tz-Analyse

Die Fußball-Akademien der Europa-Konkurrenten

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Der Etihad Campus von Manchester City: 1: Brücke zum Stadion; 2: Geschäfte, Büros; 3: Stadion Akademie; 4: Parkplätze; 5: Auditorium; 6: Chefetage; 7: U 19-Plätze; 8: Mehrfachsporthalle; 9: Elite-Plätze; 10: Fitness-Parcours; 11: Profi-Plätze; 12: Junioren-Plätze; 13: Weiterführende Schule; 14: Medizin-Zentrum; 15: Akademie

München - Andere Länder habe auch schöne Spielstätten für den Fußball-Nachwuchs. Die tz stellt die Akademien von Manchester City, FC Barcelona, Ajax Amsterdam und Frankreich vor.

Manchester City: 200 Millionen für die Jugend

In England gibt es seit gut einem Jahr eine neue Spielstätte für die Elitejugend des Landes – und für die Kicker, die irgendwann zur Elite gehören wollen. Bei Manchester City ist Geldgeber Scheich Mansour bekannt dafür, dass er keine halben Sachen macht. So verhält es sich auch bei der Nachwuchsförderung.

Der Scheich ließ mitten in einer der ärmsten Gegenden Englands in Sichtweite des Etihad-Stadions von ManCity den sogenannten Etihad Campus errichten, ein Komplex, in dem vergangenes Jahr auch die City Football Academy zur Förderung der Stars von Morgen eröffnet wurde. 200 Millionen Pfund kostete das Gesamtprojekt, für das Architekt John Stemp vorab mehr als 70 Vereine weltweit aus verschiedenen Sportarten (Fußball, American Football, Basketball) besuchte, um das ideale Konzept zu finden. Das Ergebnis: Der Campus beheimatet ein Ministadion für 7000 Zuschauer, das nur vom Reserveteam, den Jugend- und Damenteams genutzt wird. Trainiert wird auf insgesamt 16,5 Fußballfeldern (das halbe ist für die Torhüter), allein zwölf davon sind ausschließlich dem Nachwuchs vorbehalten. Der Clou: Es gibt Plätze mit unterschiedlichem Rasen, um eine gezielte Vorbereitung auf jeden Premier-League-Platz vorzunehmen. Zudem gibt es einen Indoor-Platz, bei dem jede Temperatur eingestellt und so verschiedene Bedingungen simuliert werden können.

Hinzu kommt eine Mehrfachsporthalle mit Sprintstrecke, ein Hallenbad mit 25-Meter-Bahn, ein Auditorium für die Theoriestunden und natürlich ein hochmodernes medizinisches Zentrum, in dem sich die Spieler zur schnelleren Regeneration auch mal ins Sauerstoffzelt legen können. Auch eine Schule gibt es auf dem Campus, zudem arbeitet ManCity mit der wenige Kilometer entfernten St. Bedes-School zusammen – einer der besten Schulen der Stadt.

400 Jugendspieler ab sechs Jahren trainieren in der City Football Academy, auch der Nachwuchs von einigen prominenten Spielern ist bereits angemeldet. Prekär: Die United-Stars Robin van Persie, Phil Neville und Darren Fletcher sind dermaßen beeindruckt, dass sie ihre Söhne auf die ManCity-Akademie schicken – und nicht in die Nachwuchsförderung von Manchester United. Durch eine Brücke ist der gesamte Campus mit dem Stadion der Profis verbunden. Die Botschaft an die Jugend: Auch ihr sollt irgendwann soweit sein, den Weg über diese Brücke gehen zu dürfen und um die großen Titel mitzuspielen!

FC Barcelona: Das Beispiel für Top-Arbeit

Legendär: die alte Masia direkt am Camp Nou.

Man wollte sie zerstören und ihren Namen beschmutzen, die Masia bleibt aber einer der Gründe, warum die Barça-Fans stolz auf ihren Klub sein können. Besonders zuletzt war sie sehr in Mode. Im Jahr 2010, als Ex-Masia-Bewohner Pep Guardiola eine Ära als Trainer prägte, standen drei Masia-Sprösslinge im Finale der Weltfußballerwahl. Am Ende siegte Messi, doch das Foto des Argentiniers neben Xavi und Iniesta ließ den Namen Masia um die Welt gehen. Mit dem Ziel, die erste Mannschaft in Zukunft mal aus Eigengewächsen zusammenstellen, rief Ex-Präsident Josep Lluís Nuñez das Projekt 1978 ins Leben und sah, wie sein Traum am 25. November 2012 in Erfüllung ging. Im Pokal gegen Levante ließ Tito Vilanova eine Startelf aufs Feld, die nur aus Kickern bestand, die in der Masia ausgebildet worden waren. Der Stolz der Culés stieg an diesem Tag ins Unermessliche.

