„Früher wurden wir bewundert“

Matthäus „schämt“ sich für DFB - und hat irren Vorschlag parat: Zwei scheidende Klub-Bosse für die Spitze?

Lothar Matthäus fordert einen radikalen Neuanfang beim DFB. Dafür bringt der Rekordnationalspieler eine prominente Doppelspitze ins Gespräch.

Frankfurt am Main - Beim DFB läuft derzeit einiges schief. Nach dem Nazi-Skandal um Präsident Fritz Keller schwelt ein Führungsstreit im größten Sportverband der Welt - ein Ende ist nicht absehbar. Nachdem sich Keller mit einem internen Schreiben an alle Mitglieder gewandt hatte, fordern nun die Landeschefs seinen Rücktritt.

Die Verbandsspitze ist in zwei Lager gespalten. Vizepräsident Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius positionieren sich gegen Keller, der sich mit seiner Entgleisung gegenüber Koch selbst geschwächt hat. Wie geht es nun weiter? Noch ist unklar, wie die DFB-Ethikkommission den Vorfall behandelt. Um Keller abzuberufen, braucht es ein entsprechendes Votum des DFB-Vorstands, der sich aus den Präsidiumsmitgliedern, den Landes- und Regionalchefs sowie zwölf DFL-Vertretern zusammensetzt.

DFB-Zoff: Matthäus spricht Klartext - „Unser fußballerisches Ansehen leidet“

Weltmeister Lothar Matthäus holte in seiner Sky-Kolumne zum Rundumschlag gegen den DFB aus. „Das Bild, das unser Verband seit Jahren, aber vor allem in der jüngsten Vergangenheit abgegeben hat, ist zum Schämen und gipfelt aktuell im Eklat um einen Nazi-Vergleich und die darauffolgende Posse“, schimpft er.

Könnten Rudi Völler (l.) und Karl-Heinz Rummenigge den DFB revolutionieren?

„Unser fußballerisches Ansehen leidet auch international seit einiger Zeit. Die schlechten Leistungen auf dem grünen Rasen gehen leider schon länger Hand in Hand mit einer Verbandsspitze, für die man sich nicht nur als deutscher Ex-Spieler schämen muss. Wurden wir früher für beides bewundert, werden wir jetzt oft ausgelacht“, führt er weiter aus.

DFB: Matthäus schlägt Rummenigge und Völler als Keller-Nachfolger vor

Präsident Keller sei „am Ende“, das dürfe aber erst der Anfang sein. „Die komplette DFB-Spitze muss ausgetauscht werden“, fordert Matthäus. Einen Vorschlag, wer den Verband in Zukunft führen könnte, macht er auch: „Mein großer Wunsch lautet, dass Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler auf Keller folgen“. Eine Doppelspitze mit zwei der erfahrensten Klub-Funktionären in Deutschland?

Für beide ist es das letzte Jahr bei ihren Klubs FC Bayern und Bayer Leverkusen. Rummenigge soll allerdings ins UEFA-Exekutivkomitee zurückkehren und dort den Platz des scheidenden Andrea Agnelli übernehmen. Eine Doppelfunktion, in der er die europäischen Klubs und gleichzeitig Deutschlands Fußball-Verband vertritt, dürfte auszuschließen sein. Auch Uli Hoeneß brachte den Bayern-Boss schon ins Spiel, laut Bild lehnte er den Posten aber ab. „Ich stehe für keinen Job beim DFB zur Verfügung“, wurde er zitiert.

DFB: „Lahm wäre in Zukunft ein toller Kandidat“

Bleibt noch Völler - allerdings ist ein Seitenwechsel auch bei ihm schwer vorstellbar. Er vertrat jahrelang Klub-Interessen, die sich von denen des DFB deutlich unterscheiden. Auch der Name Philipp Lahm fällt immer wieder, doch Matthäus glaubt, das Amt des DFB-Präsidenten käme für ihn zu früh. „Völler und Rummenigge genießen Ansehen in der Welt des Fußballs, Lahm fehlt diese Erfahrung noch. Aber in Zukunft wäre auch er ein toller Kandidat.“ (epp)

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