Sechs Kicker spielten sich in den Vordergrund

Scouting bei der EM: Diese Stars könnten zum FC Bayern passen

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Dimitri Payet (l.), Luka Modric (M.) und Marek Hamsik (r.) sind nur drei Stars, die ihr Können bei der EM 2016 unter Beweis gestellt haben.

München - Bei der EM 2016 in Frankreich spielen sich die Kicker in den Vordergrund. Diese sechs Stars wären auch für den FC Bayern interessant.

Die Gruppenphase bei der EM 2016 in Frankreich befindet sich auf der Zielgeraden, alle Teams haben mindestens schon zwei Partien absolviert. Dabei gab einige Überraschungen und mindestens ebenso viele Enttäuschungen. Doch mehrere Profis haben sich schon ins internationale Rampenlicht gespielt.

Wir haben uns mal unter den 24-EM-Teilnehmern umgesehen und aus jedem Mannschaftsteil einen Star herausgepickt, der rein von seiner Leistung her auch für den FC Bayern interessant wäre, unabhängig von seinem aktuellen Alter, seiner Vertragssituation und der generellen Möglichkeit, ihn überhaupt zu verpflichten.

Torwart: Yann Sommer (Schweiz, Borussia Mönchengladbach, Marktwert: 10 Millionen Euro)

Yann Sommer.

"Die Schweiz kann wirklich stolz sein, so einen Keeper zu haben", sagte Shkelzan Gashi, seines Zeichens Stürmer der albanischen Nationalmannschaft, nach der 0:1-Auftakt-Niederlage seiner Mannschaft gegen die Eidgenossen über Yann Sommer. Wenn einen der Gegenspieler nach einem derart engen Spiel so lobt, sagt das viel über die eigene Klasse aus. Mit einem überragenden Reflex gegen Gashi sicherte Sommer der Schweiz kurz vor Schluss den Sieg gegen Albanien. Nicht die einzige starke Parade im Turnier des mit 1,83 Meter kleinsten Torhüters der Europameisterschaft. Im offiziellen UEFA-Spieler-Ranking zur EM belegt Sommer bei den Torhütern derzeit den zweiten Platz - hinter Manuel Neuer. 

Seit Sommer 2014 spielt der Schweizer bei Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen blätterten für den Keeper neun Millionen Euro auf den Tisch. Der 27-Jährige zahlt das seither mit durchgehend guten Leistungen zurück. Das dürfte auch den Verantwortlichen des FC Bayern nicht entgangen sein. Der Rekordmeister hat mit Manuel Neuer zwar den besten Torhüter der Welt zwischen den Pfosten stehen, fährt aber schon seit Jahren gut damit, eine zuverlässige Nummer Zwei im Kader zu haben. Den Posten nimmt derzeit Sven Ulreich erin. Sollte der irgendwann mal keine Lust mehr auf die Bayern-Bank haben, wäre Yann Sommer sicherlich eine interessante Option.

Abwehr: Elseid Hysaj (Albanien, SSC Neapel, Marktwert: 12 Millionen Euro)

Elseid Hysaj (l.).

Die Rechtsverteidiger-Position ist DIE Baustelle im Kader des FC Bayern. Mit Philipp Lahm verteidigt dort zwar einer der besten seiner Zunft, jedoch hat der bereits mehrfach angekündigt, seine Karriere 2018 beenden zu wollen. Spätestens dann herrscht Handlungsbedarf, auch weil Lahm-Backup Rafinha zwar ein solider Rechtsverteidiger ist, aber eben keiner für die ganz großen Spiele. Die Suche nach Alternativen läuft daher auf Hochtouren. Ein Name, der in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder durch die Gerüchteküche gegeistert ist, ist Elseid Hysaj. Der albansiche Nationalspieler dürfte bislang nur Kennern und Fans der italienischen Serie A ein Begriff sein. Dort hat er in der abgelaufenen Saison starke Leistungen gezeigt. In seiner Premierensaison für den SSC Neapel kam Hysaj insgesamt 37 Mal zum Einsatz. Im Januar soll Bayerns Kaderplaner Michael Reschke sich höchstpersönlich ein Bild von dem 22-Jährigen gemacht haben. Hysaj scheint einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Und auch in den EM-Spielen gegen die Schweiz, Frankreich und Rumänien wusste der schnelle und zweikampfstarke Außenverteidiger zu überzeugen.

