Coach im tz-Interview

Magath: "Götze muss sich gewaltig strecken"

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Felix Magath sieht Probleme für Englands Fußball und Mario Götze in der Bringschuld.

München - Vor dem Länderspielklassiker gegen England spricht Felix Magath in tz über die Situation auf der Insel, Bastian Schweinsteigers Rolle und Mario Götzes Problem.

Herr Magath, warum sind Sie Fan des englischen Fußballs?

Magath: In den deutschen Ligen werden die Schiedsrichter angehalten bei jedem kleinsten Körperkontakt zu pfeifen. Sobald ein Spieler berührt wird, fällt er und es gibt einen Freistoß, der dann ausdiskutiert wird. Deshalb kommt kaum ein richtiger Spielfluss zustande. In England ist dagegen mehr Action auf dem Spielfeld. Außerdem wird dort weniger taktisch gespielt, das Bestreben schneller zum Tor zu kommen, ist größer. Statt langer Ballbesitzphasen wechselt dieser öfter.

International haben die Premier-League-Klubs nicht viel erreicht.

Magath: Das war vor einigen Jahren noch anders. Da wurde die Champions League von englischen Teams dominiert. Die Tatsache, dass mit Leicester ein Team Tabellenführer ist, das 2014 erst aufgestiegen ist, sagt viel aus über die Liga. Die großen Vereine haben allesamt Schwierigkeiten.

Wie denken Sie über die englische Nationalmannschaft?

Magath: Aus dem Kader sticht kaum ein Spieler hervor. In England fehlt eine vernünftige Förderung im Nachwuchsbereich. Dieses Thema überlässt man den Vereinen. Das führt dazu, dass es wenig hoffnungsvolle Talente gibt, die die Nationalmannschaft wettbewerbsfähiger machen könnten. Außerdem wird sehr körperbetont gespielt, was es für jüngere Spieler ebenfalls schwierig macht, sich durchzusetzen.

Hat sich der Wechsel für Bastian Schweinsteiger nach England ausgezahlt?

Magath: Das Problem liegt dort am Verein. Manchester United wurde über Jahrzehnte von Alex Ferguson dominiert und befindet sich im Umbruch. Aber noch immer hat Ferguson großen Einfluss. Das macht die Arbeit für die Trainer schwierig. Louis van Gaal kommt deshalb auch nicht richtig zurecht. In so einem brodelnden Umfeld ist es für die Spieler schwierig.

Kann Schweinsteiger Deutschland als Kapitän führen?

Magath: Schon in Brasilien war seine Rolle doch mehr die, einer starken Persönlichkeit. Davon hat die Mannschaft profitiert, weniger von seinen sportlichen Leistungen. Wenn Bastian die Akzeptanz der Mannschaft hat, kann er diese Rolle in Frankreich wieder spielen.

Sollte Lukas Podolski wieder zum EM-Kader gehören?

Magath: Es ist sicher überlegenswert, ob es Sinn macht, einen Spieler mitzunehmen, der kein Kandidat für einen Stammplatz ist. Aus sportlicher Sicht wäre es sicher zu vertreten, stattdessen einen jüngeren Spieler zu nominieren.

Was ist mit WM-Held Mario Götze?

Magath: Man sollte generell einen Spieler mit einer Aktion nicht überhöhen. Mario Götze wurde im WM-Finale eingewechselt und hat dann getroffen. Mehr nicht. Seit er zu Bayern München gewechselt ist, hat er nicht mehr die Rolle gespielt, die er in Dortmund innehatte. Es ist fraglich, ob er wirklich so unverzichtbar für die deutsche Mannschaft ist. Es wird spannend zu sehen, wie Carlo Ancelotti mit ihm plant. Ich kann mir gut vorstellen, dass er auf ihn als Spielertyp steht. Dazu muss sich Mario jedoch gewaltig strecken, denn die Konkurrenz auf seiner Position bei Bayern ist groß, und von seinen Qualitäten war lange nichts mehr zu sehen.

Vieles dreht sich in diesen Tagen um den Rauswurf von Max Kruse aus dem Nationalteam. Hat Löw richtig entschieden?

Magath: Grundsätzlich kann ein Trainer nicht zu viele schwierige Charaktere in einer Mannschaft gebrauchen; nur stromlinienförmige aber auch nicht. Entscheidend ist, was der Bundestrainer mit dem Spieler besprochen hat. Wurden ihm Konsequenzen angedroht, dann ist die Entscheidung richtig und legitim. Ein Trainer muss, wenn er Folgen für gewisses Fehlverhalten angekündigt hat, handeln, sonst wird er unglaubwürdig.

Interview: Marcel Schwamborn

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