Hart aber Felix

Magath exklusiv: Sechs Teams im großen Liga-Check

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Felix Magath nimmt für die tz die Liga unter die Lupe.

München - Unter dem Motto "Hart aber Felix" nimmt tz-Kolumnist Magath nimmt ab heute alle Bundesliga-Teams unter die Lupe. Los geht's mit Gladbach, Mainz, Bremen, Augsburg, Hoffenheim und Darmstadt.

Der Countdown läuft. Am kommenden Wochenende steht mit dem DFB-Pokal das erste Pflichtspiel für alle Erstligisten auf dem Programm. Dann sind die 18 Elite-Teams gefordert. Ausreden zählen nicht mehr. tz-Kolumnist Felix Magath (62) analysiert in dieser Woche alle Mannschaften. Wer kann den Bayern gefährlich werden? Wer könnte das Überraschungs-Team der Saison werden? Wem droht der Absturz in Liga zwei? Unter dem Motto „Hart aber Felix“ betrachtet der Meistertrainer die Liga durch seine Brille und tippt jeweils die Endplatzierung der Saison 2015/16.

Von Felix Magath

Borussia Mönchengladbach

Für mich ist er der beste Trainer der Bundesliga: Lucien Favre! Denn man sollte das Ergebnis der Arbeit eines Trainers immer in Relation zu den finanziellen Möglichkeiten setzen.

Er hat die Borussia in einer ausweglosen Situation übernommen und holt aus dem ihm zur Verfügung stehenden Kader stets das Maximum heraus. Außerdem beweist er noch das richtige Gespür beim Umgang mit etwas schwierigeren Stars wie Max Kruse oder bei Talenten wie Granit Xhaka. Die Borussia hat in der Vergangenheit schon Top-Stars wie Reus und Dante verloren, Favre entwickelte aber immer wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft. Er ist ein akribischer Arbeiter, kein Lautsprecher und Showmaster. Das ist sein Weg zum Erfolg!

Mit Kramer und Kruse sind nun erneut zwei wichtige Stützen des Teams weggebrochen. Lars Stindl kann die Mittelfeldlücke sicher schließen, er ist ein Leader-Typ. Skeptischer bin ich bei Josip Drmic – der im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein klassischer Torjäger ist. Kruse dagegen hatte variabel und flexibel am Spiel teilgenommen. Die Mannschaft muss sich offensiv also neu einstellen. Von Patrick Herrmann erwarte ich viel, er hat sich zuletzt sehr gut entwickelt. Wenn er weiter so arbeitet, dann kann er mit den Champions-League-Spielen einen großen Sprung machen. Viele Profis werden erst so richtig gut, wenn sie internationale Top-Spiele absolvieren.

Nun wartet auch die Champions League. Eine tolle Herausforderung für die Borussia. Und wenn einer seiner Mannschaft bei dieser Doppelbelastung, die auch die Gefahr von Konzentrationsverlust birgt, die richtigen Ratschläge geben kann, dann sicherlich Favre. Die Borussia wird erneut überzeugen!

Magath-Tipp: Platz 4

FSV Mainz 05

Ich schätze Mainz. Für die seriöse Arbeit des Klubs. Für die Konstanz und Stabilität, die Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz verkörpern.

Aber der Verein steht für mich symptomatisch für ein wachsendes Problem der Bundesliga: die Finanzkraft der Premier League. Bisher wechselten doch relativ wenige Spieler aus der Bundesliga nach England, nun aber zog es Shinji Okazaki vom 11. der Bundesliga zum 14. der Premier League, Leicester City. Für Okazaki also sportlich kein wirklicher Sprung, für Mainz aber ein Qualitätsverlust.

Dem Japaner gelangen 27 Tore in 65 Spielen, und er passte hervorragend ins Mainzer System. Solch ein Abgang lässt sich kaum kompensieren und bedeutet, dass ein Verein wie Mainz in seiner Entwicklung gehindert wird, dass das Team in mancherlei Hinsicht wieder „bei null“ anfangen muss.

Noch Neu-Trainer Martin Schmidt hatte nun eine komplette Vorbereitungsphase, um seine Mannschaft einzustellen. Danach kann man auch seine Arbeit erst richtig beurteilen. Dennoch droht Mainz Stillstand – eine Saison im Niemandsland der Liga.

Magath-Tipp: Platz 12

SV Werder Bremen

Viktor Skripnik hat Werder in der letzten Saison wiederbelebt. Fast schon hatte man Bremen komplett abgeschrieben – letzter Platz, miese Stimmung. Doch dann gelang dank der richtigen Trainer-Entscheidung die Wende. Viktor, den ich in der Saison 1998/99 noch selbst trainiert habe, ist kein Frischling. Er war ukrainischer Nationalspieler, hat Bundesliga-Erfahrung und kennt Bremen durch seine langjährige Arbeit im Nachwuchsbereich in- und auswendig. So hat er für seine erste Chef-Trainer-Aufgabe schon ausreichend Erfahrung mitgebracht. Jemand, der alles selbst erlebt hat, der weiß Bescheid. Skripnik ist ein leiser Typ, ein fleißiger Arbeiter. Zusammen mit Marco Bode als Aufsichtsratschef und Thomas Eichin als Sportdirektor bildet er ein stabiles Trio, das den Verein wieder geeint hat und die Querelen beseitigt hat.

Aber: Gute Stimmung allein schießt keine Tore! Erst zog es Davie Selke nach Leipzig, dann Franco Di Santo nach Schalke. Anthony Ujah ist sicher ein guter Stürmer, aber ein ganz anderer Typ. Ich bin skeptisch, ob die Lücken in der Offensive geschlossen werden können. Daher steht Bremen für mich vor einer schwierigen Saison.

