Wo steht der Fußball

Fußball-Finanzen: Eine rosige Zukunft?

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Oliver Roth ist Börsenstratege und Ex-Fußballprofi.

München . In der tz-Serie ­sprechen in loser Folge sechs Experten aus verschiedenen ­Bereichen über das Fußballjahr 2014 – und die Zukunft. Heute im Fokus: die finanzielle Entwicklung.

Schon wieder ein Jahr rum! 2014 neigt sich dem Ende zu. Was den Fußball angeht, hätten die vergangenen zwölf Monate besser kaum laufen können. 2014 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem das DFB-Team in Rio den vierten Stern nach Deutschland holte und Millionen Menschen in Ekstase versetzte. Derzeit steht der deutsche Fußball an der Spitze – eine Momentaufnahme. Torlinientechnik, UEFA Nations League und immer mehr Geld – der Fußball befindet sich in einem steten Erneuerungsprozess. In der tz-Serie ­sprechen in loser Folge sechs Experten aus verschiedenen ­Bereichen über das Fußballjahr 2014 – und die Zukunft. Heute im Fokus: die finanzielle Entwicklung.

Herr Roth, die wirtschaftliche Entwicklung der Fußballklubs in den vergangenen Jahren ist beeindruckend. Der FC Bayern zum Beispiel hat seinen Umsatz innerhalb von zehn Jahren mehr als verdreifacht – von 166 auf 528 Millionen Euro. Wie ist so etwas zu erklären?

Oliver Roth: Hauptsächlich hängt die Umsatzexplosion mit den neuen Vermarktungsstrategien der Vereine zusammen. Da zählen auch die Fernsehgelder dazu, vor allem aber die Einnahmen aus dem Merchandising. Und die sind mit der Expansion auf den asiatischen Markt enorm gestiegen. Was Manchester United Anfang des Jahrtausends vorgemacht hat, machen andere Vereine wie Real Madrid oder der FC Bayern inzwischen auch. Sie haben auf diesem riesigen Markt Fuß gefasst.

Funktionieren die Klubs heute eher wie Unternehmen als wie Vereine?

Oliver Roth: Das würde ich nur bedingt sagen. Die Vereine sind definitiv professioneller geworden. Hierzulande hat der Verband die Ausgliederung der Profiabteilungen hin zu einer Kapitalgesellschaft massiv gefördert. Grundsätzlich muss man sagen, dass die Strukturen in den Klubs dadurch professionalisiert wurden. Früher gab es einen Manager, der hat sich um alles gekümmert. Heute gibt es in jedem Bereich einen Spezialisten. Einen, der sich um die sportlichen Belange kümmert, einen, der die Finanzen kontrolliert und noch einen, der für das Marketing verantwortlich ist. Aber die Haupteinnahmequelle der Vereine ist letztlich immer noch der Fußball. Durch neu geschaffene Strukturen und dadurch generierte Mehreinnahmen, zum Beispiel aus dem Marketing, ist man kurzfristig vielleicht nicht ganz so extrem abhängig von den sportlichen Ergebnissen. Mittel- und langfristig gesehen geht aber kein Marketingkonzept ohne sportlichen Erfolg auf.

Was Marketing und Merchandising betrifft, hinkt die Bundesliga der ausländischen Konkurrenz weit hinterher…

Oliver Roth:  …nein, das würde ich so nicht generell sagen. Der FC Bayern ist international zweifelsfrei auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Aber in Deutschland gilt das Solidaritätsprinzip bei TV-Geldern. Diesen Gedanken gibt es in anderen Ländern nicht. In Spanien kriegen Real Madrid und der FC Barcelona fast alle TV-Einnahmen, der Rest so gut wie gar nichts.

