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TV-Kritik: Kahn höhnt - und der böseste Spruch von Bela Réthy bringt alles auf den Punkt

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Von: Jörg Heinrich

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Die ZDF-Mannschaft im Studio: Oliver Welke (M.), Olli Kahn (r.) und dazu Neuling Christoph Kramer.
Die ZDF-Mannschaft im Studio: Oliver Welke (M.), Olli Kahn (r.) und dazu Neuling Christoph Kramer. © fkn

Oliver Welke, Olli Kahn und dazu Neuling Christoph Kramer: Wie schlug sich die ZDF-Crew beim Spiel Südkorea gegen Deutschland? Redakteur Jörg Heinrich zieht Bilanz.

Fußballschlacht statt Küchenschlacht! Im beschaulichen Nachmittagsprogramm des Zweiten, in dem normalerweise Johann Lafer vor sich hin brutzelt, lief am Mittwoch der WM-Krimi gegen Südkorea. Und weil die ZDF-Zuschauer ja nicht mehr ganz so jung und flexibel sind, wollen wir mit unserer Kritik im vertrauten Küchenjargon bleiben. Wir haben überprüft: War alles Poletto im Zweiten? Hatte Béla Réthy Lichter-Momente? Und konnten sogar wir als olle Roisin-Picker mit der Übertragung aus der Asienküche zufrieden sein? Wir rufen Günther Koch!

Die Ollis: Das ZDF tischte groß auf, mit Welke und Kahn – und mit dem jungen Christoph Kramer als Experten-Beikoch. Schaute der Drucktitan deshalb so finster, weil er plötzlich nicht mehr der Analyse-Alleinherrscher war? Welke ließ sich aber nicht verunsichern und forderte, dass an diesem Nachmittag alle Menschen in Deutschland Fernsehen dürfen – „außer in bestimmten Jobs wie Gehirnchirurgen“. Kahn höhnte über die erfrischenden 29 Grad in Kasan: „Ich kann mich an ein Spiel gegen Südkorea erinnern vor Hunderten von Jahren, da hatten wir 40 Grad!“ Fazit: Gelungenes Analyse-Amuse-Gueule mit den Ollis. Und in der Pause kritisierte Kahn zurecht: „Es dauert viel zu lange, die Leitung vom Kopf in den Fuß.“ Der tz-Fernsehkritiker muss zugeben: J’aime Oliver.

„Ich war nicht ganz überrascht“

Christoph Kramer: Der junge Gladbacher schlug zum letzten Mal im ZDF-Studio auf. Denn ab Sonntag muss er wieder seinem Brotberuf nachgehen und trainieren. Kramer hatte schon vorab Signale empfangen, dass sein Spezi Leon Goretzka spielen darf: „Ich war nicht ganz überrascht.“ Dafür holte er sich einen Rüffel von Welke ab: „Aha, haste vergessen, uns zu sagen!“ Das ZDF-Rezept, einen aktuellen Bundesligaspieler als Experten anzuheuern, ist brillant aufgegangen. Auch gestern. Seinem Teamkollegen Matthias Ginter, der als einziger deutscher Feldspieler bisher nicht ran durfte, versprach er via ZDF: „In Gladbach kriegen wir ihn wieder hin.“ Seine zwei WM-Wochen waren ein tolles Entrée.

Katrin Müller-Hohenstein: Fleißig war die ZDF-Lady im roten Auswärtskleid allemal. Sie kredenzte den Zuschauern gleich zu Beginn die erlösende Nachricht: „Ich kann bestätigen, dass der Bus angekommen ist, sind alle da!“ Da ging ein Aufatmen durchs Land, es kann ja so viel passieren beim Busfahren. Außerdem wusste sie alles über die Trinkpausen-Gesetze der FIFA und wedelte mit den entsprechenden Unterlagen. KMH köchelte aber insgesamt auf Sparflamme und war wenig zu sehen. Ihr Sender ließ sie schmoren.

Réthy extrem engagiert

Béla Réthy: Sparte sich – im Gegensatz zum ARD-Kollegen Bartels – jegliche Anmerkung zur sängerischen Leistung der deutschen Spieler bei der Hymne. Danke dafür. Später extrem engagiert, spürt sicherlich den heißen Atem von Final-Kandidatin Claudia Neumann im Nacken. Béla wallte bereits nach 25 Minuten gewaltig auf: „Mann oh Mann, so machen sie den Gegner stark!“ Später warnte er Niklas Süle lautstark: „Hintermann!“ Gut, dass der Innenverteidiger zuhörte und die Situation klärte. Bösester – aber leider auch zutreffendster Spruch – kurz vor der Pause: „Das ist hier alles keine Zeitlupe, das sind reale Bilder.“ Verzweifelte in der zweiten Hälfte am „Wackel-Spiel an der Wolga“: „Deutschland draußen, wenn nix passiert! Und es passiert nix!“ Also an Béla lag’s nicht. Ausnehmend gute Leistung des Altmeisters.

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