Gastgeber atmet auf

Frankreich liegt Matchwinner Payet zu Füßen

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Dimitri Payet erzielte den Siegtreffer für die Franzosen.

Saint-Denis - Frankreich verneigt sich vor seinem Auftakthelden Dimitri Payet. Seine Tränen am Ende eines hochemotionalen EM-Auftakts zeigen, wozu das Land fähig ist.

Die Grande Nation ist vernarrt in ihren neuen Fußball-Helden Dimitri Payet. "Das war eine Botschaft ans ganze Land", sagte Sportminister Patrick Kanner am Tag nach dem mühsamen 2:1-Zittererfolg Frankreichs gegen Rumänien über die bewegenden Momente des Siegtorschützen. "Mit seinen Tränen zeigt er letztlich, wozu Frankreich fähig ist."

Als er kurz nach seinem spektakulären Distanzschuss (89. Minute) in den Winkel unter tosendem Applaus im ausverkaufen Stade de France ausgewechselt wurde, konnte der 29 Jahre alte Angreifer die Emotionen nicht mehr zurückhalten. "Da war viel Stress, viel Druck. Wenn es mir jemand vorher gesagt hätte, hätte ich es nicht geglaubt, dass mir das gelingt", sagte Payet, der mit seinem furiosen Treffer die EM-Begeisterung im eigenen Land zusätzlich befeuerte.

Payet spielt ein Jahr lang keine Rolle

Unter Nationalcoach Didier Deschamps hatte er ein Jahr lang keine Rolle mehr in der französischen Nationalmannschaft gespielt. Doch gegen die wehrhaften Rumänen war der Rückkehrer des Jahres der beste Mann auf dem Platz: schnell, dribbelstark, brandgefährlich. Den Führungstreffer durch Olivier Giroud (57.) bereitete Payet vor, die Wahl zum "Man of the Match" war nur noch eine Formsache. Payet, Payet, Payet - am Tag danach bestimmte er sportlich die Seiten in den Zeitungen, die Sendungen im Fernsehen und im Radio.

Alle Informationen zum Tag nach dem EM-Start finden Sie in unserem EM-News-Ticker.

"Ihm haben wir den Sieg zu verdanken", sagte Bayerns eingewechselter Kingsley Coman. Deschamps kündigte an: "Ich werde ihn in Eis packen, damit ihm in den kommenden Spielen nichts Ernstes passiert." Erst in diesem Jahr war Payet nach einer starken Saison bei West Ham United in der Premier League von Deschamps wieder berücksichtigt worden.

Kuriose Verbindung zwischen Payet und Rumänien

Für den Angreifer ist die Heim-EM das erste große Turnier. Nach seinem Debüt im Oktober 2010 - im Stade de France gegen Rumänien - war er vom damaligen Coach Laurent Blanc nicht für die EM 2012 berücksichtigt worden. Auch Deschamps nahm ihn 2014 nicht mit zur WM. Vor seiner Rückkehr in diesem Jahr war Payet am 13. Juni 2015 zuletzt für die Équipe tricolore aufgelaufen - Gegner damals wie am kommenden Mittwoch im zweiten Spiel der Gruppe A: Albanien. In ihrem letzten Vorrundenspiel treffen die Franzosen am 19. Juni in Lille auf die Schweiz.

Dank Payet kann Frankreich schon gegen die Albaner das Erreichen der K.o.-Runde sicherstellen. "Das ist jetzt die Euro von Les Bleus und bereits genial, ja, schon nach nur einem Spiel", schrieb "Le Parisien" und titelte "Das fängt gut an!". Die Sportzeitung "L'Équipe" meinte: "Dieser entscheidende Sieg, so bedeutend nach zwei Jahren des Wartens, war eine Freude und eine Qual. Aber er tut verdammt gut."

