tz-Kolumne

Hart aber Felix: Die Tradition ist nicht entscheidend

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Für die tz analysiert Kolumnist Felix Magath immer montags die Lage im deutschen Fußball.

München - Felix Magath analysiert in seiner tz-Kolumne die Lage im deutschen ­Fußball. Diesmal macht er sich Gedanken über den VfL Wolfsburg und die Verteilung der TV-Gelder.

Die Königlichen kommen. Real Madrid reist mit dem Selbstvertrauen des Clásico-Siegs beim FC Barcelona nach Wolfsburg. Schwieriger könnte die Aufgabe kaum sein. Die VfL-Fans sollten es jedoch genießen, denn es dürfte der letzte große Europapokal-Abend für lange Zeit sein. Ein Viertelfinale in der Champions League ist zwar ganz schön, aber dafür kann man sich nichts kaufen.

Die entscheidende Musik spielt in der Meisterschaft, und da rennt der Vizemeister und Pokalsieger der Vorsaison seinen Ansprüchen meilenweit hinterher und wird in der nächsten Saison nicht mehr in der Königsklasse unterwegs sein, vielleicht noch nicht einmal in der Europa League.

Wolfsburg droht ein großer Einschnitt, die Zuwendungen durch den Mutter-Konzern VW werden geringer ausfallen. Bisher war der Standort ein Vorteil, denn durch die garantierte finanzielle Unterstützung bestand eine gewisse Planungssicherheit. Der VfL investierte nach den Bayern am meisten in seine Mannschaft.

VW-Krise gleich VfL-Krise?

Doch nun kann der Standort-Vorteil schnell zum -Nachteil werden. Die Krise des VW-Konzerns geht einher mit der sportlichen Krise des VfL. Den Vereins-Verantwortlichen fehlen die Argumente, gleichbleibende Zahlungen zu fordern angesichts miserabler sportlicher Leistungen. Hinzu kommen die Disziplinlosigkeiten einzelner Spieler. Dieter Hecking und Klaus Allofs, vor Monaten noch gefeiert ob ihrer Arbeit, scheinen die aktuellen Pro­bleme nicht in den Griff zu kriegen.

Während in Wolfsburg bisher der Autokonzern für die nötigen Finanzspritzen sorgte, sind bei vielen Vereinen die TV-Gelder entscheidend. Und da regt sich nun Widerstand vom selbst ernannten "Team Marktwert". Sechs Vereine wollen Faktoren wie Fanbasis, Bekanntheit und TV-Reichweite bei der Verteilung berücksichtigt wissen. 

Ein falscher Gedanke. Die Klubs sollen vernünftig arbeiten und nicht nach Subventionen rufen! Traditionsmannschaften haben genug Möglichkeiten, ihren Standortvorteil, aber auch ihre Tradition, Größe und Verwurzelung auszunutzen. Dortmund ist beispielsweise an die Börse gegangen und hat sich so Geld beschafft.

Mainz, Augsburg und Co. nicht benachteiligen

Aber dass nun das Thema Tradition zum Indikator gemacht werden soll, bestraft kleinere Vereine, die aktuell besser arbeiten. Mainz, Augsburg oder auch Zweitligist Freiburg verfügen nicht über diese sogenannte Tradition, sind in kleineren Städten beheimatet - überzeugen jedoch durch Leistung und sportlichen Erfolg.

Dass Mainz mit seinem Kader inzwischen in der Tabelle vor Schalke steht, ist ein Fingerzeig. Nicht Tradition und Fan-Anhang sind entscheidend, sondern kluges Handeln auf Management-Ebene. Schalke ist mit etwa 140.000 Mitgliedern zwar der viertgrößte Verein der Welt, würde - ohne selbst dort "Mitglied" zu sein - demnach auch von den Plänen des "Team Marktwert" profitieren, hat aus seinen riesigen Möglichkeiten aber viel zu wenig gemacht.

Am Ende ist es doch die Tabelle, die nach 34 Spieltagen die Arbeit widerspiegelt. Leistung soll sich auszahlen, nicht Erfolg aus längst vergangenen Tagen.

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