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„Wir verdienen das Recht, normal zu leben“: FIFA-Schiedsrichter aus Brasilien outet sich

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Von: Vinzent Fischer

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Homosexualität ist im Männer-Fußball noch immer ein Tabu. Der brasilianische Schiedsrichter Igor Benevenuto hat sich jetzt dazu bekannt.

Rio de Janeiro - Der brasilianische FIFA-Schiedsrichter Igor Benevenuto hat seine Homosexualität öffentlich gemacht. In einem Podcast von Globo Esporte kritisierte der 41-Jährige auch Homophobie und Machismo im Fußball sowie in seiner südamerikanischen Heimat. „Ich habe mein Leben damit verbracht, mich selbst zu opfern, um mich vor der physischen und emotionalen Gewalt der Homophobie zu schützen“, sagte Benevenuto.

Brasilianischer Schiedsrichter Benevenuto bangt wegen Homosexualität um sein Leben

„Schwule sind es gewohnt, nicht sie selbst zu sein. Wir schränken unser Verhalten ein, um die Erwartungen der Hetero-Welt nicht zu enttäuschen“, berichtet der Referee von seinen Erfahrungen und fordert: „Wir existieren und verdienen das Recht, darüber zu sprechen und normal zu leben.“ Weil Fußball als Männersache betrachtet werde, habe er in dem Sport seine Sexualität verstecken können.

„Hier geht es nicht nur um Vorurteile, sondern um den Tod.“

FIFA-Schiedsrichter Igor Benevenuto (41).

Wegen Gerüchten darüber sei er aber auch bei Spielen von Fans und Vereinsmanagern homophob beleidigt worden. In Brasilien, wo weltweit die meisten Schwulen getötet würden, müsse er auch mit der Angst vor dem Sterben umgehen. „Hier geht es nicht nur um Vorurteile, sondern um den Tod“, betonte Benevenuto. Das Coming-out sah er daher als einzigen Ausweg: „Ich möchte Beziehungen führen können, ich möchte in Ruhe Schiedsrichter sein.“

In Katar droht Homosexuellen die Todesstrafe - Wird Benevenuto von der FIFA nominiert?

Es ist eines der wenigen Outings im Männer-Fußball. Zuletzt hatte der englische Profifußballer Jake Daniels seine Homosexualität öffentlich gemacht und dafür viel Zuspruch erhalten. Im deutschsprachigen Raum ist vor allem Thomas Hitzlsperger bekannt, der sich im Januar 2014 outete. Igor Benevenuto steht für 2022 auf der Liste der Video-Referees des Fußball-Weltverbands und könnte somit bei der Weltmeisterschaft in Katar zum Einsatz kommen.

Machte seine Homosexualität öffentlich: der brasilianische Schiedsrichter Igor Benevenuto.
Machte seine Homosexualität öffentlich: der brasilianische Schiedsrichter Igor Benevenuto. © IMAGO / Fotoarena

In dem Emirat stehen homosexuelle Handlungen allerdings unter Strafe. Auspeitschen, Inhaftierung oder sogar die Todesstrafe drohen. Die FIFA um Präsident Gianni Infantino betont regelmäßig, dass LGBTQ+ und Symbole wie etwa die Regenbogenfahne während der WM kein Tabu seien. Mit der Nominierung von Igor Benevenuto könnte der Verband ein klares Zeichen setzen. (dpa/vfi)

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