Vermarktung muss besser werden

Frauenfußball: Rekordzahlen in Spanien und Italien, Deutschland hinkt hinterher

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Die FCB-Frauen spielen meist vor leeren Rängen.

In Italien und Spanien wurden gerade Zuschauerrekorde im Frauenfußball aufgestellt. In Deutschland sehen die Zuschauerzahlen mau aus. Ein Grund ist auch die fehlende Rivalität zwischen den Klubs.

München - Weltrekord in Madrid, Landesrekord in Turin – der Frauenfußball sorgt in südlichen Gefilden für Aufsehen und lockt Zuschauer zu Tausenden in die Arenen der Männerteams. In München sieht das leider anders aus! Die FCB-Frauen hoffen heute Abend (19.30 Uhr/Bayern-Campus) im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals auf eine knapp vierstellige Zuschauerzahl. Die vorsichtige Schätzung: 1000 bis 1800 Fans könnten gegen Slavia Prag (Hinspiel: 1:1) dabei sein.

Große Rivalitäten fehlen in Deutschland

Warum hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher? Die tz auf Spurensuche. Rivalität: Wenn Atlético Madrid gegen den FC Barcelona spielt oder Juventus Turin auf den AC Florenz trifft, dann kommen die Fans schon alleine wegen der großen Rivalität zwischen diesen Klubs. Das vergleichbare Duell in Deutschland heißt FC Bayern gegen VfL Wolfsburg – und letztgenannter Klub hat selbst bei den Männern Schwierigkeiten, das Stadion zu füllen. Auch eine nennenswerte Rivalität besteht zwischen den beiden Vereinen nicht. Und das schlägt sich in den Zuschauerzahlen nieder. Atlético gegen Barça besuchten 60.739 Menschen – Rekord für ein Klubspiel. Zu Juve gegen Florenz kamen 39.027 – italienische Bestmarke. Bayerns Heimsieg gegen Wolfsburg sahen 2155 Zuschauer. Was den Münchnerinnen fehlt, ist ein lokaler Kontrahent wie 1860 oder ein nationaler Rivale wie Borussia Dortmund.

Vermarktung muss besser werden

Vermarktung: Natürlich sind die Zahlen aus Spanien und Italien die absolute Ausnahme für die jeweilige Liga, aber sie zeigen, was mit dem passenden Konzept möglich ist. Im Land des Catenaccio werden die Spiele der Frauen im Pay-TV gezeigt, in Deutschland laufen vereinzelt Partien bei Sport1 oder Telekom Sport. In Spanien tragen ein Energieversorger und der nationale Verband den Spielbetrieb mit je zwei Millionen Euro. In Deutschland hingegen droht laut FAZ im Sommer der Absprung von Liga-Namensgeber Allianz. Bayern-Kapitänin Melanie Leupolz meint mit Blick auf die Rekordkulissen in anderen Ländern: „Wir haben das verfolgt und alle ‚Wow‘ gesagt. Es ist wirklich ein Traum, vor 40.000 oder 60.000 Zuschauern zu spielen.“ Was es dafür braucht? Leupolz: „Man braucht erst mal ein Topspiel, dann hängt viel von der Vermarktung und dem Verein ab, der dahinter steht.“

Kleines Stadion = Mehr Stimmung! - Bayern-Campus als Lösung?

In Turin wurde die Arena beispielsweise mithilfe von Freikarten gefüllt. Ausweg Bayern-Campus? Im Schnitt sehen rund 650 Zuschauer die Spiele der FCB-Frauen. Bislang wurden die je zur Hälfte im Grünwalder Stadion und am Campus ausgetragen. Der Schnitt in Giesing (380 Zuschauer) liegt deutlich unter dem im Norden der Stadt (914). Leupolz weiß, warum: „Im Grünwalder sitzt ein Fan, dann sind zehn Plätze leer und dann kommt der nächste. Da kommt keine Euphorie auf. Am Campus ist eine Super-Stimmung – das trägt die Mannschaft.“ Es wäre also nur logisch, jedes Heimspiel dort auszutragen. Spätestens im Kalenderjahr 2020 dürfte das Realität werden. Dann zieht der SV Türkgücü-Ataspor ins Grünwalder und die Bayern-Frauen nutzen eine alternative Spielstätte: den Campus. Und wer weiß, vielleicht füllen die FCB-Kickerinnen eines Tages sogar die Arena…

Jonas Austermann

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