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FIFA-Brief: Infantino fordert WM ohne Katar-Kritik – England-Coach will sich nicht dran halten

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Von: Kai Hartwig

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Mit einem Brief an die Verbände aller WM-Teilnehmer will FIFA-Präsident Infantino politische Aussagen über Katar verhindern. Es kommt Kritik.

Update vom 4. November, 21.53 Uhr: FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich per Brief an die 32 WM-Teilnehmer gewandt. Darin plädierte er dafür, dass bei der WM in Katar ab dem 20. November der Fußball und nicht politische Debatten im Mittelpunkt stehen sollten. Doch Englands Nationaltrainer Gareth Southgate hat offenbar wenig Lust, sich und seinen Spielern den Mund verbieten zu lassen. Er werde dem Team Äußerungen zur politischen Lage und Menschenrechtssituation im Gastgeberland nicht untersagen, bekräftigte der 52-Jährige.

„Wenn wir ein Licht leuchten können auf Dinge, die anders sein sollten, dann haben wir die Verantwortung, genau das zu tun“, sagte Southgate der Welt am Sonntag. Menschen würden nach dem beurteilt, was sie für die Gesellschaft getan hätten, meinte der Coach der Three Lions: „Wenn unsere Spieler etwas beitragen können, dann sollen sie es tun.“

England-Coach Gareth Southgate wirft die Arme in die Luft
England-Coach Gareth Southgate will sich Kritik an Katar auch während der WM nicht verbieten lassen. © John Walton/dpa

WM 2022 in Katar: FIFA-Boss Infantino fordert in Brief Verzicht auf Kritik am Gastgeber

Erstmeldung vom 4. November: München – An der WM 2022 in Katar scheiden sich die Geister. Das Gastgeberland steht wegen der unzumutbaren Arbeitsbedingungen für Fremdarbeiter sowie Menschenrechtsverletzungen schon seit Jahren in der Kritik. Daher wurde vielerorts Unmut laut, dass die FIFA um ihren Präsidenten Gianni Infantino die WM dorthin vergab – auch von Bundestrainer Hansi Flick.

In München kündigten bereits einige Gaststätten an, aus Protest gegen die Katar-WM, auf Public Viewing der Spiele zu verzichten. Dagegen sprach sich der Ehrenpräsident des FC Bayern für das Turnier aus. Laut Uli Hoeneß werden „die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser“, unter anderem durch die WM-Vergabe und „das Engagement des FC Bayern“.

Katar-Kritik bei WM unerwünscht: FIFA-Boss Infantino will sich „auf den Fußball konzentrieren“

Seit Wochen wird derweil diskutiert, ob auch die Sportler und die Verantwortlichen der Teilnehmer-Verbände ihre Meinung zu den Zuständen vor Ort klar äußern sollten. FIFA-Boss Infantino hält von dieser Idee offenbar nichts. „Konzentrieren wir uns auf den Fußball“, schrieb der Chef des Fußball-Weltverbandes laut übereinstimmenden Medienberichten in einem Brief an die Verbände der 32 WM-Teilnehmer. Der wurde auch von FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura unterzeichnet. Sowohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als auch die FIFA bestätigten am Freitag das Schreiben, aus dem zuerst der britische Sender Sky News zitiert hatte.

FIFA-Präsident Gianni Infantino reicht Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, dem Emir von Katar, die Hand
Gianni Infantino (l.) mit Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Der FIFA-Brief dürfte ganz im Sinne des Emirs von Katar sein. © Christian Charisius/dpa

„Wir wissen, dass Fußball nicht in einem Vakuum lebt, und wir sind uns ebenso bewusst, dass es überall auf der Welt viele Herausforderungen und Schwierigkeiten politischer Art gibt“, führte Infantino weiter aus. „Aber lassen Sie bitte nicht zu, dass der Fußball in jeden ideologischen oder politischen Kampf hineingezogen wird, den es gibt“, forderte der Schweizer. Daher sei die FIFA bestrebt, alle Meinungen zu respektieren anstatt den Rest der Welt moralisch zu belehren, hieß es in dem Brief.

WM-Gastgeber Katar gibt „Sicherheitsgarantie“ – Lesben- und Schwulenverband spricht von „Märchen“

Der WM-Ausrichter Katar wird neben seinem Umgang mit den Bauarbeitern der Stadien auch für die Kriminalisierung der LGTBQ+-Gemeinschaft heftig kritisiert. Von Katars Regierung wurde erst vor wenigen Tagen eine „Sicherheitsgarantie“ gegenüber Deutschlands Innenministerin Nancy Faeser ausgesprochen. Demnach gelte diese für alle WM-Besucher während des am 20. November beginnenden Turniers. Und zwar unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Religionszugehörigkeit.

Infantino bekräftigte in seinem Schreiben an die WM-Teilnehmer, in Katar sei jedermann willkommen, „unabhängig von Herkunft, Hintergrund, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Nationalität“. Der FIFA-Chef glaubt offenbar, Katar werde sein Versprechen halten und die „Sicherheitsgarantie“ durchsetzen.

Beim Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) herrscht dagegen große Skepsis. Der LSVD forderte die Fußballverbände nach Bekanntwerden des Infantino-Briefs dazu auf, die FIFA nicht weiter zu unterstützen. „Glaubt nicht mehr an das Märchen, dass die Turniere der FIFA Menschenrechte voranbringen würden oder ein Gewinn für die austragenden Nationen wären“, hieß es am Freitag (4. November) in einer Pressemitteilung des Verbands: „Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar und auch bei der kommenden U20-Weltmeisterschaft in Indonesien kann es keinen Gewinner geben. Denn die Menschenrechte haben bereits verloren.“ (kh)

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