Die Bayern wären wohl bereit, 18 Millionen Euro nach Neapel zu überweisen, um den 1,82-Meter-Mann aus seinem bis 2020 laufenden Vertrag herauszukaufen. Mit seinen 22 Jahren wäre Hysaj eine langfristige Alternative zu Philipp Lahm - und damit genau das, was die Bayern suchen. Schlagen die noch in diesem Sommer zu, könnte sich Hysaj zwei Jahre in aller Ruhe entwickeln und 2018 Lahms Nachfolge antreten. Aber Achtung: Viel Zeit sollte sich der FC Bayern bei diesem Transfer nicht lassen. Auch Klubs aus Spanien und England an dem Außenverteidiger dran.

Mittelfeld defensiv: Luka Modric (Kroatien, Real Madrid, Marktwert: 50 Millionen Euro)

Luka Modric (M.).

Der wohl klangvollste Name in dieser Liste. Der Superstar von Real Madrid zieht im kroatischen Mittelfeld die Fäden. Über ihn läuft so gut wie jeder Angriff. Mit seinen scharfen, punktgenauen Pässen beschleunigt Modric das Spiel der Kroaten und sorgt so immer wieder für Alarm im Strafraum der Gegner. Wird's mal eng, setzt Modric selbst zu einem seiner gefürchteten, explosiven Dribblings an und reißt so Löcher in den gegnerischen Defensivverbund. Dass der 1,74 Meter kleine Antreiber auch ganz passabel aufs Tor schießen kann, hat er im Spiel gegen die Türkei gezeigt. Nicht umsonst war Modric der "Man of the Match". Gegen die Türken zeigte er seine ganze Klasse: 15 erfolgreiche Pässe im letzten Drittel, eine Passquote von 96 Prozent und 14 Balleroberungen plus das Tor zum Sieg - beeindruckend. Dass der zweifache Champions-League-Sieger eine Verstärkung fürs hochkarätig besetzte Mittelfeld des FC Bayern wäre, steht außer Frage. 

Um den kroatischen Wusler tatsächlich an die Säbener Straße zu locken, müssten die Münchner ihr berüchtigtes Festgeldkonto plündern - unterhalb der 50-Millionen-Marke wird Real Madrid seinen Regisseur wohl nicht ziehen lassen. Zudem müssten der deutsche Rekordmeister Platz im Kader schaffen, mit einem Platz auf der Bank wird sich der Kroate sicher nicht begnügen. Sollte Mario Götze die Bayern verlassen, könnte Luka Modric ein Thema werden. Mit Carlo Ancelotti träfe er auf einen alten Bekannten. Unter dem Italiener gewann er 2014 die Champions League. Ein Dreier-Mittelfeld bestehend aus Thiago, Arturo Vidal und Luka Modric würde definitiv zu den besten in Europa zählen. 

Mittelfeld zentral: Marek Hamsik (Slowakei, SSC Neapel, Marktwert: 35 Millionen Euro)

Marek Hamsik.

Ein kleiner Wackler und schon war Marek Hamsik vorbei an seinem russischen Gegenspieler. Ein kurzer Blick, ein strammer, dennoch gefühlvoller Schuss ins lange Eck und der Ball zappelte im Tor. Hamsiks Treffer zum 2:0 im Spiel der Slowakei gegen Russland war einer der schönsten im Turnier. Und einen Mann für schöne Tore kann man an der Isar ja eigentlich immer gebrauchen. Hamsik, Spielmacher beim SSC Neapel, ist neben Luka Modric einer der Kandidaten, die dem Mittelfeld des FC Bayern noch mehr Qualität verleihen würden. Seit nunmehr neun Jahren spielt Hamsik für Napoli. In 402 Spielen erzielte er dabei 98 Tore, dazu legte er 93 Treffer auf. Top-Werte für einen Mittelfeldspieler. 

Hamsiks Zeit im Schatten des Vesuvs dürfte sich aber langsam dem Ende zuneigen. Ein Mann seiner Qualität wird sich nach so einer langen Zeit bei den europäisch zweitklassigen Neapolitanern nach hochkarätigen Alternativen umsehen. Die werden nach weiteren, ähnlich starken Auftritten wie gegen Russland Schlange stehen. Sollte sich Neu-Bayern-Coach Ancelotti für ein System mit einem "Zehner" entscheiden, kommen die Münchner an Hamsik nicht vorbei. Mit Arturo Vidal spielt Hamsiks Bruder im Geiste ja bereits an der Säbener Straße. Beide verbindet die Liebe zu extravaganten Frisuren und großflächigen Tätowierungen. Bei zwei Jahren Restvertragslaufzeit müssten die Münchner für Hamsik wohl um die 45 Millionen hinblättern.  

