Experte stellt mehrere Vergehen fest

Verfahren gegen Infantino: Schweizer Justiz unbeeindruckt von fragwürdiger Ausrede - Rummenigge positioniert sich

Ein Strafverfahren gegen den FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde jüngst eröffnet.
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Ein Strafverfahren gegen den FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde jüngst eröffnet.

Ein Strafverfahren gegen den FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde in der Schweiz eröffnet. Auch ein FIFA-Ermittler steht im Fokus des Verfahrens. Der mächtige Schweizer meldet sich zu Wort.

  • Die Spitze des Fußball-Weltverbandes FIFA ist bekannt für Skandale und Strafverfahren wegen Korruption.
  • Nun leitete die Schweizer Justiz ein Verfahren gegen den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino ein.
  • Infantino soll sich während laufender Verfahren heimlich mit dem Chefermittler getroffen haben.

Update vom 30. Juli, 21.12 Uhr: Karl-Heinz Rummenigge unterstützt den ins Visier der Schweizer Justiz geratenen FIFA-Boss Gianni Infantino. „Es ist glaube ich wichtig, dass wir jetzt irgendwann mal wieder Ruhe in die FIFA kriegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern dem BR: „Ich hoffe, dass er die Dinge geregelt kriegt. Weil: Eigentlich wäre er der Mann, um die FIFA in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“

Update vom 30. Juli, 18.48 Uhr: Gianni Infantino weist die Vorwürfe gegen sich zurück. Bei den fraglichen Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber sei er seiner „wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der FIFA“ nachgekommen, sagte Infantino einer Mitteilung des Fußball-Weltverbands zufolge. Das werde er auch weiter tun. „Dieses war immer mein Anspruch und davon lasse ich mich nicht abbringen.“

Weiter erklärte er: „Lassen Sie es mich noch einmal klarstellen: Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen“, sagte Infantino. „Zum damaligen Zeitpunkt waren über zwanzig Verfahren gegen ehemalige FIFA-Mitglieder anhängig.“ Der Weltverband schrieb in der Mitteilung, die FIFA und der FIFA-Präsident „werden umfassend mit den Behörden kooperieren“.

Infantino ergänzte, dass sich FIFA-Offizielle „mit Justizbehörden in anderen Rechtssystemen auf der ganzen Welt getroffen“ hätten und dies nie ein Problem gewesen sei. „Insbesondere in den USA hat diese Zusammenarbeit zu über 40 strafrechtlichen Verurteilungen geführt. Dementsprechend unterstütze ich den Justizprozess weiterhin voll und ganz.“

Infantinos Vorgänger Sepp Blatter gab sich dagegen kompromisslos. „Der Fall ist klar. Jetzt muss auch die FIFA-Ethikkommission ein Verfahren gegen Gianni Infantino einleiten und ihn suspendieren“, forderte der 84-Jährige.

Erstmeldung vom 30. Juli:

Bern - FIFA-Präsident Gianni Infantino muss sich bald in einem Strafverfahren verantworten, das die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen ihn eröffnete. Dabei geht es um eine Justizaffäre, in die der Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, und Infantino selbst verwickelt sind. Dies teilte die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Bern mit. Lauber reichte seinen Rücktritt bereits ein und wird seinen Posten Ende August räumen.

FIFA-Boss Infantino unter Druck: Geheime Treffen mit Ermittler während laufender Verfahren

Dabei geht es um drei nicht protokollierte geheime Treffen zwischen FIFA-Ermittler Lauber und Infantino, die zwischen 2016 und 2017 stattgefunden haben sollen. Der FIFA-Boss soll die Termine mit dem Rechtsanwalt arrangiert haben. Das Problem bei den Begegnungen: Lauber leitete zum Zeitpunkt der Geheim-Treffen mehrere Verfahren im Weltfußball, darunter der Skandal um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Das Verfahren wurde Ende April wegen Verjährung eingestellt.

Um auch gegen Lauber ein entsprechendes Strafverfahren eröffnen zu können, wird beim Parlament in der Schweizer Hauptstadt die Aufhebung von dessen Immunität beantragt. Ein Jahr nach seiner Wiederwahl als FIFA-Präsident wird es für Gianni Infantino eng, denn vor knapp zwei Monaten hatte der Fußball-Weltverband alle Vorwürfe gegen Infantino zurückgewiesen.

Strafverfahren gegen FIFA-Präsident: Jurist stellt strafbares Verhalten fest - Amtsmissbrauch, Begünstigung und mehr

Die Aufsichtsbehörde hat den Juristen Stefan Keller, der normalerweise Präsident des Ober- und Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden ist, zum außerordentlichen Staatsanwalt des Bundes erkoren. Der Anwalt sollte mehrere Strafanzeigen gegen Infantino und Lauber prüfen.

Keller stellte fest, „dass im Zusammenhang mit den Treffen von Bundesanwalt Michael Lauber mit dem Fifa-Präsidenten und dem Walliser Oberstaatsanwalt (Rinaldo Arnold, Anm. d. Red.) Anzeichen für ein strafbares Verhalten bestehen. Es geht dabei um Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB), Begünstigung (Art. 305 StGB) und die Anstiftung zu diesen Tatbeständen“, zitiert die Süddeutsche Zeitung Keller.

FIFA-Boss Infantino in der Klemme: Lauber reichte Rücktritt ein - Infantino nach FIFA-Statuten vor SUspendierung

Obwohl Laubers Bundesanwaltschaft in mehreren Verfahren rund um den mächtigen Fußball-Verband agierte, hatten sich Infantino und Arnold mehrmals zu Geheimtreffen verabredet. Eine der Begegnungen wollen beide Seiten bereits vergessen haben, was ein Schweizer Gericht als abwegig bezeichnete. Lauber reichte daraufhin seinen Rücktritt ein, nun muss eine Immunitätskommission sowie die Rechtskommission des Ständerats entscheiden, ob gegen ihn ermittelt werden darf.

Den Statuten zufolge müsste die FIFA ihre Spitze Infantino bis zur abschließenden Aufklärung des Strafverfahrens suspendieren. Im Jahr 2016 war Sepp Blatter wegen eines vergleichbaren Vergehens suspendiert worden. (ajr)

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