Magath-Tipp: Platz 10

FC Augsburg

Die Nachricht war bemerkenswert: Nach dem sensationellen Erreichen des fünften Platzes hat sich Trainer Markus Weinzierl nicht von Schalke wegkaufen lassen. Meines Erachtens eine richtige Entscheidung! Er passt zum Verein und zum Umfeld. Außerdem läuft ihm die Zeit nicht weg. Er kann immer noch neue Herausforderungen suchen. Weiter empfehlen kann er sich in der kommenden Spielzeit – die wird hart für den FCA. Schluss mit eitel Sonnenschein! Im Vorjahr haben alle am oberen Limit gespielt, jetzt kommt mit der Europa League eine zusätzliche Aufgabe hinzu. Internationale Spiele sind für jeden Profi die Höhepunkte und Augsburgs Spieler kennen solche Highlights kaum. Daher fehlt ihnen die Routine, damit umzugehen. Bayern-Profis können drei Tage nach einem Champions-League-Spiel eine Partie in der Liga schon mal mit 75 Prozent Einsatz gewinnen, die Augsburger nicht. Daher wird es im Herbst knifflig.

Auch ist auf dem Transfermarkt noch nicht viel passiert, da muss Stefan Reuter noch ein bisschen arbeiten. Neuzugang Trochowski hat sich gleich schwerer verletzt. Linksverteidiger Baba lockt das Geld nach Chelsea. Solche Spieler wie Baba kommen nicht jede Woche in Augsburg vorbei. Das erfordert vom Scouting eine gute Nase, um Ersatz zu finden. Gut deshalb, dass Mittelfeld-Chef Daniel Baier verlängert hat. Ich schätze, am Ende wird der FCA einige Plätze weiter hinten landen. Das bedeutet aber in meinen Augen keinen Rückschritt – sondern eine Bestätigung!

Magath-Meter: Platz 9

1899 Hoffenheim

In kaum einem Stadion war ich in der vergangenen Saison so oft zu Gast wie in Hoffenheim. Man hört in der schicken Arena immer mal wieder die Begriffe „Champions League“ oder „Europa League“. Für mich aber steht fest: Damit klappt es in der kommenden Saison nicht!

Die Mannschaft bietet zwar fußballerisch gutes Potenzial – aber sie lässt nur selten absoluten Siegeswillen erkennen. Vielleicht liegt’s an der Beschaulichkeit des Kraichgaus, dass dort einfach kein absoluter Leistungsgedanke entsteht. Mir fehlt im Hoffenheimer Spiel die Zielstrebigkeit, dieser unbedingte Drang zum Tor. Da wird ganz nett kombiniert, der Ball gut gehalten, aber alles ist eben nicht effektiv genug.

Ein Hoffnungsträger soll nun Kevin Kuranyi sein. Spieler, die wie er relativ wenig Gewicht mit sich herumtragen, haben im Alter nicht so große Probleme. Bei mir hat er immer viele Tore erzielt. Aber: Spieler, die aus dem Ausland in die Bundesliga wechseln, sind oft nicht auf dem richtigen konditionellen Niveau. Daher muss Kevin erst einmal wieder aufholen, das weiß er selber. Er hat den Zug zum Tor und kann fehlende Fitness auch mit Erfahrung wettmachen. Gut für die TSG, dass U21-Kapitän Kevin Volland seinen Vertrag verlängert hat und zum Stützpfeiler der Mannschaft werden will. Der Spielplan meint es im Übrigen nicht nett mit 1899. Start in Leverkusen, dann kommen die Bayern – da kann man schnell mal ungewollt die Rote Laterne halten. Und eins kann Hoffenheim bestimmt nicht: Abstiegskampf.

Magath-Meter: Platz 13

SV Darmstadt 98

Fürth, Braunschweig, Paderborn – zuletzt sind die Außenseiter direkt wieder abgestiegen. Das wird leider auch Darmstadt so ergehen! Alles andere wäre ein Wunder, auch wenn die Lilien mit Dirk Schuster den Trainer der Saison 14/15 halten konnten. Machen wir uns nichts vor: Es geht einzig darum, so gut wie möglich mitzuspielen. Daher sollten die Spieler sich nicht verrückt machen lassen, sondern versuchen, dem ein oder anderen Gegner ein paar Punkte abzukämpfen. Gerade daheim. Das Böllenfalltor mag für die Top-Teams in jeder Hinsicht ungewohntes Terrain sein, der Faktor Stadion mag dann ab und zu mal für Punkte reichen.

Mit Dominik Stroh-Engel ist nur ein gefährlicher Stürmer im Kader, einige Aufstiegshelden sind weg. Ich habe 1973 selbst ein Probetraining in Darmstadt absolviert, bin dann aber in Aschaffenburg geblieben. Daher habe ich noch immer Sympathien für den Klub, aber nur mit Daumendrücken und Romantik bleibt kein Verein in der Bundesliga.

Ich hoffe, dass sie Mannschaft am Anfang, wie Paderborn im Vorjahr, Punkte sammelt. Es täte der Liga nicht gut, wenn ein Verein gleich abgeschlagen wäre. Aber da setze ich auf Schuster. Er wird dafür sorgen, dass sein Team den Bundesliga-Negativrekord von Tasmania Berlin mit nur zehn Punkten und einer Tordifferenz von minus 93 gewiss nicht unterbieten wird.

Magath-Meter: Platz 18

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