Nachspiel: Die Fußball-Kolumne

WM mit 48 Nationalmannschaften: Der Fußball wird zum Bauernopfer

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Zerstört die FIFA den Fußball wie wir ihn kennen?

tz-Kolumnist Rainer Kalb schreibt über die geplante Fußball-WM mit 48 Teilnehmern, die Klub-WM und die Kommerzialisierung des Fußballs. 

München - Eine Fußball-WM mit 48 Nationalmannschaften ist natürlich lächerlich, weil dann fast jeder Fünfte der 211 Weltverbände teilnehmen darf und sich dem Fan die Frage stellt, wie spannend dann eine sich quälend hinziehende Qualifikation sein soll. Eine Klub-WM mit 24 Vereinen ist nicht nur lächerlich, sondern für den Fußball auch gefährlich. Wenn die Startgelder und die Prämien so obszön hoch sind, wie sie derzeit kolportiert werden – 100 Millionen für den Sieger – dann ist es ganz egal, ob die jeweiligen Verbände oder Ligen „solidarisch“ Brotkrümel abbekommen.

Ein Wettbewerb für die europäischen Top-Klubs, um noch mehr Geld einstecken zu können

Die Bayern plädieren natürlich für die Ligen. Beim ungeliebten Confed-Cup – letzter Sieger 2017 Deutschland –, der stattdessen abgeschafft werden soll, erhielten noch die Verbände, also auch Amateurvereine, Geld. Eigentlich waren die UEFA, der europäische Kontinentalverband, und die ECA, der Zusammenschluss europäischer Profivereine, gegen diese Klub-WM. Pikant: Karl-Heinz Rummenigge war Präsident dieser Vereinigung und ist jetzt Ehrenpräsident; sein Nachfolger ist Andrea Agnelli, der Chef von Juventus Turin. Nimmt man das unumgängliche Real Madrid hinzu und dazu noch einen englischen Verein, lässt sich schon erahnen, wer sich – außer der FIFA – die Taschen vollmacht. Europa soll acht Starter stellen dürfen, das viel kleinere Südamerika sechs. Afrika, Asien und Nord-/Mittelamerika dürfen drei Teilnehmer stellen, Ozeanien einen. Damit wird das finanzielle Ungleichgewicht von Europa auf die anderen Kontinente verteilt.

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Zweifel an einem großen Interesse bei Fans und TV-Sendern

An der letzten Klub-WM 2018 nahmen neben Champions-League-Sieger Real Madrid noch Kahima Antlers (Asien), Deportivo Guadelajara (Nord-/Mittelamerika), Esperance Tunis (Afrika), River Plate (Südamerika), Team Wellington (Ozeanien) und al Ain Club (Gastgeber Vereinigte Arabischen Emirate) teil. Es ist nicht bekannt, dass deutsche TV-Anstalten sonderliches Interesse an Live-Übertragungen gezeigt hätten. Es ist auch nicht bekannt, dass Internet-Livestreams überlastet gewesen wären. Es lassen sich noch mindestens zwei weitere Gegenargumente gegen den geplanten Quark anführen, den FIFA-Präsident Infantino geschickt mit Rosinen spickt. Wenn denn acht Dreier-Gruppen gebildet werden, schaut einer am Schluss der Gruppenphase zu – und damit in die Röhre. Denn die beiden anderen können ihr Weiterkommen per Resultat arrangieren. Siehe Deutschland – Österreich bei der WM 82 auf Kosten von Algerien.

Solidarität? Eher nicht!

Und wer glaubt ernsthaft, die Europäer mit ihren überteuerten Mannschaften würden sich nicht das Geld zuschanzen, statt es Afrika zu überlassen, damit die ihre wertvollsten Spieler behalten können? So weit geht die Solidarität dann doch nicht. Weiterhin: Schon die Champions League sorgt für ein finanzielles Ungleichgewicht. Dank garantierter Einnahmen kann bei Qualifikation im Sommer auf dem Transfermarkt zugeschlagen werden. Kommt diese Vereins-WM mit ihren garantierten Millionen aus dubiosen Quellen hinzu – FIFA-Boss Infantino verrät nichts, DFB-Chef Grindel nickt ab –, können die eingeladenen Klubs im Wissen um die kommenden Millionen die Märkte leerfegen, eben um Weltmeister zu werden.

So viel zum Financial Fair Play der UEFA und der bröckelnden Solidarität in Europa. Felix Magath, der am Wochenende durch die TV-Sender tingelte und den abgeklärten Weisen gab, zürnte: „Es geht nur noch um Verkaufen, Verkaufen, Verkaufen. Nicht mehr darum, den Fußball besser – nicht gut, nur besser – zu machen.“ Wo der passionierte Schachspieler Recht hat, hat er Recht. Die FIFA aber macht mit einer Klub-WM den gesamten Fußball zum Bauernopfer. 

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Rainer Kalb/tz-Kolumnisten vertreten ihre von der Redaktion unabhängie Meinung

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