’54, ’74, ’90, 2014

WM-Finale: Hier fiebern vier Generationen mit

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Die vier Ludwigs wollen den vierten Titel.

München - ’54, ’74, ’90, 2014: Wenn es nach Familie Neumair geht, holt die Nationalmannschaft am Sonntag ihren vierten Weltmeister-Titel. Schließlich fiebern heuer zum ersten Mal vier Generationen bei einem WM-Finale mit.

Die Männer heißen allesamt Ludwig und haben mit deutschen WM-Titeln bereits reichlich Erfahrung gesammelt.

Der älteste Ludwig (88) verfolgte schon das Finale von 1954 in Bern. Als die deutsche Nationalmannschaft 1974 in München gewann, war auch sein Sohn Ludwig (58) mit dabei. Und dessen Sohn Ludwig (33) erlebte 1990 das Endspiel in Rom vor dem Fernseher. Heuer sitzt ein weiterer Ludwig mit auf der Couch. Er ist vier Jahre alt und schwenkt auf dem Hof in Poigenberg (Landkreis Erding) nach jedem Sieg der Nationalmannschaft sein Deutschland-Fähnchen.Das will er auch dieses Wochenende wieder machen, wenn Deutschland Weltmeister wird.

Am Sonntag darf er länger aufbleiben, um das Finale gegen Argentinien zu sehen. „Er will unbedingt bis zum Abpfiff schauen. Meine Frau und ich haben noch nicht entschieden, ob er wirklich so lang aufbleiben darf. Die erste Halbzeit wird er aber sicher sehen. Schließlich ist das ein ganz besonderes Ereignis“, sagt sein Papa.

Uropa Ludwig geht eigentlich schon um 21 Uhr ins Bett. Für die WM macht der 88-Jährige aber eine Ausnahme. Als Deutschland sich gegen Algerien ins Viertelfinale kämpfte, saß er noch um 0.30 Uhr vor dem Fernseher. Jetzt freut er sich auf das Finale. „Deutschland muss dieses Mal gewinnen. Das ist eine gute Mannschaft. Die braucht nur ein bisschen Glück“, meint der Rentner.

Sein Enkel Ludwig (33) ist der gleichen Meinung: „Wenn die Nationalmannschaft es jetzt nicht schafft, wann dann? Argentinien hat nur Messi, der Tore machen kann. Bei uns haben schon viele Spieler getroffen.“ Er selbst kickte früher mit seinen Freunden in der Schule. „Ich war kein großes Talent, aber es hat Spaß gemacht“, verrät er). Der größte Fußball-Fan der Familie ist aber sein Vater Ludwig (58). „Wenn Länderspiele oder Champions League im Fernsehen übertragen werden, schaut er immer“, sagt der Sohn.

Am Sonntagabend schaut in Poigenberg die ganze Familie Neumair. Ludwig (88) mit seiner Frau Maria (84), Ludwig (58) mit seiner Frau Marianne (57) und Ludwig (33) mit seiner Frau Verena (32) und Sohn Ludwig (4). Bei so vielen Ludwigs, die die Daumen drücken kann ja eigentlich nichts schiefgehen.

WM 1954: Hatten als einzige Fernseher

"Als Deutschland 1954 den ersten WM-Titel holte, war Ludwig Neumair 28 Jahre alt und frisch verheiratet. Auf dem Bauernhof der Familie stand der einzige Fernseher im ganzen Dorf. „Das Bild war schwarz-weiß und er hatte Türen, die man vor der Röhre schließen konnte“, erinnert sich der 88-Jährige. Vom 3:2 gegen Ungarn weiß er nach 60 Jahren kaum noch etwas. „Aber alle Nachbarn waren bei uns. Das ganze Zimmer war voll“, erzählt Neumair."

WM 1974: Die Bilder waren schon farbig

1974 kickte sich die deutsche Nationalmannschaft nur 35 Kilometer von Poigenberg entfernt zum WM-Sieg, nämlich im Münchner Olympiastadion. Ludwig Neumair war damals 18 Jahre und verfolgte das Spiel auf dem Bauernhof der Eltern. „Wir saßen zusammen in der Küche. Wir hatten schon einen Farbfernseher, der auf dem Schrank stand“, erzählt der 58-Jährige. Eine große Feier gab es auf dem Bauernhof nach dem 2:1 von Beckenbauer und Co. gegen die Niederlande aber nicht. „Auf dem Land war das nicht üblich“, sagt Neumair.

1990: Wir durften länger aufbleiben

Die Weltmeisterschaft 1990 war die erste, die Ludwig Neumair mitverfolgte. Damals war er neun Jahre alt und durfte mit seiner Schwester länger aufbleiben, um das Endspiel zu sehen. „Wir sind alle im Wohnzimmer gesessen: meine Eltern, die Großeltern und wir Kinder“, erinnert er sich. Lothar Matthäus, Andi Brehme und Co. gewannen in Rom 1:0 gegen Maradonas Argentinier. „Ich kann mich vor allem an das Bild erinnern, als Franz Beckenbauer allein über den Platz lief“, erzählt der 33-Jährige.

2014: Die erste WM gleich ein Erfolg?

Für Ludwig Neumair (4) ist das Turnier in Brasilien das erste, das er verfolgt. „Ich will am Sonntag lang aufbleiben“, sagt das Kindergartenkind. Beim 7:1-Sieg gegen Brasilien sah er die erste Halbzeit. In Zahlen: fünf Tore. Ludwig läuft oft mit Fußball und Deutschland-Fahne über den Hof. Sollte er das Finale am Sonntag verschlafen, hat er einen Trost: Vielleicht erlebt er später noch den ein oder anderen Titel. Sein Uropa Ludwig träumt heuer immerhin schon vom vierten.

Beate Winterer

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