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TV-Kritik: Nach dem WM-Debakel redet Delling plötzlich ganz anders

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Von: Jörg Heinrich

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Auf einmal klangen seine Analysen etwas anders: ARD-Reporter Gerhard Delling.
Auf einmal klangen seine Analysen etwas anders: ARD-Reporter Gerhard Delling. © dpa/Christian Charisius

Die DFB-Elf ist sang- und klanglos ausgeschieden. Die deutschen TV-Koryphäen trauerten allesamt auf ihre eigene Art. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

München - Melancholie liegt über dem Land. Die Vögel singen nicht mehr. Oder, wie das Erste gestern klagte: „Leere und Fassungslosigkeit kriechen über die deutschen Fanmeilen.“ Deutscher Fußball wund. Und Ibuprofen wird auch noch knapp. Wir fühlen uns Matthi. Das ist unsere 13. WM-Kolumne.

Das konnte nicht gutgehen mit Löws Masterplan. Und in der ARD spielen sie immer noch das Lied mit dem Schulabbrecher-Deutsch: „Komm lass ‚n bisschen noch zusamm bleim.“ Nein, Die Mannschaft und die WM, sie konnten nicht ‘n bisschen noch zusamm bleim. Im Ersten haben sie die Fanta 4, im Zweiten sang nach dem Untergang wenigstens Johnny Cash. Das hatte Style, das hatte Klasse. „I hurt myself today“, zum Bild des Bundesträners, „ich habe mir selbst wehgetan“. Wir haben uns auch selbst wehgetan, und die Trauerkundgebungen von ARD und ZDF beobachtet.

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So trauerte das Erste

Wer noch Resthoffnung hatte – dem raubte Alex Bommes gestern das letzte Stück Lebensmut. „Es hat sich auch über Nacht nicht geändert. Deutschland ist raus.“ Verdammter Mist. Matthi wollte auch was sagen, und sagte: „Das Debakel, die Katastrophe.“ Schland ist weg, Matthi und Bommi sind immer noch da, wie schlecht kann die Welt sein? Thomas Hitzlsperger ist DFB-Markenbotschafter für Vielfalt und Gedöns, aber er blieb dennoch erfrischend kritisch wie gewohnt. Zeigte, wie Joshua Kimmich wie ein aufgescheuchtes Huhn quer über den Platz flatterte. Und er stellte die richtigen Fragen in Sachen Löw und Bierhoff: „Haben sie dieses Feuer noch? Wenn das Feuer nicht mehr brennt, müssen sie Konsequenzen ziehen.“

So trauerte Delling

Delling meldete sich aus Watutinki. Man hat ihn zurückgelassen, ausgesetzt. Delle muss dort bleiben, vielleicht bis zum Finale, womöglich für immer. „Selbstüberschätzung, grobe Leichtfertigkeit“, diagnostizierte Delling bei der deutschen Mannschaft. Schade, dass er uns davon zwei Wochen lang nichts erzählt hat. 

Der alte Mann vor dem Russenbunker. Wir mussten schon wieder an Johnny Cash denken. Watutinki Prison Blues.

So trauerte der Tegernsee

Fipsi Asmussen, der Analyse-Humorist aus Bad Wiessee, hat das Lachen verlernt. Beim Betrachten des bizarren Fußball-Kaffeeklatsches aus Usedom Süd ist unser Fassungslosvermögen längst erschöpft. Auch gestern wurden Worthülsenfrüchte serviert. Jessy Wellmer begehrte bei oberbayerischem „Schietwetter“ zu wissen: „Wie hast Du gestern überhaupt gekuckt?“ Fipsi Asmussen antwortete sodann: „Ich hab’s gemütlich zuhause geschaut, mit Freunden, so wie der Fan an sich auch, glaub ich, mitm Grillen dazu. Ich musste dann auch unseren Sohn aufbauen, der war schon sehr enttäuscht.“ Lahms Erklärung zum Aus: „So ne Leistung ist schwer zu erklären.“ Mehr muss man zu dieser Travestie eines Talks auch nicht schreiben.

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So trauerte das Zweite

Im Endeffekt hat ein exzellenter Béla Réthy am Ende des Spiels alles gesagt, was zu sagen war: „99 Minuten der Folter sind vorbei. Das Unvorstellbare ist eingetreten.“ Die Ollis und Analyse-Königstransfer Christoph Kramer lasen dann noch die Scherben auf. Kahn legte zahllose Finger in die Wunden, sprach von „Apathie“ der Löw-Elf. Welke befand: „Wer jetzt noch irgendwas schönredet, der nimmt Medikamente.“ Ja, Welke, würden wir ja gern, wenn’s noch Ibuprofen gäbe!

Jörg Heinrich

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