Kampfansage gegen den Rekordmeister

FCA-Zugang Finnbogason: "Ein Sieg gegen Bayern ist möglich"

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Wandervogel, Handball-Fan, FC-Bayern-Kenner: Alfred Finnbogason.

Augsburg - Alfred Finnbogason über die Fußball-Begeisterung in seiner Heimat Island, seinen neuen Verein FC Augsburg – und wie der FC Bayern zu knacken ist.

Am letzten Tag der Januar-Transferperiode hat der FC Augsburg Alfred Finnbogason, 27, Nationalstürmer von EM-Teilnehmer Island, geholt. Dass er Tore schießen kann, hat er in seiner Zeit in den Niederlanden bewiesen: mit 53 Treffern in 62 Spielen. An seinen letzten beiden Stationen, San Sebastian und Olympiakos Piräus, lief es aber nicht mehr so glatt. Mit dem FCA trifft er am Sonntag (17.30 Uhr, im Live-Ticker) zuhause auf die Bayern.

Sie haben einen universal gebräuchlichen Vornamen: Alfred. Hat man Sie hier in Bayern schon zum Fredl gemacht?

Alfred Finnbogason: Wir sind noch bei Alfred, so ruft man mich hier. Ich war aber schon Freddy in Griechenland oder Fimbo in Spanien.

Als Profi haben Sie bereits in sieben Ländern gespielt. Zudem waren Sie als Kind mit dem Vater in Schottland, haben dort auch gekickt – das wäre sogar Land Nummer acht.

Finnbogason: Und Italien ist Nummer neun. Als Austauschschüler mit 17 war ich für sechs Monate dort. Ich glaube, ich kann mich an neue Umgebungen und Situationen immer schnell gewöhnen. Ich kann Sprachen lernen, sehe neue Kulturen, das mag ich.

Das kulturell interessanteste Land?

Finnbogason: Spanien, speziell der Norden, das Baskenland, die Mentalität ist westeuropäisch.

Verspüren Sie allmählich nicht eine Sehnsucht nach Sesshaftigkeit? Nach dem Verein, bei dem Sie ein paar Jahre bleiben?

Finnbogason: Das ist meine Absicht. Gewechselt habe ich die Klubs stets aus einem guten Grund. Von Holland bin ich nach Spanien gegangen, um den nächsten Schritt zu machen. Von Spanien nach Griechenland ging es, damit ich wieder regelmäßig spielen kann. Das hat nicht geklappt wie gewünscht. Es ist schwer, wenn die Einsätze auf zehn bis fünfzehn Minuten beschränkt sind. Wie oft kommt man als Stürmer an den Ball? Drei-, viermal vielleicht. Ich brauche mehr 90-Minuten-Spiele.

Wann haben Sie von Augsburg zum ersten Mal gehört?

Finnbogason: 2013. Als ich in Holland spielte, hat man mich kontaktiert, ich hatte ein gutes Meeting mit Markus Weinzierl (Trainer, d. Red.), Stefan Reuter (Manager) und Stephan Schwarz (Chefscout). Seitdem verfolgte ich den Klub.

Das Treffen war in Reykjavik?

Ja, und dass sie zu dritt gekommen sind, das hat mir viel bedeutet.

Die Deutschen kennen von Island ja nur den Vulkan, der mal den Flugverkehr lahmgelegt hat, und die Sängerin Björk. Mussten Sie für die Gäste ein landeskundliches Sightseeing veranstalten?

Finnbogason: Wir haben gut gegessen, es war ein Kennenlerngespräch. Ich habe die drei nicht zum Fischen mitgenommen.

Sie sind diese Saison dem FC Bayern bereits zweimal begegnet, mit Olympiakos Piräus in der Champions League. Sie mussten in beiden Spielen auf der Bank bleiben, hatten dadurch aber Gelegenheit, die Bayern in Ruhe zu begutachten. Was haben Sie gesehen?

Finnbogason: Ich sah sehr gute Spieler – und ein höchst funktionales Team, das zu den Top Fünf in Europa zählt. Im dritten Jahr unter Guardiola kennen nun alle sein System.

