Wer mag sich, wer hasst sich?

Freund oder Feind: So ist das Verhältnis der Fans

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FC Bayern, TSV 1860, Borussia Dortmund - wer kann mit wem und was geht gar nicht?

München - Fußball-Fans haben kaum Probleme untereinander, haben sie doch die gleiche Leidenschaft. Allerdings gibt es natürlich auch Rivalitäten. Freund oder Feind - wir geben einen Überblick.

"In den Farben getrennt - in der Sache vereint!" So lautet ein Wahlspruch unter Fußball-Fans, wenn es darum geht, für Belange der Anhängerschaft zu kämpfen, wie beispielsweise ungerechtfertigte Stadionverbote, bezahlbare Eintrittskarten oder humane Anstoßzeiten. Im Normalfall aber stehen sie als Kontrahenten im Stadion, feuern ihre Teams an und haben wenig Interesse an den gegnerischen Teams. Doch ist das wirklich immer so? Definitiv nein! Blicken wir auf unsere Münchner Mannschaften, so gibt es hier zwei Beispiele von Fan-Freundschaften. Die Anhänger des FC Bayern pflegen seit den 70er Jahren ein enges Verhältnis zu den Fans des VfL Bochum. Damals retteten VfL-Anhänger einige Bayern-Fans bei einem Auswärtsspiel vor einer üblen Schlägerei.

Ähnlich ist das beim TSV 1860. Als 1984 Löwen-Anhänger von Hooligans des FC Homburg angegriffen wurden, erhielten die Münchner Unterstützung aus dem Fan-Lager des 1. FC Kaiserslautern - die Freundschaft "Sechzig und der FCK", wie sie oft besungen wird, war perfekt.

Wir haben uns einmal das Verhältnis zwischen den Münchner Teams und einigen deutschen Vereinen angesehen und eine Grafik erstellt, um einen Überblick zu bekommen. Die wichtigsten Aspekte, Erkenntnisse und auch Überraschungen listen wir hier einmal auf:

Der Lokalrivale ist immer ein rotes Tuch

Es ist der Kampf um die Vorherrschaft in der Stadt oder der Region. Die Arenen sind immer ausverkauft, die Stimmung rund um das Spiel angespannt und im Stadion dann auf dem Siedepunkt. Leider endet dies auch immer wieder in Gewaltausbrüchen. Die härtesten Rivalitäten in puncto Derby sind in unserer Grafik:

  • FC Bayern vs. TSV 1860: Das Münchner Derby ist leider wegen der unterschiedlichen Spielklassen eine Seltenheit geworden. Nur die zweiten Mannschaften liefern sich aktuell heiße Derbys in der 4. Liga.
  • FC Bayern vs. 1. FC Nürnberg: Oberbayern gegen Franken - es ist das Duell der Regionen, nicht nur auf dem Platz.
  • TSV 1860 vs. FC Augsburg: Es ist nicht nur die regionale Nähe, die hier Brisanz verursacht. Der FCA überflügelte die Löwen in sportlicher Sicht - ein zusätzliches Kriterium für diese Rivalität.
  • Borussia Dortmund vs. FC Schalke 04:  Schwarz-gelb gegen Königsblau - es ist aktuell DAS Derby in der Bundesliga.

Rivalität aus sportlicher Sicht

Doch nicht nur die Region, auch die sportliche Situation kann zu einer enormen Rivalität führen. Hauptkontrahent ist dabei in der 1. Liga immer der FC Bayern. Und so ergeben sich diese heißen Duelle:

  • FC Bayern vs. Borussia Dortmund
  • FC Bayern vs. FC Schalke 04
  • FC Bayern vs. Bayer Leverkusen

Absolute Hassobjekte: Bayern und die Retortenclubs

Neben den offensichtlichen Rivalitäten gibt es auch jene, die weder mit der Region, noch mit der Tabelle zu tun haben. Vor allem betroffen ist der FC Bayern. Der Erfolg schafft Neider, das Abwerben der eigenen Topspieler schürt die Aggression. Auch das oftmals als arrogant empfundene Auftreten à la "Mia san mia" stößt vielen Fans übel auf.

Doch mittlerweile scheint der FCB nicht nur Konkurrenz bekommen zu haben, sondern in puncto Antipathie überflügelt worden zu sein - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit dem Red-Bull-Club RB Leipzig (Rasenballsport) scheint der erste echte Retortenverein Deutschlands im Anflug auf Liga eins zu sein. Erst 2009 gegründet, ist der Verein als Marketing- und Plastikclub verschrien und wird von keinem Fanlager akzeptiert. Von der Anhängerschaft anderer Werksclubs wie dem VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen wird RB noch eher geduldet.

Ähnlich ergeht es der TSG 1899 Hoffenheim, die es nur durch die Millionen von SAP-Gründer Dietmar Hopp in Liga eins schaffte. Im Gegensatz zu RB Leipzig allerdings existiert der Club eben seit 1899 und hat somit eine gewisse Historie - wenn auch unterklassig. Das überaus unterkühlte Verhältnis der TSG-Anhänger zum BVB-Fanlager liegt in der Beschimpfung von Hopp durch Dortmunder Fans begründet. Insgesamt ist der offene Hass der Fans gegen die TSG mittlerweile zurückgegangen (auch dank des neuen Feindbildes RB Leipzig), aber freundschaftlich wird das Verhältnis wohl nicht mehr werden.

Auffällig: Während sie von fast allen gegnerischen Fans angefeindet werden, verspüren die Anhänger der "Plastikclubs" kaum Animositäten gegenüber anderen Fanlagern.

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

Freundschaft und Sympathie aus Tradition und Geschichte

Es geht auch anders. Einige Teams haben ein extrem enges Verhältnis zueinander. Oft geht das auf gemeinsame Traditionen oder gemeinsame Erlebnisse zurück. In unserer Grafik betrifft das vor allem das Verhältnis zwischen dem FC Schalke 04 und dem 1. FC Nürnberg. Sie gilt als das Paradebeispiel einer Fanfreundschaft.

Doch auch andere Vereine haben ein gutes Verhältnis. So beispielsweise der TSV 1860 und Borussia Dortmund. Das liegt natürlich am gemeinsamen "Hassbild" FC Bayern. Beim Pokal-Duell 2013 feierten Dortmunder und Löwen in der Allianz Arena vor ausverkauftem Haus ein wahres Fußballfest. Vereinzelt existieren sogar Freundschaftsschals der beiden Teams.

Dass die Fans der Löwen auch gute Kontakte zur Nürnberger Fanszene haben, ist dagegen eher wenigen Fußball-Fans bekannt. Lokale Rivalität ja, aber die beiden Ultra-Gruppierungen "Cosa Nostra" 1860 und die "Banda Da Amici" aus Nürnberg unterhalten sogar eine sehr gute Beziehung zueinander.

Ein weiteres gutes Verhältnis überrascht ebenfalls: Borussia Dortmund und der FC Augsburg. Dies entstand aus dem offenen und herzlichem Empfang der FCA-Fans beim Spiel in der Fuggerstadt, die den BVB-Anhängern ihre Stadt zeigten und gemeinsam den Spieltag verbrachten. Inwieweit sich eine Freundschaft daraus entwickeln könnte, bleibt abzuwarten.

tz

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