Die Spielidee ist immer dieselbe, ein 4-3-3. Erst lieferte die Schmiede vor allem Top-Leute fürs Mittelfeld, zuletzt aber auch auf den restlichen Positionen. Seit Oktober 2011 ist die ursprüngliche Masia, von der aus man das Camp Nou erblicken konnte, jedoch geschlossen. Die Chefetage um Sandro Rosell (Präsident von 2010 bis Januar 2012) empfand es als praktischer, die Masia in die Ciutat Esportiva, das Trainingszentrum des Klubs, zu integrieren. Die ganze Infrastruktur wurde modernisiert und es wurde Platz für 100 Sportler (Basketball, Handball etc. wird auch gespielt) geschaffen. „Man muss die Sportler gut eichen“, so Masia-Leiter Carles Folguera. „Vor allem müssen wir aber gute Menschen formen.“

Der Komplex, der zwischen 2009 und 2011 errichtet wurde, bekam den Namen von Oriol Tort, einem der weltweit geschätztesten Jugendchefs Barças, und erstreckt sich über 6000 Quadratmeter, die auf fünf Stockwerke aufgeteilt sind. In drei davon wohnen die Perlen der Zukunft, die übrigen zwei dienen Aufenthaltsräumen, Speisesälen und weiter bebaubaren Flächen. Wie die tz erfuhr, beliefen sich die ursprünglichen Kosten auf neun Millionen Euro, letzten Endes musste die Summe aber auf knapp zwölf Millionen nach oben geschraubt werden. Guardiola, Tito Vilanova, Messi, ­Iniesta, Pedro, Thiago, Rafinha, Valdes… das sind nur ein paar Talente, die beweisen, das in der Masia seit vielen Jahren überragende Arbeit geleistet wird.

Moises Llorens, Barça-Experte bei As

Frankreich: Vorbild für die Deutschen

Anders als beispielsweise in Deutschland gibt es in Frankreich keine verbindlichen Anforderungen seitens des Verbands an die einzelne Vereine, die eine systematische Jugendförderung beinhalteen. Dennoch leisten Klubs wie Olympique Lyon, Nantes oder auch Girondins Bordeaux traditionell gute Nachwuchsarbeit.

Zentrales Vorzeigeobjekt des französischen Fußballs ist im Nachwuchsbereich allerdings das vom Verband eingeführte und betriebene Centre technique national Fer­nand-Sastre 50 Kilometer südwestlich von Paris. Aufgrund des Ortsnamens wird es nur kurz Clairefontaine genannt. Mit dem Bau des nationalen Leistungszentrums wurde 1984 zur EM begonnen, seit 1988 ist es Herberge für Jugendliche und (in Vorbereitung auf Spiele und Turniere) der Nationalmannschaft. Seit 1998 ist auch ein Leistungszentrum für Frauenfußball angeschlossen.

Auf dem 56 Hektar großen Gelände, zu dem auch ein renoviertes Schloss gehört, gibt es sieben Naturrasen- und zwei Kunstrasenplätze. Die prominentesten ehemaligen Schüler sind Thierry Henry, William Gallas und Nicolas Anelka. Schon vor einigen Jahren besichtigten Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmanschaftsmanager Oliver Bierhoff das Leistungszentrum der Franzosen, es soll als Beispiel dienen für die vom DFB geplante Akademie in Frankfurt am Main.

Der französische Verband denkt allerdings schon weiter: Mit der EM im eigenen Land 2016 wird auch Clairefontaine ausgebaut und modernisiert. Bis zu 200 Millionen Euro sollen dort in die Nachwuchsarbeit fließen…

Ajax Amsterdam: Erfolg seit 50 Jahren

Platz zur Entfaltung: Hier trainiert die Ajax-Jugend.

Schon seit den 60er-Jahren legt der niederländische Vorzeigeklub größten Wert auf eine gute Jugendarbeit. Nicht zufällig gewannen die heute noch verehrten Johan Cruyff, Johan Neeskens, Horst Blankenburg oder Arie Haan zwischen 1971 und ’73 dreimal den Landesmeister-Cup, später standen Frank Rijkaard, Edgar Davids, Clarence Seedorf, Marc Overmars, Patrick Kluivert, Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart und viele mehr für das Erfolgsmodell.

Mit den Einnahmen des Champions-League-Sieges 1995 wurde die Jugendarbeit nochmals professionalisiert und das Trainingszentrum „De Toekomst“ (Die Zukunft) errichtet. Hier werden mehr als 240 Spieler im Alter von sieben bis 19 Jahren ausgebildet und von Beginn an im klassischen Ajax-Spielstil, dem 4-3-3, an die Profis herangeführt. Mindestens ein bis zwei Spieler sollen so jährlich dem Kader der Erstliga-Mannschaft zugeführt werden. Die Besonderheit: Das Trainingszentrum ist kein Internat – die Jugendlichen sollen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben. Talente von weit außerhalb finden in Ausnahmefällen bei Gastfamilien ein neues Zuhause. Die über 40 Mitarbeiter der Scoutingabteilung suchen im Umkreis von 60 bis 80 Kilometern Kinder und Jugendliche nach einem gewissen Schlüssel aus, genannt TIPS. Das bedeutet, die potenziellen Akademieschüler werden auf Technik, Intelligenz, Persönlichkeit und Schnelligkeit geprüft.

Außerhalb Hollands betreibt der Verein zudem den Ableger Ajax Cape Town in Kapstadt.

mic

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