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Lucio: "Habe mich immer gefragt: Warum muss ich gehen?"

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Nach dem großen Spiel: Lucio mit seiner Tochter Valentinna – und mit einem FC-Bayern-Schal… © dpa

München - Es war der bewegendste Moment nach dem Champions-League-Finale: Ex-Bayern-Verteidiger Lucio vor der Bayern-Kurve.

Immer wieder küsste der Brasilianer den umgehängten Bayern-Schal, Tränen liefen über seine Wange. Im tz-Interview erklärt er, warum ihm der Wechsel so schwer gefallen ist und warum der FC Bayern immer in seinem Herzen bleibt.

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Lucio, herzlichen Glückwunsch zum Champions-League-Sieg! Und das gleich im ersten Jahr…

Lucio: Ja, ich bin sehr glücklich, das war ein super Jahr für mich. Ich habe drei Titel gewonnen. Und das ist auch ein großer Tag für Inter. Nach 45 Jahren hat der Klub wieder den Cup geholt. Ich bin überglücklich. Fantastisch.

Jetzt müssten Sie den Bayern fast dankbar sein, dass sie Sie weggeschickt haben…

Lucio: Aber am Anfang war ich sehr traurig, dass ich gehen musste. Ich wusste wirklich nicht, warum. Ich war immer zu hundert Prozent bei Bayern. Im Training und im Spiel habe ich immer versucht, meine beste Leistung zu bringen. Aber ich habe noch viele Freunde da: Schweini, Altintop, Müller-Wohlfahrt, der Fredi Binder, ganz viele.

Und dass Sie die Bayern-Fans so bejubeln, ist das größte Kompliment?

Lucio: Ja, das war bewegend. Ich hatte eine tolle Zeit bei Bayern. Und deswegen habe ich auch ein bisschen geweint. Ich war sehr ergriffen. Es ist fantastisch, dass mich die Fans nichtvergessen haben. Ich habe damals ja auch nicht gedacht, dass ich gehen muss. Nach dem Confed-Cup haben sie auf einmal gesagt, dass ich gehen muss. Ich habe mich jeden Tag in meinem Kopf gefragt: Warum? Warum? Warum? Ich war sehr traurig. Das war sehr schwierig für mich. Immer habe ich mich gefragt: Warum muss ich gehen? Warum muss ich Bayern verlassen? Ich war sehr glücklich, hatte da mein Haus, meine Familie, meine Kinder. Alles war so schön. Ich glaube, ich wäre niemals vom FC Bayern weggegangen. Aber das ist vorbei, mein Kopf ist jetzt bei Inter, meine Familie ist zufrieden. Aber in meinem Herzen ist immer noch der FC Bayern. Bayern wird dort immer einen Platz haben.

Heute hätten sie Sie gut gebrauchen können…

Lucio: Ja, das stimmt, wir haben hinten sicher gestanden, sicherer als Bayern.

Ist das der schönste Tag in Ihrem Leben?

Lucio: Ja, das ist wunderbar! Seit ich vor achteinhalb Jahren zu Bayer Leverkusen kam, habe ich davon geträumt einmal die Champions League zu gewinnen. Und jetzt ist dieser Traum wahr geworden.

Und haben Sie danach gefeiert?

Lucio: Natürlich. Jetzt habe ich noch ein paar Tage Ruhe und dann geht es ja schon weiter mit der Vorbereitung auf die WM, bei der ich mit Brasilien erfolgreich sein will.

…aber wieder Ihre Familie zurücklassen müssen.

Lucio: Ja, das ist schade. Wissen Sie, meine Familie ist für mich das Wichtigste. Meine Kinder waren mit auf dem Platz, um uns herum nur Jubel, der Pokal und sogar die gegnerischen Fans haben mich gefeiert. Was kann es Schöneres geben? Ich danke Gott dafür, dass er so gut ist zu mir. Und das er jeden Tag bei mir ist.

Vielleicht war der Wechsel ein göttliches Zeichen...

Lucio: Ja, das meine ich. So versuche ich die Dinge zu sehen. Vielleicht wollte Gott, dass ich zu Inter gehe, damit ich die Champions League gewinne.

Wären Sie bei Bayern geblieben, hätten die vielleicht gewonnen…

Lucio (lacht): Ja, vielleicht.

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