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TV-Kritik: Ein Satz des WM-Kommentators zum FC Bayern verursachte starke Schmerzen

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Von: Jörg Heinrich

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Kahn (r.) und Bierhoff (l.) duellierten sich im ZDF-Studio
Kahn (r.) und Bierhoff (l.) duellierten sich im ZDF-Studio © Screenshot ZDF

Gute Nachrichten aus dem Fernseh-Eckerl der tz: Es ist nach wie vor WM. Und das geht auch noch eine Woche so weiter. Gestern war wieder das ZDF dran, und stellte mit einer Massenansammlung von vier Olivers auf einmal einen neuen Olli-Weltrekord auf.

Welke interviewte dabei Bierhoff – was sehr an den Versuch erinnerte, einen Pudding an die Wand zu nageln. Wir fassen die Ereignisse am gestrigen weltweiten „Tag des Kusses“ zusammen. Wer war zum Knutschen, und wem ist man lieber ferngeblieben? 

Drei Ollis: „Eine Rudelbildung mit Olivers“ – so kündigte Olli Welke den Studiobesuch von Olli Bierhoff an. Jux und Ironie beherrscht Welke bekanntlich bestens, das knallharte Nachfragen darf er gern noch üben. Das meiste Salz in die Wunden streute nämlich Olli Kahn, der seit 2006 mehrere Rechnungen mit dem Bierhoff-Regime offen hat. Der Drucktitan über den hektischen Löw-Verbleib: „Ich weiß nicht, ob das besonders klug war.“ Bei den Welke-Fragen wand sich Bierhoff immer wieder heraus und bettelte: „Ich hoffe, dass das jetzt auch glaubwürdig rüberkommt.“ Nö, Olli, kam es nicht. Insgesamt klang Bierhoff wie Martin Schulz nach der Bundestagswahl 2017, nur trister. Fazit von Welke zur Öffentlichkeitsarbeit des DFB: „Ein Hauch von Nordkorea.“ Da hat er fei geschaut, der Bierhoff, der deutsche Kim-il-Bumm. 

Zwei Ollis: Ohne Bierhoff machten die ZDF-Olivers mehr Spaß. Es gab amüsante Erkenntnisse, unter anderem von Welke. Er wusste, dass noch „acht Vereine“ bei der WM dabei sind. Kahn erkundigte sich schon wieder bei sich selbst: „Kylian Mbappé läuft nur acht Kilometer pro Spiel. Was sagt diese Zahl aus?“ Die Kahn-Antwort an Kahn: „Bei einem Stürmer sagt sie gar nichts aus.“ Welke saß zwar vor einem riesigen Russland-Foto, bekannte aber schonungslosoffen: „Wir sind in Baden-Baden, das hinter uns täuscht.“ Großer Spaß mit den beiden, vor allem, als der Heute-Show-Olli vor dem Brasilien-Spiel ankündigte: „Ich rufe jetzt ‚Neymar‘, und dann wälzen wir uns alle auf dem Boden im Studio.“ 

Ein Olli: Ach, der Oliver Schmidt bei Frankreich gegen Uruguay – es war wieder mal tragisch. Wir sind des Meckerns ja müde. Aber es wär halt schon schön, wenn ein Kommentator in Sachen Wortschatz und Grammatik über das Niveau eines Elfjährigen hinauskommen würde. Von Corentin Tolisso, den er in „Clement Tolisso“ umtaufte, erhoffte sich der vierte ZDF-Olli „das erste Tor eines Bayerns“ bei dieser WM, was grammatikalisch starke Schmerzen verursachte. Über die Franzosen, die großen „Indidualisten“, wusste er, dass sie „in der Tempo- und Sorglosigkeit verhaaren“ – da stellten sich einem die letzten Kopfhaare auf. Aber Deutsch war halt schon immer Schmidts „Achillesferne“, wie er es nennt, also quasi das Gegenteil der Achillesnähe.

Ein Béla: Mehr Freude am Abend, bei drei Großen des Weltfußballs, bei Brasilien, Belgien und Béla. Réthy wusste schon vor dem Anpfiff: „Neymar geht’s gut. Er hat sich von den schrecklichen Schmerzen, die ihm die Mexikaner zugefügt haben, prima erholt.“ Er hatte ohnehin viel Spaß mit dem Aua-Brasi, und spöttelte irgendwann: „Er steht noch. Jetzt nicht mehr.“ Sehr schön auch, was Béla über die „Zusammenballung von Menschen vor der Ausführung von Standards“ referierte. Da musste sogar die „Volksfront Claudia Neumann“ zugeben: Nicht schlecht, für einen Kerl!

Jörg Heinrich

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