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FIFA: Gründung, Geschichte, Präsidenten, Skandale – alle Infos zum Fußball-Weltverband

Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, nimmt an einem Treffen mit der Direktorin des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Waly, für eine Unterzeichnung zur Zusammenarbeit zwischen UNODC und FIFA gegen Korruption und Verbrechen im Fußball teil
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Aktueller Präsident der FIFA ist Gianni Infantino

Die FIFA wurde 1904 gegründet und ist seither als übergeordneter Fußball-Weltverband für die Organisation des Profisports und die Weltmeisterschaft zuständig.

  • Die FIFA wurde 1904 gegründet.
  • Der Fußball-Weltverband zählt heute 211 Mitglieder.
  • Aktueller Präsident ist der Italo-Schweizer Gianni Infantino.

Zürich – Die FIFA ist mit fast sieben Millionen Mitgliedern der größte Sportverband der Welt. Das Gros der Einnahmen erzielt sie über die TV-Rechte und das Sponsoring der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Die öffentliche Wahrnehmung des Fußball-Weltverbandes leidet jedoch enorm unter ständigen Negativ-Schlagzeilen und zahlreichen Skandalen.

FIFA: Gründung und frühe Geschichte

Mit der wachsenden Popularität des Fußballsportes um die 20. Jahrhundertwende stieg das Interesse an internationalen Spielen. Zur leichteren Organisation von einzelnen Spielen und Turnieren schlossen sich einige nationale Fußballverbände 1904 zum Fußball-Weltverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) zusammen. Gründungsmitglieder waren Belgien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Schweden, die Schweiz, Spanien (das vom Madrid Football Club repräsentiert wurde) und Deutschland (das sich per Telegramm anmeldete). Erster Präsident war der Franzose Robert Guérin.

In den folgenden Jahren schlossen sich weitere Mitglieder vor allem aus Europa an. Das erste von der FIFA organisierte Turnier nach der Gründung war das Fußballturnier der Herren im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1908 in London. Erstes nicht-europäisches Mitglied war 1909 Südafrika, gefolgt von Argentinien (1912).

Die Geschichte der FIFA wäre mit dem Ersten Weltkrieg fast schon wieder zu Ende gewesen. Die einzelnen zu Großbritannien gehörenden Mitglieder England, Schottland, Wales und Nordirland traten nach Kriegsende kurzfristig aus, weil sie nicht gegen die Mannschaften der ehemaligen Kriegsgegner spielen wollten.

FIFA: Die jüngere Geschichte

Der niederländische FIFA-Mitgründer Carl Hirschmann sicherte als Sekretär und Interimspräsident das Überleben des Fußball-Weltverbandes nach dem Krieg und dem Tod von Präsident Daniel Burley Woolfall im Jahr 1918. Erst 1921 wurde mit dem Franzosen Jules Rimet ein Nachfolger gewählt, unter dem die Organisation das stärkste Wachstum seiner Geschichte erlebte. Bis zu seinem Rücktritt 1954 zählte die FIFA bereits 85 Mitglieder.

Gemeinsam mit dem Uruguayer Enrique Buero organisierte Rimet 1930 auch die erste Weltmeisterschaft in Bueros Heimat. Alle 18 Spiele wurden in der Hauptstadt Montevideo ausgetragen. Aufgrund der langen Anreise nahmen mit Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Rumänien lediglich vier europäische Mitglieder teil.

1932 verlegte die FIFA ihren Hauptsitz von Paris nach Zürich. Hier wurde 2007 das 180 Millionen Euro neue Bürogebäude „Home of FIFA“ auf dem Zürichberg eingeweiht.

Die FIFA heute

Heute gehören der FIFA insgesamt 211 Nationalverbände an, die wiederum in sechs Kontinentalverbände unterteilt sind. Die sechs Verbände:

  • AFC (Asian Football Confederation), Asien, Gründung 1954
  • CAF (Confédération Africaine de Football), Afrika, Gründung 1957
  • CONCACAF (Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football), Nordamerika, Zentralamerika, Karibik, Gründung 1961
  • CONMEBOL (Confederacao Sul-Americana de Futebol), Südamerika, Gründung 1916
  • OFC (Oceania Football Confederation), Ozeanien, Gründung 1966
  • UEFA (Union of European Football Associations), Europa, Gründung 1954

Die Aufteilung der Mitglieder hält sich dabei nicht immer an die geografischen Gegebenheiten. So sind einige in (Vorder-)Asien liegende Staaten wie Israel, Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Kasachstan Mitglied der UEFA.

