Pleite gegen Bayern und interne Querelen: Kein gutes Wochenende für Düsseldorf

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Die Zeit von Robert Schäfer (r.) bei Fortuna Düsseldorf ist abgelaufen.

Heimpleite gegen den FC Bayern personeller Schwund  an der Vereinsspitze. Trotz vorzeitigem Klassenerhalt gibt es bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf Tumulte. Angefangen hatte es mit dem vermeintlichen Abschied von Trainer Funkel.

Düsseldorf - Die Partycrasher kamen schon einen Tag vor der Feier: Fortuna Düsseldorfs Aufsichtsräte sorgten mit der Trennung vom intern umstrittenen Vorstandsboss Robert Schäfer für einen Wermutstropfen im Jubelbad beim Aufsteiger über den frühzeitigen Klassenerhalt in der Bundesliga. 24 Stunden nach dem größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte, der schon durch die Niederlage des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen perfekt geworden war, mischte sich beim Sonntag-Schlager gegen Meister Bayern München aufgrund der Personalentscheidung beim glückseligen Anhang auch eine gehörige Portion Unsicherheit in die Freude.

Der Zeitpunkt von Schäfers Abgang scheint noch ebenso wenig geregelt wie seine Nachfolge. Als Kandidat ist neben Ex-Geschäftsführer Thomas Röttgermann zunehmend auch Fortuna-Idol Klaus Allofs im Gespräch. Bei der Trennung von Schäfer, der seit der Posse um den zunächst verkündeten Abschied des populären Trainers Friedhelm Funkel während des Winter-Trainingslagers in Marbella viel Kredit beim zweimaligen Pokalsieger verspielt hatte, mochte der Aufsichtsrat offenbar keine Zeit mehr verlieren. Funkel wollte sich nach dem 1:4 (0:2) gegen Bayern München am Sonntag nicht zur Thematik äußern.

"Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig gestört, deshalb gab es keine andere Lösung", begründete Aufsichtsratschef Reinhold Ernst auf SID-Anfrage den zunächst von der Rheinischen Post veröffentlichten Beschluss der Kontrolleure. "Marbella hat sicher zu einem Vertrauensverlust geführt und hat Diskussionen über andere Themen angestoßen, bei denen wir glauben, dass es mit einer anderen Person besser läuft", sagte Ernst zudem am Sonntag im SPORT1-Doppelpass.

Detailliertere Angaben zum zerrütteten Verhältnis zwischen Schäfer einerseits sowie den Gremien und angeblich auch großen Teilen der Belegschaft andererseits machte Ernst nicht.

Als gesichert gilt allerdings, dass Ernst und Schäfer sich bereits länger misstrauten und von persönlichen Eitelkeiten geprägte Ränkespiele lieferten. Zu den Querelen gehören zweifellos die widersprüchlichen Darstellungen über die internen Abläufe des Desasters von Marbella. Zudem soll der dadurch zum Buhmann gewordene Vorstandsboss, der während seiner rund dreijährigen Tätigkeit am Rhein auch wirtschaftliche Erfolge erreichte, durch einen selbstherrlichen Führungsstil langjährige Funktionäre und Angestellte verprellt haben.

Fortuna Düsseldorf: Wird Klaus Allofs neuer Chef von Friedhelm Funkel?

Der Abgang des 43-Jährigen Schäfer könnte bei Fortuna Düsseldorf zu einer Hängepartie und kostspieligen Angelegenheit werden. Robert Schäfer soll bereits in den vergangenen Tagen eine Auflösung seines erst im vergangenen Herbst bis 2021 verlängerten Vertrages abgelehnt haben und pochte auch nach der Bekanntgabe der Aufsichtsrats-Entscheidung auf sein Arbeitspapier: "Ich habe einen gültigen Vertrag, und der wurde auch nicht aufgelöst", sagte der gebürtige Darmstädter dem Internet-Portal ran.de. Als Abfindung muss Fortuna möglicherweise einen siebenstelligen Betrag überweisen.

Im Kreis der Mannschaft, die ihren Klassenerhalt am Fernseher erlebte und bejubelte, sorgten die Querelen vor der Begegnung mit den Bayern für sportlich völlig überflüssige Unruhe. Funkel stellte noch vor dem Hit klar, Schäfers bevorstehenden Abschied keinesfalls als Sieg in einem persönlichen Machtkampf mit dem Hessen verstanden wissen zu wollen. "Dass wir keine Vertrauensverhältnis haben, ist falsch", sagte der 65-Jährige zu Sportbild.de: "Zwischen Robert und mir ist den vergangenen Wochen wieder eine vernünftige Zusammenarbeit entstanden. Wir haben uns wieder angenähert."

Künftig muss sich Friedhelm Funkel bei der Fortuna auf einen neuen Boss einstellen. "Kandidat der Herzen" ist fraglos Allofs. Der 62-Jährige feierte mit Fortuna die Pokalsiege 1979 und 1980 als bislang letzte Titel des Klubs, holte bei der "launischen Diva vom Rhein" 1979 die Torjäger-Kanone, wurde beim Klub aus seiner Heimatstadt 1980 Europameister sowie EM-Torschützenkönig und könnte die Identifikationsfigur schlechthin verkörpern.

Als Manager leistete Allofs in unterschiedlichen Vorstandspositionen bei Werder Bremen (1999 bis 2012) und dem VfL Wolfsburg (2012 bis 2016) ganz überwiegend erfolgreiche Resultate. Röttgermann, der in Wolfsburg mit Allofs bis zur Trennung vom Ex-Nationalspieler zusammenarbeitete, hat hingegen eher in der Administration besondere Fähigkeiten. Das Management-Handwerk lernte der Westfale beim Fortuna-Nachbarn Borussia Mönchengladbach.

SID/PF

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