Mittelfeld offensiv: Dimitri Payet (Frankreich, West Ham United, Marktwert: 23 Millionen Euro)

Dimitri Payet.

Frankreichs bisheriger Überflieger bei der EM ist zwar schon 29 Jahre alt, schickt sich aber an, nun in den absoluten Fußball-Olymp aufzusteigen. Sein Vereinscoach Slaven Bilic schwärmt: "Er bringt alles mit, was man auf der Zehnerposition braucht. Aber er ist am besten, wenn er das Spiel vor sich hat, über den Flügel kommt und nach innen ziehen kann." Payet traf in den beiden ersten Gruppenspielen für die Franzosen, beide Male in der Schlussphase, beide Male äußerst sehenswert und beide Male äußerst wichtig. Flügelspieler gibt es zwar schon einige beim FC Bayern, aber Franck Ribéry (33) und Arjen Robben (32) werden auch nicht jünger. Die Verträge der beiden bayerischen Flügelflitzer laufen im Juni 2017 aus. Payet könnte Ribéry wie schon in der Nationalmannschaft auch bei den Bayern linksaußen ersetzen.

Im vergangenen Sommer wechselte der wirbelnde Franzose für 16,5 Millionen Euro von Marseille zu West Ham - eine Zwischenstation, da sind sich die Experten einig. In der englischen Premier League gehörte Payet in der abgelaufenen Saison zu den herausragenden Akteuren, seine Dribblings und Freistöße, mit denen er Spieltag für Spieltag die Herzen der Fans höher schlagen lässt, sind ein Augenschmaus. Einen gefährlichen Freistoßschützen können die Bayern in ihren Reihen gut gebrauchen. Günstig wäre Payet nach seinen Glanzauftritten bei der EM aber ganz sicher nicht.

Sturm: Graziano Pellè (Italien, FC Southampton, Marktwert: 11 Millionen Euro)

Graziano Pellè.

Der Kader der Bayern ist auf allen Positionen doppelt und dreifach gut besetzt. Auf fast allen Positionen muss man sagen, denn an vorderster Front kommt hinter Robert Lewandowski nichts mehr. Damit Carlo Ancelotti seinem Topstürmer in der kommenden Saison die ein oder andere Pause gönnen kann, braucht's einen Ersatz. Mit Graziano Pellè spielt sich passenderweise ein Torjäger bei der EM gerade (zurück) ins Rampenlicht. Der Italo-Bomber traf im Spiel gegen Belgien spät und schön. Zuvor hatte er die gegnerische Abwehr 90 Minuten lang unablässig unter Druck gesetzt. Abgezockt vor dem Tor, robust im Zweikampf, und taktisch geschult ist der Mann vom FC Southampton. Ein klassischer italienischer Stürmer.

Mit denen haben die Bayern ja gute Erfahrungen gemacht. Man erinnere sich nur an den dauerjubelnden Luca Toni. Sieht man über die technischen Defizite einmal hinweg, wäre Pellè mit Sicherheit eine Bereicherung für das Offensivspiel der Münchner. 1,94 Meter groß, Typ Brechstange. Einer, auf den man in den letzten Minuten nochmal hohe Bälle schlagen kann. Einer, der die Tore erzwingt. Dass er Tore schießen kann, bewies der heute 30-Jährige bei Feyenoord Rotterdam. 50 Mal in 57 Spielen netzte der Italiener ein. 2014 ging's dann ab auf die Insel zum FC Southampton. Dort stockte der Tor-Motor zuletzt, die EM scheint ihm nun aber wieder Auftrieb zu geben. Gesprächsbereit wären die Südengländer hinsichtlich eines Transfers wohl dennoch. Pellè hat nur noch ein Jahr Vertrag, Geld bekommen die "Saints" für ihren Stürmer also nur noch diesen Sommer. Ein Vorteil für die Münchner. Der Mann mit der Macho-Frisur würde für verhältnismäßig wenig Geld zu haben sein.

Sie können gerne abstimmen, wen Sie sich beim FC Bayern wünschen würden. Ins Voting reingenommen haben wir natürlich auch Zlatan Ibrahimovic, der seit Tagen heiß bei den Münchnern gehandelt wird.

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de. Tipps zum Public Viewing in München gibt es hier, den Link zum Tippspiel unter tippkaiser.de.

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