Australien wechselte 2006 vom Verband Ozeaniens in den Verband Asiens. Die Football Federation Australia störte sich daran, dass sie in Ozeanien mit Ausnahme von Neuseeland keine gleichwertigen Gegner hatte.

FIFA: Die wichtigsten Turniere

Das mit Abstand wichtigste Turnier für die FIFA ist die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren, die alle vier Jahre ausgetragen wird. Der Fußball-Weltverband plant ihr Geschäft aufgrund der immensen Bedeutung der WM in Vierjahreszyklen, deren Budget zu 76 Prozent aus ihrer Vermarktung stammt.

Weitere wichtige Turniere für die FIFA sind die Fußball-WM der Damen, das Olympische Fußballturnier und die Weltmeisterschaften der U17- und U20-Junioren. 1989 kamen die Futsal-WM (Hallenfußball) und 2005 die Beachsoccer-WM (Strandfußball) hinzu.

2000 führte die FIFA die sogenannte Klub-Weltmeisterschaft ein, bei der die Gewinner der internationalen Wettbewerbe der sechs Konföderationen (u. a. der UEFA Champions League) gegeneinander antreten. Gesetzt ist außerdem der Gastgeber. Zuletzt gewann der FC Liverpool (Repräsentant der UEFA) 2019 das Endspiel gegen Flamengo Rio de Janeiro (Repräsentant der CONMEBOL) in Katar. Das Turnier 2020 fiel aufgrund der Corona-Pandemie aus.

Die FIFA und die Fußball-WM der Herren

Seit der ersten WM 1930 in Uruguay mit 13 Teilnehmern ist das wichtigste Turnier der FIFA enorm gewachsen. Seit 2002 qualifizieren sich jeweils 32 der insgesamt 211 Mitglieder für die Endrunde. 2026 sollen es dann 48 Endrundenteilnehmer sein.

Die bisherigen Weltmeister im Überblick:

  • 1930, Gastgeber: Uruguay, Weltmeister: Uruguay
  • 1934, Gastgeber: Italien, Weltmeister: Italien
  • 1938, Gastgeber: Frankreich, Weltmeister: Italien
  • 1950, Gastgeber: Brasilien, Weltmeister: Uruguay
  • 1954, Gastgeber: Schweiz, Weltmeister: Deutschland
  • 1958, Gastgeber: Schweden, Weltmeister: Brasilien
  • 1962, Gastgeber: Chile, Weltmeister: Brasilien
  • 1966, Gastgeber: England, Weltmeister: England
  • 1970, Gastgeber: Mexiko, Weltmeister: Brasilien
  • 1974, Gastgeber: Deutschland, Weltmeister: Deutschland
  • 1978, Gastgeber: Argentinien, Weltmeister: Argentinien
  • 1982, Gastgeber: Spanien, Weltmeister: Italien
  • 1986, Gastgeber: Mexiko, Weltmeister: Argentinien
  • 1990, Gastgeber: Italien, Weltmeister: Deutschland
  • 1994, Gastgeber: USA, Weltmeister: Brasilien
  • 1998, Gastgeber: Frankreich, Weltmeister: Frankreich
  • 2002, Gastgeber: Südkorea/Japan, Weltmeister: Brasilien
  • 2006, Gastgeber: Deutschland, Weltmeister: Italien
  • 2010, Gastgeber: Südafrika, Weltmeister: Spanien
  • 2014, Gastgeber: Brasilien, Weltmeister: Deutschland
  • 2018, Gastgeber: Russland, Weltmeister: Frankreich
  • 2022, Gastgeber: Katar

Die WM 2026 wird gemeinsam von Kanada, Mexiko und den USA ausgerichtet.

Von 1930 bis 1970 erhielt der Weltmeister den Pokal Jules Rimet. Brasilien durfte das Original nach dem dritten Titelgewinn 1970 behalten. Der heutige Pokal wurde von Silvio Gazzaniga entworfen und bleibt dauerhaft Eigentum der FIFA. Das Original ist im FIFA World Football Museum in Zürich zu bewundern.

