Nach dem WM-Aus

DFB-Präsident über „Erdogate“ - „Sportpolitische Fragen“ haben überragende Bedeutung

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Mesut Özil bei der WM 2018 in Russland. 

Mesut Özil hat erstmals seit dem WM-Aus getwittert. Zu seiner Zukunft im DFB-Team und der Erdogan-Affäre äußert er sich aber nicht.

Köln - Für Mesut Özil dürfte auch der Blick in die Statistik der WM kein Trost sein. Der Spielmacher des krachend gescheiterten Weltmeisters hat in der Vorrunde tatsächlich mit die meisten Vorlagen zu Torschüssen gegeben - alle Mannschaften eingerechnet. Doch Özil wird wohl nur als eines der Gesichter des deutschen Absturzes in Russland in Erinnerung bleiben.

"Die Weltmeisterschaft schon nach der Gruppenphase verlassen zu müssen, schmerzt so sehr. Wir waren einfach nicht gut genug", teilte der in der Kritik stehende 29-Jährige nun bei Twitter mit und schrieb weiter: "Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen." Unter seinem Hashtag ("SayNoToRacism") sprach er sich gegen Rassismus aus. Zu "Erdogate": wieder nichts.

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Die Affäre um das viel diskutierte Foto mit Recep Tayyip Erdogan schwelt auch sechs Wochen nach dem Treffen noch. Weltmeister Özil und Ilkay Gündogan ließen sich Mitte Mai mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten in einem Londoner Hotel ablichten. Die Affäre wirkt bis heute nach und wird als einer der zahlreichen Gründe für das blamable Vorrunden-Aus gesehen.

Özil zählt zu den Streichkandidaten des DFB-Teams

Geäußert hat sich Özil dazu in der Öffentlichkeit nie. Der Social-Media-König im Nationalteam wandte sich lediglich mit ein paar Tweets oder Posts an die Öffentlichkeit - so auch jetzt. Seine jüngsten Aussagen lassen Raum für Spekulationen. Wie geht es für Özil in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) weiter? War sein 92. Länderspiel in Kasan gegen Südkorea auch sein letztes? Schon aufgrund seines Alters zählt er zu den Streichkandidaten. Bei der Winter-WM 2022 in Katar wäre er 34.

Viel dürfte auch von der Zukunft des Bundestrainers abhängen. Joachim Löw ist ein großer Fürsprecher von Özil und von dessen Fähigkeiten absolut überzeugt. Özils 23 Tore und 40 Vorlagen im DFB-Trikot sprechen für sich. Bei der WM in Russland war der zuvor von Rückenproblemen und einer Knieprellung beeinträchtigte Özil aber kein Faktor: Kein Tor, keine Vorlage zu einem Tor, zwei Abschlüsse. Der einzige Sieg gelang ausgerechnet, als er gegen Schweden auf der Bank saß. Özil spielte besser als Sami Khedira oder Thomas Müller, doch die Urteile über ihn fielen auch angesichts der Erdogan-Affäre härter aus als gegen die Mitspieler.

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Nach dem WM-Aus kam es zudem zu einem Wortgefecht mit einem deutschen Anhänger. "Ein Fan hat ihn beschimpft. Deshalb habe ich Mesut sofort von dort weggezogen. Und meine Finger auf den Mund gelegt und gesagt: Er (der Fan, d.Red.) soll den Schnabel halten", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke (56) der Bild-Zeitung. Özil hatte nach dem Abpfiff sein Trikot in Richtung Tribüne geworfen.

Der DFB sieht Fragen, die eine Antwort verdienen

Wenn Özil seine Karriere in der Nationalmannschaft fortführen will, muss das leidige Dauer-Thema Erdogan vom Tisch. Die DFB-Spitze sieht "Fragen", die eine "Antwort verdienen", wie es Vizepräsident Rainer Koch in Russland formulierte.

Alle wichtigen Informationen zur WM 2018 finden Sie in unserem News-Ticker.

"Wir müssen nach der WM vielleicht noch deutlicher machen, dass solche sportpolitischen Fragen für uns eine überragende Bedeutung haben", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel der FAZ: "Ich kann mir vorstellen, dass das DFB-Präsidium darüber mit der sportlichen Leitung in eine zielführende Diskussion eintritt."

Mit Blick auf den 27. September wäre dies vielleicht ratsam. An diesem Tag vergibt die Europäische Fußball-Union (UEFA) in Nyon die EM 2024. Der einzige Konkurrent des DFB ist: die Türkei.

SID

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