Kapitäns-Entscheidung: So reagiert Lahm

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Auch ohne Kapitänsbinde Führungsspieler: Philipp Lahm (Archivfoto)

Brüssel - Philipp Lahm hat auf die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, an Michael Ballack als Kapitän des DFB-Teams festzuhalten, professionell reagiert.

Auf zur EM und bloß kein Fehlstart. Das große Ballack-Thema hat Joachim Löw in die Warteschleife geschoben - nun ist wieder das umjubelte WM-Personal gefragt. 55 Tage nach dem gewonnenen Spiel um Platz 3 gegen Uruguay greift das deutsche Fußball-Nationalteam in einen neuen Wettkampf ein. “Wir müssen uns neu beweisen nach der erfolgreichen WM“, betonte der Bundestrainer. Von seinem Personal verlangt er nach dem schlauchenden Abnutzungskampf in Südafrika schon wieder einen Kraftakt. “Wir erwarten, dass sich die Mannschaft reinquält in dieses Spiel“, sagte Löw-Assistent Hansi Flick vor dem 75. EM-Ausscheidungsspiel des DFB- Teams.

Ballack, Lahm und die ehrenwerten Herren: Alle deutschen WM-Kapitäne

1934 in Uruguay: Fritz Szepan © dpa
1938 in Frankreich: Fritz Szepan © dpa
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1954 in der Schweiz: Fritz Walter © dpa
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1958 in Schweden: Hans Schäfer © AP
1962 in Chile: Hans Schäfer © AP
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1966 in England: Uwe Seeler © AP
1970 in Mexiko: Uwe Seeler © AP
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1974 in Deutschland: Franz Beckenbauer © getty
1978 in Argentinien: Berti Vogts (links) © Getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1982 in Spanien: Karl-Heinz Rummenigge (am Ball) © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1986 in Mexiko: Karl-Heinz Rummenigge © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1990 in Italien: Lothar Matthäus © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1994 in den USA: Lothar Matthäus © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
1998 in Frankreich: Jürgen Klinsmann © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2002 in Südkorea und Japan: Oliver Kahn © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2006 in Deutschland: Michael Ballack © getty
DFB: Philipp Lahm und die deutschen WM-Kapitäne
2010 in Südafrika: Philipp Lahm © getty

Die WM-Belastung steckt noch in Beinen und Köpfen. “Das ist ein ernsthaftes Problem“, sagte Löw vor dem Start in die EM-Qualifikation an diesem Freitag (20.45 Uhr/ARD) in Brüssel gegen Belgien. “Die Spieler haben noch nicht ihr hundertprozentiges Leistungsvermögen erreicht.“ Dazu kommen Sorgen in der Abwehr, in der nicht nur die WM- Spieler Arne Friedrich und Jérome Boateng ausfallen. Andere wie Per Mertesacker oder auch Philipp Lahm sind nur stotternd in die neue Saison gestartet. “Man kann nicht erwarten, dass die Spiele so werden können wie gegen Argentinien und England“, erklärte Lahm.

Doch der Ersatz-Kapitän, der in Abwesenheit des nach langer Verletzung noch um seine Fitness ringenden Michael Ballack weiter mit Stolz die Spielführer-Binde trägt, will mit seinen Kollegen den Widrigkeiten trotzen. “Wir wollen mit drei Punkten starten. Wir wissen, dass wir keine leichte Gruppe haben. Aber als deutsche Nationalmannschaft ist man immer der Top-Favorit“, verkündete der 26- jährige Münchner am Donnerstag in La Hulpe bei Brüssel, wo sich die 21 Spieler den letzten Schliff für den EM-Auftakt holen.

“Wir bereiten uns ganz seriös auf Belgien vor“, unterstrich Löw, nachdem er die lange schwelenden Personalien um einen weiter als Kapitän eingestuften Ballack, einen Lahm als amtierenden Chef und einen Manuel Neuer als Stammtorhüter geklärt hatte. “Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden und das werden sie auch. Das lernt man von kleinauf im Fußball-Geschäft“, kommentierte Lahm professionell seinen gescheiterten Vorstoß, dauerhaft die Spielführer-Binde zu übernehmen. Aktuell aber darf der 71-malige Nationalspieler weiter den Kapitäns-Ersatz für Ballack spielen.

Genau haben die Spieler die Ansagen von Löw registriert. “Der Trainer hat auch ganz klar angesprochen, dass das Leistungsprinzip Priorität hat“, erklärte der neue Madrilene Sami Khedira zu Löws Ballack-Lösung und ergänzte: “Damit kann jeder leben.“ Erst wenn der 33-jährige Leverkusen-Rückkehrer wieder Topform aufweist, kann er ins DFB-Team zurückkehren und muss dann den WM-Aufsteiger Khedira erst einmal aus der Startelf verdrängen. Bis dahin aber soll schon die Grundlage für die EM-Teilnahme 2012 gelegt sein. “Es geht nicht um enttäuscht oder nicht enttäuscht. Jetzt geht es darum, die Mannschaft weiter zu führen“, erklärte Lahm.

Löw weiß genau um die Gefahren gerade nach einem gelungenen Turnier und gegen einen Gegner im Umbruch, der gegen einen WM-Dritten zum jetzigen Zeitpunkt eine große Chance wittert. “Wir werden auf eine hochmotivierte belgische Mannschaft treffen, die sich im Unterschied zu uns in Ruhe vorbereiten konnte.“ Die “Roten Teufel“ wollten unbedingt diesen Termin, wohlwissend, dass der namhafte Kontrahent noch nicht wieder in Top-Form sein kann. “Sie sehen ihre Chance in den ersten Spielen“, meinte auch Löw und schloss an: “Die Spieler sind bei Manchester City, Arsenal London, Bayern München und Zenit Leningrad - das sagt schon einiges über die Qualität.“

Belgiens Trainer Georges Leekens schob die Favoriten-Bürde dennoch dem WM-Dritten zu: “Deutschland ist aktuell die beste Mannschaft der Welt zusammen mit Spanien. Sie unterschätzen nie ihren Gegner. Sie sind viel stärker als wir.“ Doch Leekens, der auf die Bundesligaprofis Logan Bailly (Gladbach) im Tor, Daniel van Buyten (FC Bayern) in der Abwehr und Timmy Simons (1. FC Nürnberg) im Mittelfeld setzt, versicherte auch: “Eine Überraschung ist trotzdem möglich.“ Die letzte deutsche Niederlage gegen den Nachbarn ist beachtliche 56 Jahre her, die letzte Auswärts-Pleite einer DFB-Elf in der EM-Qualifikation datiert aus dem Jahr 1998 (0:1 in der Türkei).

Zum großen Teil wird Löw im Stadion “König Baudouin“ auf die WM- Stammkräfte setzen. “Es ist mit keinen großen Veränderungen zu rechnen“, kündigte Co-Trainer Flick an. Nur in der Abwehr muss die sportliche Leitung eine neue Lösung finden. Der Neu-Hamburger Heiko Westermann könnte dabei sowohl neben Mertesacker im Deckungszentrum als auch auf der linken Seite spielen. “Wir müssen den inneren Schweinhund überwinden“, forderte Löw-Assistent Flick. Und Kapitän Lahm verriet ein mögliches Erfolgskonzept: “Man muss den Gegner eine Stunde, 70 Minuten bearbeiten - und dann zuschlagen.“

dpa

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