröndby IF im Februar 2019 nur Vierter war, wurde die Zusammenarbeit beendet.

FC Schalke 04: Nach Japan-Intermezzo - Finks Rückkehr in die Bundesliga?

Thorsten Fink ist seit September ohne Verein und könnte sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen. Nach Sport1-Informationen stünde der 53-Jährige auch für den Posten auf Schalke bereit, genieße jedoch nicht von allen Mitgliedern im Aufsichtsrat Rückendeckung. Knackpunkt der Personalie soll Finks vergleichsweise kurze Zeit in Deutschland sein, wo der gebürtige Dortmunder nur für zwei Vereine gearbeitet hat. Der frühere Bayern-Profi stieg mit dem FC Ingolstadt in die 2. Liga auf und rettete 2011 den Hamburger SV vor dem Abstieg. Außerdem war Fink in Österreich, Zypern und der Schweiz aktiv. Zuletzt trainierte er unter anderem Lukas Podolski und Andres Iniesta beim japanischen Erstligisten Vissel Kobe.

FC Schalke 04: Friedhelm Funkel als Retter? „Erstmal abwarten, ob sich wer meldet“

Friedhelm Funkel genießt in der Bundesliga hohen Kredit. Der Routinier, der sich nach seinem Rauswurf bei Fortuna Düsseldorf Anfang des Jahres eigentlich aus dem Profifußball zurückziehen wollte, scheint auch auf Schalke ein hohes Standing zu haben. Laut der Bild ist Funkel Favorit vieler Schalker Eurofighter und soll auch für einige Spieler die Wunschlösung darstellen.

Funkel, der vor Corona eigentlich mit seiner Ehefrau die Welt bereisen wollte, stellte gegenüber dem Express klar: „Es gibt überhaupt keinen Kontakt. Ich bin und bleibe Rentner.“ Nichtsdestotrotz sei im Moment „alles offen“. Funkel wolle „erstmal abwarten, ob Schalke 04 sich überhaupt bei mir meldet.“ Ausgang offen, doch der 67-Jährige scheint zumindest bereit.

Friedhelm Funkel scheint eine Rückkehr in die Bundesliga nicht auszuschließen. Schlechtes Omen: Bereits achtmal trainierte der Kultcoach eine Mannschaft, die am Ende der Saison in die 2. Liga abstieg - Rekord.

FC Schalke 04: Zuletzt vom Radar verschwunden - zaubert S04 Gross aus dem Hut?

Der Kicker brachte am Montag mit Christian Gross zudem einen etwas in Vergessenheit geratenen Fußballlehrer ins Spiel. Der in Zürich geborene Ex-Profi, der 1980 für ein Jahr in der Bundesliga beim VfL Bochum gespielt hat, war seit 2014 außerhalb Europas aktiv und trainierte Klubs in Ägypten und Saudi-Arabien. Zuvor wurde er in der Schweiz mit dem FC Basel und den Grasshoppers Zürich sechsmal Meister und fünfmal Pokalsieger. 2009 beerbte er Markus Babbel beim VfB Stuttgart, rettete den Tabellen-15. vor dem Abstieg und qualifizierte sich sogar noch für die Europa League. Gross hatte in dieser Saison mit 2,26 Punkten pro Spiel den besten Punkteschnitt aller Bundesligatrainer. Nach einem desaströsen Saisonstart in die neue Spielzeit wurde der Schweizer entlassen. Sportlicher Leiter damals: Jochen Schneider.

Auf eine furiose Premierensaison in Stuttgart folgte schnell Ernüchterung. Nach sechs Niederlagen in den ersten sieben Spielen war für Gross in Schwaben auch schon wieder Schluss.

FC Schalke 04: Marc Wilmots? Kontinuierlich gehandelt - „Eurofighter“ ein Kandidat für S04?

Mark Wilmots wird immer wieder mit einem Engagement auf Schalke in Verbindung gebracht. Der Belgier gewann als Spieler der Knappen 1997 den Uefa-Cup und wird daher im Klub geschätzt. Die Erfahrung im Klubfußball fehlt dem 51-Jährigen jedoch. Bis auf ein Jahr in Belgien bei St. Truiden und einem kurzen Intermezzo auf Schalke als Interimscoach 2003 arbeitete Wilmots bisher nur für Nationalmannschaften. Neben einer erfolgreichen Zeit als Trainer der belgischen Auswahl stand der frühere Mittelfeldspieler auch für die Elfenbeinküste und den Iran an der Seitenlinie, wurde jedoch vorzeitig entlassen beziehungsweise kündigte aufgrund fehlender Gehaltszahlungen.

FC Schalke 04: Diese Trainer haben Außenseiterchancen

In den vergangenen Tagen ebenfalls auf Schalke gehandelt wurden zudem Dimitrios Grammozis und Armin Veh. Ersterer war bis Sommer beim SV Darmstadt aktiv und galt nach Wagners Entlassung als Kandidat: „Es stimmt, ich war damals in sehr guten Gesprächen mit den Schalker Verantwortlichen, aber letztendlich hat sich der Verein dann doch für Manuel Baum entschieden“, sagte er jüngst gegenüber Ran.de. Veh indes wurde von der WAZ ins Spiel gebracht. Dass der Meistertrainer des VfB Stuttgart, der zuletzt im Management des 1. FC Köln gearbeitet hat, auf die Trainerbank zurückkehrt, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Ebenso eher nicht denkbar scheint ein langfristiges Engagement von Huub Stevens. Der von den Fans zum Jahrhunderttrainer gewählte Niederländer soll nach aktuellen Planungen nur die zwei geplanten Spiele leiten. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Eine von Fans geforderte Rückkehr Domenico Tedescos scheint ebenso keine Option zu sein. Der 35-Jährige, der S04 vor zweieinhalb Jahren zur Vizemeisterschaft geführt hat, arbeitet aktuell in Russland. Seinen auslaufenden Vertrag bei Spartak Moskau wolle der Deutsch-Italiener erfüllen, wie die Kollegen von wa.de berichten.*

FC Schalke 04: Fazit - wer will sich Königsblau überhaupt antun?

Es bleibt damit spannend, wen Schneider & Co. als neuen starken Mann an der Seitenlinie präsentieren werden. Fest steht, dass es neben der sportlichen Kompetenz vor allem auf Führungsqualitäten ankommen wird. Dem neuen Trainer erwartet neben einer desaströsen sportlichen Ausgangslage auch ein äußerst schwieriges Umfeld. Schon jetzt ist fraglich, ob den Knappen selbst mit einem neuen Coach die lang ersehnte Trendwende gelingt. Noch nie schaffte eine Mannschaft, die nach 13 Spielen nur vier Punkte auf dem Konto hatte, am Ende der Saison den Klassenerhalt. (as) *wa.de gehört wie tz.de zum bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

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