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Ballon d‘Or mit 21 - dann kamen die Verletzungen: Tragischer Absturz eines Fußball-„Wunderkinds“

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Von: Tom Offinger

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Die englischen Fußball-Nationalspieler David Beckham, Wayne Rooney und Michael Owen.
Michael Owen (re.) an der Seite von David Beckham und Wayne Rooney (von links nach rechts). © IMAGO / Ulmer

Michael Owen galt einst als Englands größte Fußballhoffnung und lehrte sogar Oliver Kahn das Fürchten. Die in ihn gehegten Hoffnungen konnte der Angreifer tragischerweise nie erfüllen.

Liverpool/München - Vor zwanzig Jahren lag ihm die internationale Fußballwelt zu Füßen, für viele junge Fans ist sein Name allerdings längst vergessen: Die Rede ist von Michael Owen, dem einstigen „Wunderkind“ des englischen Fußballs. Im zarten Alter von 19 Jahren wurde der Stürmer 1998 zu Englands Sportler des Jahres gewählt, drei Jahre später wurde ihm der Ballon d‘Or verliehen. Deutsche Fans werden sich noch mit Schrecken an das WM-Qualifikationsspiel im Münchner Olympiastadion erinnern, als Owen einen Hattrick zur blamablen 1:5-Niederlage der DFB-Elf beisteuerte. Dem Vollblutstürmer schien die Welt damals offenzustehen, doch das Schicksal meinte es anders.

Michael Owen: Traumhafter Start beim FC Liverpool

„Mit 21 Jahren dachte ich definitiv, dass ich einen weiteren Ballon d‘Or gewinnen könnte“, verriet der heute 42-jährige Owen jüngst in einem Interview mit der englischen Daily Mail. Mit 17 debütierte der Stürmer bereits im Trikot des FC Liverpool. Bis zur Spielzeit 2003/04 gelangen ihm in 297 Pflichtspielen 158 Tore, mit den „Reds“ gewann er 2001 den FA Cup, den englischen Ligapokal, den UEFA-Cup und eben als bis heute letzter Engländer den Ballon d‘Or, der damals noch dem besten Fußballer Europas verliehen wurde. Auch im Dress der englischen Nationalmannschaft zeigte sich Owen treffsicher, ein großer Titel mit den „Three Lions“ schien nur eine Frage der Zeit.

„Ich habe mit 18 schon Tore bei der WM geschossen“, erinnert sich Owen an seine erfolgreichste Zeit. „Bis 21, also bis zum Ballon d‘Or, war ich sehr gut. Dann habe ich mir eine Verletzung zugezogen.“ Im April 1999 verletzt sich Owen an der Kniesehne - der erste Riss im Panzer des Angreifers. Trotz aller Warnungen kehrt der Jungstar zu früh auf den Platz zurück, seine Torquote hilft beim Verdrängen der Gefahr. „Ich wünschte, es wäre ein gebrochenes Bein gewesen. Für mich war die schlimmste Verletzung an der Kniesehne, weil man damals nicht operiert hat. Für den Rest meiner Karriere lief ich mit zwei Oberschenkelmuskeln in meinem rechten Bein und mit drei in meinem linken Bein herum. Das war mein absoluter Tiefpunkt.“

Michael Owen: Real Madrid und die WM 2006 als Tiefschläge

Im Sommer 2004 wechselt Owen zu Real Madrid, kann sich dort aber nicht gegen Vereinslegende Raul und Star-Stürmer Ronaldo behaupten. Als Reservist gelingen ihm in 36 Ligaspielen immerhin 13 Tore, doch nur ein Jahr später zieht es den damals 26-Jährigen zurück auf die Insel zu Newcastle United. Kaum dort, folgt der nächste Rückschlag: Im November 2005 verletzt sich Owen in der Leistengegend, wenig später folgt eine Fraktur des rechten Mittelfuß. Bei der WM in Deutschland im Sommer 2006 reißt sich der Stürmer-Star dann das Kreuzband. „Ich wusste nicht, dass mich Verletzungen so sehr behindern würden. Aber rückblickend hatte ich Angst, in Höchstgeschwindigkeit zu rennen“, gesteht Owen.

In der Folge findet der Angreifer nicht mehr zurück zu alter Stärke, auch die Verletzungspausen häuften sich zunehmend. Ab der Spielzeit 2007/08 etabliert sich Owen endlich bei Newcastle, doch statt Erfolgen kämpft der einstige Superstar regelmäßig gegen den Abstieg. Nach 30 Toren in 79 Pflichtspielen verlässt der Stürmer Newcastle im Sommer 2009 in Richtung Manchester United, über eine Reservistenrolle kommt er allerdings auch dort nicht hinaus. Nach einer unspektakulären Saison bei Stoke City hängt Owen im Alter von 32 Jahren seine Fußballschuhe im Sommer 2013 an den Nagel.

Verletzungen bremsen vielversprechende Karriere aus

„Mein Vater sagt immer: ‚Du behauptest, du wärst mit 28 beschissen gewesen. Aber nach all den Verletzungen immer noch auf Top-Niveau zu sein... warum bist du so hart zu dir selbst?‘“, bilanziert der 42-Jährige gegenüber der Daily Mail. „Aber innerlich weiß ich, wie gut ich hätte sein können.“ Ganz hat sich Owen allerdings noch nicht vom Profi-Fußball verabschiedet. Seit seinem Karriereende tritt der Angreifer, der es in 89 Einsätzen für die englische Nationalmannschaft auf 40 Treffer brachte, als Experte im englischen Fernsehen auf.

Obwohl der 42-Jährige nie die Hoffnungen einlösen könnte, die zu Beginn seiner Karriere in ihn gesetzt wurden, ist der Platz des einstigen „Wunderkinds“ in den Geschichtsbüchern des Fußballs sicher. Wären da nur nicht die üblen Verletzungen gewesen ... (to)

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