"Macht mich fuchsteufelswild"

Neureuther kritisiert Özil aufs Schärfste

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Felix Neureuther.

Kitzbühel -  Bastian Schweinsteigers Spezl Felix Neureuther ist derzeit im extremen WM-Fieber: Er glaubt an den Titel. Aber ein Spieler in der Nationalmannschaft macht ihn "fuchsteufelswild".

Ein Ski-Fest am Hahnenkamm geht auch im Hochsommer: Felix Neureuther war am Samstag nach Kitzbühel gekommen, um seine eigene Gondel einzuweihen. Die Kabine mit seinem Namen gibt es seit vier Jahren, seit seinem ersten Sieg am Ganslernhang 2010, mit einer großen Ehrung des 30-Jährigen klappte es erst jetzt, nach seinem zweiten Erfolg im vergangenen Januar. Über 100 Gäste, darunter 25 Fanklub-Mitglieder aus Garmisch-Partenkirchen, erwiesen dem 30-Jährigen die Ehre. Neureuther wird übrigens der einzige Sieger bleiben, der einen Slalom am Ganslernhang bei Tag und einen unter Flutlicht gewann. Das (wetterbedingte) Experiment von Januar, den Sieger des Spezialslalom am Freitagabend zu ermitteln, findet erst mal keine Wiederholung.

Felix Neureuther, kein Schnee am Hahnenkamm – lassen Sie uns über die Fußball-WM reden. Haben Sie Kontakt mit ihrem Spezl Bastian Schweinsteiger? 

Felix Neureuther: Wir schreiben uns regelmäßig, auch noch kurz vor dem Frankreich-Spiel.

Taktische Tipps vom ehemaligen Mittelfeldspieler Neureuther? 

Neureuther: Ich schreibe ihm das gleiche, was er mir im Winter vor Rennen schreibt. Basti sagt, es macht richtig viel Spaß bei der WM, das sieht man ja auf dem Platz. Ich habe das Gefühl, das ist heuer erstmals eine richtige Mannschaft, in der sich einer für den anderen aufarbeitet. Basti sagt, die Stimmung ist sehr, sehr gut.

Obwohl er selbst am Anfang nicht spielen durfte?

Neureuther: Er hat ja gezeigt, dass das absolut zu Unrecht so war.

Wie gefällt Ihnen die WM allgemein? 

Neureuther: Ich finde sie Wahnsinn, ich war selten in so einem Fußballfieber wie jetzt. Es gibt extrem gute Spiele. Costa Rica, Kolumbien, unglaublich! Auch Mexiko oder Algerien haben richtig Spaß gemacht.

Wo schauen Sie die Spiele – zuhause oder beim Public Viewing?

Neureuther: Daheim im ganz kleinen Kreis. Ich mag da keine großen Menschen-Aufläufe. Da gibt es so viele Fußballexperten, die eigentlich keine Ahnung vom Fußball haben ...

Sie schon. Was fällt Ihnen in Brasilien besonders auf?

Neureuther: Es wird extrem hart gespielt. In den letzten Jahren sind schmächtige Spieler wie Neymar viel besser zur Geltung gekommen als bei dieser WM. Heute zählt mehr Robustheit, Körpereinsatz, Schnelligkeit. Technisch starke Mannschaften wie Spanien haben diesmal fast kein „Leiberl“. Das Körperliche und der Wille stehen noch mehr im Vordergrund. Algerien, Costa Rica, Chile – die brennen alle darauf, für ihr Land zu spielen, mit extremster Leidenschaft. So extrem ist mir das noch nie aufgefallen.

Die deutsche Mannschaft überzeugt auch mit Willenskraft. Wie weit führt ihr Weg? 

Neureuther: Von der individuellen Klasse muss Deutschland Weltmeister werden! Ich sehe keine Mannschaft, die bessere Spieler hätte. Mir taugt es, wenn jemand richtig beißen kann. Aber mir taugt es gar nicht, wenn jemand nicht beißt. Wie Mesut Özil. Da reißt sich jeder den Hintern auf, Müller reibt sich auf, Schweinsteiger kämpft und grätscht, und dann sehe ich andere, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie nicht alles geben. Als Mitspieler würde mich das nerven, wenn einer vorne den Ball verliert und nicht Vollgas zurücksprintet. Das würde mich fuchsteufelswild machen. Bei Özil habe ich das schon öfter beobachtet.

Warum gewinnen die Deutschen am Dienstag gegen Brasilien?

Neureuther: Weil sie besser sind! Brasilien hat mich bisher nicht überzeugt. Schade finde ich, dass Neymar fehlt. Ich bin ein unglaublicher Fan von Neymar. Es hätte schon einen ganz anderes Flair, wenn er auf dem Platz stehen würde. Bei uns fehlt ja der „deutsche Neymar“, Marco Reus – vielleicht ist es so ausgeglichen.

Deutschland wird also Weltmeister? 

Neureuther: Im Viertelfinale Frankreich, im Halbfinale Brasilien . . . Wenn man sieht, auf wen Holland getroffen ist, hatte Deutschland den schwersten Weg. Halbfinale ist schon ein Wahnsinnserfolg.

Wer überzeugt Sie im deutschen Team? 

Neureuther: Mir hat gegen Frankreich auch Höwedes gut gefallen. Jeder erfüllt seine Aufgabe. Erst macht Müller vier Tore, dann redet alles über Müller. Neuer macht ein Wahnsinnsspiel, dann redet alles über Neuer, jetzt hat der Hummels ein Wahnsinnsspiel gemacht, also redet alles über Hummels. Dann kommt Schweinsteiger und es heißt: Gottseidank, der Schweinsteiger ...

... und im Winter gewinnt Neureuther den Kitzbühel-Slalom – dann redet alles über Neureuther. Sogar noch im Juli. Der Empfang heute wirkt fast wie eine Mini-Ausgabe der legendären Hansi-Hinterseer-Wanderung, die es ja nicht mehr gibt ...

Neureuther: Wenn so viele Leute kommen, bewegt mich das sehr und macht mich stolz. Die Kitzbüheler machen das unfassbar gut, da kommen die Skifahrer auch im Sommer gerne her. Eine Felix-Neureuther-Fan-Wanderung wird’s aber nie geben! Nicht mal daheim auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen.

Interview: Andreas Werner

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