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Kommentar zum DFB-Debakel: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für einen Neuanfang

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Von: Manuel Bonke

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Frust pur beim DFB: Hummels und Gomez.
Frust pur beim DFB: Hummels und Gomez. © dpa / Andreas Gebert

Welche Konsequenzen soll es nach dem peinlichen aus der Nationalmannschaft bei der WM in Russland geben? Redakteur Manuel Bonke analysiert das Scheitern und die Verantwortlichen.

Die Krisensitzungen nach der 0:2-Pleite gegen Südkorea und dem damit verbundenen WM-Vorrunden-Aus starteten Mittwochabend noch am Mannschaftsbus. Den Anfang machten DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Kapitän Manuel Neuer. Kurz vor der Abfahrt aus dem Stadion standen Bierhoff, DFB-Präsident Reinhard Grindel, Vize Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius zusammen und diskutierten die Lage – es gibt nach dem WM-Desaster enorm viel Gesprächsbedarf. „Es war zu wenig. Das muss man festhalten. Es wird wichtig sein, alles aufzuarbeiten. Es wird alles hinterfragt. Das machen wir auch nach anderen Turnieren. Jetzt wird es noch kritischer“, kündigte Bierhoff gestern bereits an.

Aber: Wie konnte es so weit kommen? Die tz-Analyse zur DFB-Katastrophe.

Selbstherrlichkeit: Amtierender Weltmeister, amtierender Confed-Cup-Sieger und Olympia-Zweiter – die Nationalspieler fühlten sich schon vor dem Turnierstart stark wie nie zuvor. Immer wieder war zu hören, dass die Qualität der Mannschaft in Russland noch größer sei als beim Titelgewinn vor vier Jahren in Brasilien – das alleine aber nicht für die Titelverteidigung ausreiche. Und doch ruhten sich die Spieler auf ihren Triumphen aus der Vergangenheit aus, das zeigten das Auftreten und die Körpersprache in den Gruppenspielen deutlich. Vor dem Mexiko-Spiel habe Jogi „eine gewisse Selbstherrlichkeit“ gespürt, gab er auf seiner letzten WM-Pressekonferenz in Russland zu. In drei Spielen nur ein Tor aus dem Spiel heraus erzielt zu haben, ist der beste Beweis dafür. Thomas Müller meinte: „Wir sind gegen jedes Argument, das angeführt wird, machtlos. Peinlich, dass wir in dieser Gruppe Letzter geworden sind.“

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tz-Redakteur Manuel Bonke.
tz-Redakteur Manuel Bonke. © fkn

Viele Köche verderben den Brei

Führungsproblem: Klar, Manuel Neuer ist in der Nationalmannschaft als Kapitän der absolute Führungsspieler. Doch Neuer hat es als Torwart schwer, auf dem Platz voranzugehen und Zeichen zu setzen – das wurde vor allem gegen Südkorea noch einmal deutlich. Für viele war Toni Kroos nach seinem Freistoß-Tor gegen Schweden der absolute Boss auf dem Platz, tauchte auch er unter. Sami Khediras Leistungen waren sportlich zu schwach, als dass ihn jemand als Chef auf dem Platz akzeptiert hätte. Das gleiche galt für Thomas Müller. Bleiben also noch Mats Hummels und Jerome Boateng. Hummels legte bereits nach der Pleite gegen Mexiko den Finger in die Wunde. Wirklich angenommen wurde die Kritik nicht, sonst wäre Deutschland noch im Turnier. Nach der Pleite gestern legte der FCB-Spieler nach: „Das ist sportlich die größte Enttäuschung meines Lebens. Wir waren nicht auf dem Level, das man für eine WM braucht.“ So, wie viele Köche den Brei verderben, verderben viele Führungsspieler die Hierarchie.

Umbruch, jetzt: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für einen Neuanfang! Die Zukunft sollte den Kimmichs, Süles, Goretzkas, Brandts, Sanes und Weigls gehören. Ob Jogi dabei mitwirkt? Nach dem Korea-K.o. hielt sich Löw noch bedeckt: „Das ist zu früh für mich, diese Frage zu beantworten.“ Teammanager Bierhoff sagte hingegen: „Ich gehe fest davon aus, dass Jogi weitermacht.“ Immerhin: Löw hat schon beim Confed Cup vergangenes Jahr bewiesen, dass er in der Lage ist, aus einem jungen Haufen eine titelreife Truppe zu formen. Müller erklärte: „Wir müssen das erstmal verarbeiten. Und wir müssen schauen, dass wir nicht zu viel Glas zerbrechen.“ Einen Scherbenhaufen hat der deutsche Fußball aber schon jetzt vor sich…

Manuel Bonke

Presse vernichtet DFB-Team: "Blamage", "Schmach", "Katastrophe"

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