Deshalb können die beiden auch für einen Spieler mal eben 80 Millionen Euro ausgeben…

Oliver Roth: Ja, aber das Financial Fairplay der UEFA wird auf Dauer dafür sorgen, dass irgendwann mal Chancengleichheit herrscht. Noch ist Spanien allerdings auch ein besonderer Fall. Da wird der Fußball in Regionen gelebt, nicht in der gemeinsamen Nation. Es heißt Kastilien gegen Katalonien, Real gegen Barça. Die Politiker dort tun alles, um die Klubs zu unterstützen. Schließlich geht es da ja auch um Stimmen für die nächsten Wahlen. Die beiden erhalten permanente Unterstützung aus der Politik. Teilweise auch unlautere Hilfe. Die spanischen Erstliga-Klubs haben über 700 Millionen Euro Schulden beim Staat – aber zahlen sie einfach nicht zurück. Eigentlich müssten die seit den 90er-Jahren ihre Profiabteilungen in Kapitalgesellschaften umwandeln. Doch weil sie dann Bilanzen erstellen müssten und steuerrechtliche Themen komplizierter werden würden, lassen sie es bleiben. Aber die Politik belässt es dabei, sonst würde sie die Quittung dafür bei der nächsten Wahl bekommen.

Auch bei der FIFA lässt sich politischer Einfluss angesichts von Entscheidungen wie der WM-Vergabe 2022 nach Katar kaum von der Hand weisen, oder?

Oliver Roth:  Da gibt es keine zwei Meinungen. Auf Verbands­ebene spielt das Geld einfach eine zu große Rolle. Ich glaube auch, dass die FIFA durch diese Entscheidung massiv an Renommee eingebüßt hat. Noch schlimmer finde ich aber die Posse im Anschluss um den nicht komplett veröffentlichten Untersuchungsbericht zum Korruptionsverdacht bei der Vergabe. Da ist man angeblich um Aufklärung bemüht, aber das Ergebnis wird unter Verschluss gehalten. Das ist ja schon peinlich zu nennen.

Wohin geht die Entwicklung, wenn das Geld eine immer größere Rolle spielt?

Oliver Roth: Ich gehe fest davon aus, dass die Vermarktungsfelder der Vereine noch breiter werden. Irgendwann sind es nicht nur die Topklubs, sondern auch die Vereine aus der zweiten Reihe, die neue Märkte erschließen wollen. Das Merchandising ist einfach ein wesentlicher Faktor, bei Spitzenklubs macht es ja schon ein Drittel der Einnahmen aus. Auf dem Gebiet gibt es ungeahnte Möglichkeiten. Heutzutage gibt es ja 3D-Drucker. Wer weiß, vielleicht werden bald die ersten Spieler in Echtgröße abgedruckt und als Fanartikel an den Mann gebracht. Die Umsätze werden dort jedenfalls weiter steigen, zumindest in den nächsten fünf Jahren.

Immer höher, immer schneller, immer weiter. Birgt diese Entwicklung irgendwo nicht auch Gefahren?

Oliver Roth: Ich stelle mir die Frage, wie die Entwicklung bei den immer steigenden Spielergehältern weitergeht. Die geht nämlich in eine Richtung, die ich für bedenklich halte. Denn dieser enorme Anstieg in den vergangenen Jahren ist alles andere als super. Der wurde nur durch steigende Einnahmen kaschiert. Was machen die Vereine, wenn die Einnahmen mal stagnieren? Dann müssen sie aufpassen, dass ihnen ihre Kostenstruktur nicht um die Ohren fliegt.

Sind Investoren oder strategische Partner deshalb heute kaum mehr fernzuhalten aus dem Fußballgeschäft?

Oliver Roth: Grundsätzlich glaube ich nicht, dass die Abhängigkeit von einem einzelnen Sponsor gesund ist. Schon gar nicht, wenn es sich dabei wie bei einigen englischen Vereinen um eine Privatperson handelt. Das ist der völlig falsche Weg. Wenn der Oli­garch dann plötzlich keine Lust mehr auf sein Hobby hat, kann der Verein den Bach runtergehen. Manchester City ist zwar dank der Unterstützung seines Scheichs Mansour in den vergangenen drei Jahren zweimal Meister geworden, aber trotzdem stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit. Und da habe ich große Bedenken. Die Bundesliga ist da in gewisser Weise ein Vorbild, gerade der FC Bayern. Die Liga erlaubt es den Klubs, maximal 49 Prozent der Anteile ihrer Kapitalgesellschaft zu veräußern. Und in München haben sie es sogar geschafft, mit Audi, Adidas und Allianz drei Global Player ins Boot zu holen. Das sind Partner, die die Geschäftspolitik mittragen und dem Verein nicht ins Tagesgeschäft reinreden – eine wunderbare Eigentümerstruktur, die sich Manager von börsennotierten Unternehmen nur wünschen können.

Interview: Sven Westerschulze

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