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FCA und Co.: Kein Platz für Feuerwehrmänner

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Markus Weinzierl hat in Augsburg trotz schwacher Punktausbeute in der Hinrunde immer noch das Vertrauen
Markus Weinzierl hat in Augsburg trotz schwacher Punktausbeute in der Hinrunde immer noch das Vertrauen © dpa

Augsburg - Vereine wie der FC Augsburg und sein kommender Gegner Nürnberg beweisen, dass die Zeit der Feuerwehrmänner in der Bundesliga abgelaufen ist. Der letzte große Rettungsversuch ist missglückt.

Spätestens wenn die Saison in der Fußball-Bundesliga auf die Zielgerade einbog, schlug ihre große Stunde. Die Retter in der Not sollten die abstiegsbedrohten Klubs vor dem bitteren Gang in die Zweitklassigkeit bewahren oder die Europacup-Träume doch noch erfüllen. Wenn am Freitag (20.30 Uhr/Sky und Liga total!) mit dem Kellerduell FC Augsburg gegen den 1. FC Nürnberg die letzten zehn Spieltage eingeläutet werden, werden Namen wie Peter Neururer, Friedhelm Funkel oder Klaus Augenthaler nicht mehr gehandelt. Seit dem missglückten Auftritt von Otto Rehhagel in der vergangenen Saison bei Hertha BSC gilt: Die Zeit der Feuerwehrmänner ist abgelaufen.

„Mir fehlt die Arbeit“, sagte Neururer. Der 57-Jährige saß zuletzt im Oktober 2009 beim MSV Duisburg auf der Trainerbank. Jetzt ist er Spielerberater bei der Agentur football4you. Er zweifelt an einer Rückkehr in seinen alten Job. Bereits im Oktober hatte er sich eine Frist bis zum Ende der laufenden Saison gesetzt. Wenn bis dahin kein Angebot komme, werde er nicht mehr als Trainer oder Sportdirektor arbeiten, so Neururer: „Ich wäre dann über drei Jahre nicht mehr dabei und wäre einfach zu weit weg vom aktiven Geschäft. Ich bin noch heiß, aber auch in der glücklichen Lage, nicht alles unterschreiben zu müssen.“

Der zwei Jahre ältere Friedhelm Funkel galt als Abstiegskampf-Experte schlechthin. Seit 1991 saß der gebürtige Neusser fast ununterbrochen auf der Trainerbank. In der Zweitliga-Saison 2011/2012 wurde Funkel gleich zweimal entlassen: Im September in Bochum, im April in Aachen. Die Hoffnung auf eine neue Anstellung hat er aber noch nicht aufgegeben: „Ich liebe diesen Beruf. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich in diesen Job zurückkehren werde.“

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

Der Trend spricht gegen ihn. Die Klubs setzen nicht mehr auf den klassischen Retter, auch wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth sprach nach der Trennung von Mike Büskens Interimstrainer Ludwig Preis das Vertrauen aus - zumindest die drei Spiele, die der 41-Jährige ohne Lizenz laut Statuten den Aufsteiger betreuen darf. Zuletzt versuchten die Franken, Ralph Hasenhüttl (45) von Zweitligist VfR Aalen als Büskens-Nachfolger abzuwerben.

Andere Bundesligisten dienen den Fürthern als Vorbild. Augsburg setzte trotz desolater Hinrunde weiter auf Markus Weinzierl (38), der 1. FC Nürnberg vertraute nach dem überraschenden Abgang von Dieter Hecking in der Winterpause Michael Wiesinger (40). Auch in Schalke galt nach der Trennung von Huub Stevens im Dezember das Motto: Jugend statt Erfahrung. Jens Keller (42), zuvor U17-Trainer bei S04, übernahm den schwierigen Trainerposten bei den Königsblauen. Das Duo Sascha Lewandowski (41) und Sami Hyypiä (39) scheint Bayer Leverkusen sicher in die Champions League zu führen.

Da ist derzeit auch kein Platz für Christoph Daum. Der 59-Jährige verließ im Sommer 2012 freiwillig den FC Brügge und träumt von einer Rückkehr in die Bundesliga. „Daum ohne Fußball geht eigentlich nicht. Mein Ziel ist es, im Sommer wieder als Trainer zu arbeiten. Natürlich ist die Bundesliga mein Ziel, aber ich würde genau prüfen, ob das passt“, sagte Daum, der vergangenen Samstag Zuschauer beim Spiel seiner Ex-Klubs Leverkusen und Stuttgart war.

Klaus Augenthaler (55) wurde zuletzt immerhin bei Jahn Regensburg gehandelt - bevor sich der abstiegsbedrohte Zweitligist für den ehemaligen polnischen Nationaltrainer Franciszek Smuda entschied. Auch der Name von Michael Skibbe (47) wird nach seinen missglückten Kurzauftritten bei Hertha BSC und Kardemir Karabükspor in der Türkei derzeit nicht gehandelt.

Quasi als Sinnbild eines Arbeit suchenden Trainers geht mittlerweile Lothar Matthäus durch. Der Kapitän der bislang letzten deutschen Weltmeister-Elf (1990) bekam jüngst im Fachmagazin 11Freunde nicht von ungefähr eine große Geschichte verpasst, die den Titel trug: „Ich bin ein Star, wer stellt mich ein? - Die Beinahe-Arbeitsplätze von Lothar Matthäus.“

Der 51-Jährige ist seit 2011 und seinem Engagement als bulgarischer Nationaltrainer auf Jobsuche. Er bekomme immer wieder Angebote deutscher Vereine, versicherte Matthäus: „Aber mein nächster Schuss muss sitzen, deshalb warte ich ab, bis endlich das richtige Angebot kommt.“ Derzeit ist es nicht in Sicht.

sid

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