Ist Bayern ein Team, das der FC Augsburg dennoch schlagen kann?

Finnbogason: Ja, wir sehen jede Woche solche Fälle. Niemand hätte gedacht, dass Leicester in der englischen Premier League oben stehen würde. Wenn wir die Haltung haben, dass wir dieses Spiel gewinnen wollen, ist ein Sieg gegen Bayern möglich. Anderenfalls können wir es vergessen.

Was sind eigentlich die favorisierten Teams der Isländer?

Finnbogason: Man schaut bei uns auf die Premier League, vor allem auf Manchester United und Liverpool.

Gegen Liverpool spielt Augsburg am Donnerstag in der Europa League. Aber sicher ohne Sie, da Sie für diesen Wettbewerb nicht spielberechtigt sind.

Finnbogason: Ein Jammer, ein großer Jammer.

Sie haben aber die Europameisterschaft vor sich. Island war das Sensationsteam der Qualifikation, löste das EM-Ticket früher als Deutschland und hatte eine schwerere Gruppe mit der Gegnerschaft Niederlande, Tschechien, Türkei, Lettland, Kasachstan.

Finnbogason: Auch deswegen bin ich hier: um meinen Platz in dieser Mannschaft zu sichern, in der ich seit fünf Jahren spiele. Wir erleben eine gute Zeit. Meine Generation, geboren 1988 und 89, bildet nun das Gerüst. 2011 waren wir bei der U 21-Europameisterschaft, in einer Gruppe mit Deutschland – und wir haben sie 5:1 geschlagen. Neun, zehn Spieler der damaligen Truppe bilden den Kern des jetzigen Teams, wir kennen uns alle sehr gut – das ist die Basis. Alles ist ideal gelaufen in der EM-Qualifikation, wir haben Holland zweimal geschlagen – und sind das erste Mal bei der EM.

Island ist Nummer 23 der FIFA-Weltrangliste. Das ist Mathematik. Ist das auch die gefühlte Position?

Finnbogason: Ja, wir verdienen diese Platzierung. Wir waren ja auch in den Playoffs für die WM 2014, haben sie im letzten Spiel erst verpasst. So groß kann man von uns eigentlich nicht überrascht sein.

Portugal, Österreich, Ungarn sind die Gruppengegner im Sommer in Frankreich. Islands Ziel?

Finnbogason: In die nächste Runde, die Knockoutphase, zu kommen. Dafür benötigt man mindestens einen Sieg. Wir hegen große Hoffnungen,

Ein Teil der Erfolgsstory sind wohl auch die Hallen mit Kunstrasen, die es in Island gibt.

Finnbogason: Diese Arenen wurden gebaut, als ich neun, zehn Jahre alt war. Ich konnte also das ganze Jahr unter guten Bedingungen spielen. Denn wenn man in unserem verrückten Winterwetter draußen trainiert, kann man nichts lernen.

Als Fußball-Profi muss man trotzdem aus Island weg.

Finnbogason: Mit 16, 17 gehen die besten jungen Spieler, sie schließen sich den Jugendteams in Holland, Belgien, Dänemark an. Ich war ein Spätzünder, bin etwas länger in Island geblieben und direkt in die erste Mannschaft von Helsingborg in Schweden gewechselt. Unsere eigene Liga wird zwar besser, aber ist höchstens semiprofessionell.

Wie viele Menschen in Island folgen dem Fußball-Team?

Finnbogason: Wir sind der populärste Sport. 90 Prozent schalten ein, wenn wir spielen.

Was ist mit Handball?

Finnbogason: Auch wichtig. Da habe ich die EM natürlich verfolgt. Zunächst unser Team, aber es hat leider keinen so guten Job gemacht.

Und nach Islands Aus: Fokus auf den Deutschen mit ihrem isländischen Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson?

Finnbogason: Ja, und wir sind sehr stolz auf ihn. Aber wir haben einige Weltklasse-Trainer, die überall unterwegs sind.

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