Fußball-WM der Damen

Seit 1991 richtet der Fußball-Weltverband FIFA auch eine Weltmeisterschaft für Damen aus. Diese findet stets ein Jahr nach der Herren-WM statt. Die bisherigen Turniere:

  • 1991, Gastgeber: China, Weltmeister: USA
  • 1995, Gastgeber: Schweden, Weltmeister: Norwegen
  • 1999, Gastgeber: USA, Weltmeister: USA
  • 2003, Gastgeber: USA, Weltmeister: Deutschland
  • 2007, Gastgeber: China, Weltmeister: Deutschland
  • 2011, Gastgeber: Deutschland, Weltmeister: Japan
  • 2015, Gastgeber: Kanada, Weltmeister: USA
  • 2019, Gastgeber: Frankreich, Weltmeister: USA

Die Damen-WM im Jahr 2023 wird gemeinsam von Australien und Neuseeland ausgerichtet.

FIFA: Der aktuelle Präsident und seine Vorgänger

Die beiden wichtigsten Gremien der FIFA sind der FIFA-Rat, dem der Präsident vorsteht, und der Kongress. Der FIFA-Rat umfasst neben dem amtierenden Präsidenten insgesamt acht Vizepräsidenten und 28 einfache Mitglieder.

Alle Präsidenten des Fußball-Weltverbandes im Überblick:

  • Robert Guérin, Nationalität: Frankreich, Amtszeit: 1904-1906
  • Daniel Burley Woolfal, Nationalität: England, Amtszeit: 1906-1918
  • Carl Hirschmann, Nationalität: Niederlande, Amtszeit: 1918-1920*
  • Jules Rimet, Nationalität: Frankreich, Amtszeit: 1921-1954
  • Rodolphe William Seeldrayers, Nationalität: Belgien, Amtszeit: 1954-1955
  • Arthur Drewry, Nationalität: England, Amtszeit: 1956-1961
  • Ernst Thommen, Nationalität: Schweiz, Amtszeit: 1961*
  • Sir Stanley Rous, Nationalität: England, Amtszeit: 1961-1974
  • João Havelange, Nationalität: Brasilien, Amtszeit: 1974-1998
  • Sepp Blatter, Nationalität: Schweiz, Amtszeit: 1998-2015
  • Issa Hayato, Nationalität: Kamerun, Amtszeit: 2015-2016*
  • Gianni Infantino, Nationalität: Italien/Schweiz, Amtszeit: seit 2016

*als Interims-Präsident

Aktueller Präsident der FIFA ist der italienischstämmige Schweizer Gianni Infantino. Er war zuvor von 2009 bis 2016 Generalsekretär der UEFA und trat die Nachfolge des umstrittenen Sepp Blatter an. Aufgrund dessen Machtmissbrauchs wurden die Kompetenzen des FIFA-Präsidenten nach seinem Rücktritt eingeschränkt. Entscheidend für das operative Tagesgeschäft ist nun der Generalsekretär. Aktuell ist dies die senegalesische Funktionärin Fatma Samba Diouf Samoura.

FIFA: Bekannte Skandale

Der Fußball-Weltverband steht seit Jahren aufgrund von Korruption und Vetternwirtschaft in der Kritik. Schon unter dem langjährigen brasilianischen Präsidenten João Havelange war es zu ersten Vorwürfen gekommen. So war er in die sogenannte Schmiergeldaffäre um das Unternehmen ISL/ISMM verwickelt, von dem er vermutlich 1,5 Millionen Franken kassiert hatte. Zu diesem Zeitpunkt war Sepp Blatter bereits Generalsekretär der FIFA gewesen. Als er 1998 Havelanges Nachfolge als Präsident antrat, folgten schon bald weitere Korruptionsvorwürfe.

Besonders umstritten war und ist die Vergabe der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an das Emirat Katar. Ermittlungen ergaben, dass Schmiergelder geflossen waren, um für die finale Abstimmung Stimmen zu kaufen. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelte wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei.

Weitere Skandale gab es in den USA und in Lateinamerika um Bestechung im Rahmen der Rechte für Medien, Marketing und Sponsoring. Zu den im Jahr 2015 verhafteten Mitgliedern der FIFA gehörten u. a. Jeffrey Webb, Präsident des CONCACAF, und Eugenio Figueredo, Vizepräsident des CONMEBOL und der FIFA.

Gegen Präsident Sepp Blatter wurde aufgrund der Skandale im September 2015 ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Er wurde wegen Amtsmissbrauchs verurteilt und für acht Jahre gesperrt. Generalsekretär Jérôme Valcke wurde im gleichen Jahr gesperrt, weil er sich eine diskrete Gewinnbeteiligung an verkauften WM-Tickets gesichert haben sollte.

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