Bilder: Payet erlöst Frankreich

Uff! Dimitri Payet ballt die Faust, doch nach dem hart erkämpften Sieg durch seinen späten Treffer mögen die Franzosen nicht groß jubeln. Foto: Peter Kneffel
Uff! Dimitri Payet ballt die Faust, doch nach dem hart erkämpften Sieg durch seinen späten Treffer mögen die Franzosen nicht groß jubeln. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Das machen dafür die Fans im Stadion um so ausgelassener. Foto: Abedin Taherkenareh
Das machen dafür die Fans im Stadion um so ausgelassener. Foto: Abedin Taherkenareh © Abedin Taherkenareh
Das Spiel beginnt ohne Abtasten, die Rumänen haben in der 4. Minute die erste dicke Möglichkeit. Lloris rettet auf der Linie. Foto: Abedin Taherkenareh
Das Spiel beginnt ohne Abtasten, die Rumänen haben in der 4. Minute die erste dicke Möglichkeit. Lloris rettet auf der Linie. Foto: Abedin Taherkenareh © Abedin Taherkenareh
Olivier Giroud antwortet sechs Minuten später mit einem Kopfball, der knapp links am Tor vorbeigeht. Foto: Peter Kneffel
Olivier Giroud antwortet sechs Minuten später mit einem Kopfball, der knapp links am Tor vorbeigeht. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Kurz darauf verpasst der quirlige Antoine Griezmann eine schöne Flanke, doch die Chance ist noch nicht vorüber. Foto: Yoan Valat
Kurz darauf verpasst der quirlige Antoine Griezmann eine schöne Flanke, doch die Chance ist noch nicht vorüber. Foto: Yoan Valat © Yoan Valat
Aber die Nummer Sieben bringt kein Glück, den zurückprallenden Ball setzt der Franzose nur an den Pfosten. Foto: Srdjan Suki
Aber die Nummer Sieben bringt kein Glück, den zurückprallenden Ball setzt der Franzose nur an den Pfosten. Foto: Srdjan Suki © Srdjan Suki
Der Stürmer von Atlético Madrid hätte mit dem Tor die EM-Euphorie in Frankreich früh entfachen können. Foto: Yoan Valat
Der Stürmer von Atlético Madrid hätte mit dem Tor die EM-Euphorie in Frankreich früh entfachen können. Foto: Yoan Valat © Yoan Valat
Auch zum Auftakt der zweiten Hälfte hat Bogdan Stancu die Führung für Rumänien auf dem Fuß, doch wieder geht der Ball nicht rein. Foto: Yoan Valat
Auch zum Auftakt der zweiten Hälfte hat Bogdan Stancu die Führung für Rumänien auf dem Fuß, doch wieder geht der Ball nicht rein. Foto: Yoan Valat © Yoan Valat
Und dann passiert es: Olivier Giroud ist mit dem Kopf zur Stelle und die Grande Nation jubelt über das 1:0. Foto: Srdjan Suki
Und dann passiert es: Olivier Giroud ist mit dem Kopf zur Stelle und die Grande Nation jubelt über das 1:0. Foto: Srdjan Suki © Srdjan Suki
Mesut Özils Teamkollege von Arsenal trägt sich als Erster in die Torschützenliste ein. Foto: Filip Singer
Mesut Özils Teamkollege von Arsenal trägt sich als Erster in die Torschützenliste ein. Foto: Filip Singer © Filip Singer
Der dritte Schuss von Stancu sitzt dann - vom Elfmeterpunkt. Rumänien gleicht aus. Foto: Srdjan Suki
Der dritte Schuss von Stancu sitzt dann - vom Elfmeterpunkt. Rumänien gleicht aus. Foto: Srdjan Suki © Sr djan Suki
Dimitri Payet macht über die Außenbahnen viel Druck, gibt die Vorlage zum ersten Tor und trifft dann auch noch zum Sieg. Foto: Georgi Licovski
Dimitri Payet macht über die Außenbahnen viel Druck, gibt die Vorlage zum ersten Tor und trifft dann auch noch zum Sieg. Foto: Georgi Licovski © Georgi Licovski
Der Man of the Match erzielt nicht irgendein Tor, sondern versenkt einen sehenswerten Schuss in den Winkel. Foto: Srdjan Suki
Der Man of the Match erzielt nicht irgendein Tor, sondern versenkt einen sehenswerten Schuss in den Winkel. Foto: Srdjan Suki © Srdjan Suki
Die Paroli der Osteuropäer ist gebrochen, für ihren Aufwand werden sie nicht belohnt. Foto: Marius Becker
Die Paroli der Osteuropäer ist gebrochen, für ihren Aufwand werden sie nicht belohnt. Foto: Marius Becker © Marius Becker

Denn die Franzosen taten sich ausgesprochen schwer, die Last der riesigen Erwartungen erdrückte den fußballerischen Esprit. Die Abwehr offenbarte die befürchteten Schwächen. Bogdan Stancu glich acht Minuten nach dem Tor von Giroud per Foulelfmeter aus. Von der gefürchteten Offensive der Franzosen war mit Ausnahme von Payet nur wenig zu sehen.

Deschamps nimmt keine Rücksicht

Deschamps scheute nicht davor zurück, die beiden vermeintlichen Superstars Paul Pogba und Antoine Griezmann vorzeitig vom Platz zu holen. "Paul kann besser spielen. Ich will nicht zu hart mit ihm sein", meinte Deschamps. Bayerns Champions-League-Schreck Griezmann schritt danach mit missmutiger Miene und Mate-Tee durch die Mixed-Zone. "Der Star der französischen Équipe ist die Mannschaft", betonte Abwehrspieler Patrice Evra. "Nicht ein einzelner Spieler. Nicht Paul, nicht Antoine".

An diesem emotionalen Abend, der mit einer lebensfrohen und bunten Eröffnungsfeier begann, eroberte der auf Le Réunion im Indischen Ozean geborene Payet aber allen voran die Herzen der Franzosen. "Das Stade de France erlebte einen dieser Momente, die im kollektiven Gedächtnis dieser EM bleiben", schrieb die "L'Équipe".

Alle Entwicklungen zum Eröffnungsspiel finden Sie in unserem EM-Ticker vom Freitag.

dpa

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