Fußball-WM der Frauen

Traum vom Titel: DFB-Spielerinnen verbreiten vor der WM Optimismus

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Sara Däbritz (links) und Melanie Leupolz sind guter Dinge.

Das deutsche Team findet in der Peripherie der bretonischen Hauptstadt sein erstes Domizil. Damit der Tross zum WM-Viertelfinale wiederkommt, müssen Melanie Leupolz und Sara Däbritz zusammenhalten.

Ein Golfhotel in der grünen Peripherie der bretonischen Hauptstadt Rennes: Der Tross der deutschen Frauen-Nationalmannschaft hat seit Montag im Hotel Domaine de Cicé-Blossac in der 20.000-Einwohner Gemeinde Bruz sein erstes Quartier bezogen. In holzvertäfelten Stelzenhäusern mit Seeblick begann die Tour de France, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die bevorstehende Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) nennt. Mit dem ersten Gruppenspiel gegen China am 8. Juni (15 Uhr / ARD und DAZN) startet dann die im Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit einiger Spannung verfolgte Mission. Denn was das recht unerfahrene Ensemble für den deutschen Fußball zu leisten imstande ist, scheint schwierig vorherzusagen.

Aber warum steht auf dem gestellten blau lackierten Mannschaftsbus „Dare to shine“ (Zeit zu glänzen)? Als sich Melanie Leupolz und Sara Däbritz am Dienstag leicht verspätet nach dem Mittagessen in dem umfunktionierten Clubhaus zur ersten Pressekonferenz platzierten, verbreiteten die beiden Mittelfeldspielerinnen des FC Bayern viel Optimismus. Die gut befreundeten Zimmerpartnerinnen mit bayrischen Wurzeln – einst gemeinsam ausgebildet beim SC Freiburg - priesen artig das vorzügliche Ambiente in ihrem neuen Zuhause. Sowohl Leupolz („sehr weitläufig, fühlen uns total wohl“) als auch Däbritz („tolle Anlage“) würden wohl liebend gerne wiederkommen – dafür müssten die deutschen Fußballerinnen als Gruppenerster das WM-Viertelfinale erreichen.

Fußball-WM der Frauen: Däbritz und Leupold sollen DFB-Gefüge Balance geben

An der grundsätzlichen Befähigung ihres Teams ließ das Duo auf der Doppel-Sechs keine Zweifel. „In den letzten Monaten hat sich viel getan. Wir haben wieder die Qualität. Von der EM 2017 bis heute ist ein toller Prozess in Gang gekommen“, erklärte Leupolz (58 Länderspiele), die genau wie Däbritz (60) alle Höhen und Tiefen der DFB-Frauen in der jüngeren Vergangenheit miterlebt hat. Beide bringen wertvolle Erfahrungen aus der am Ende eher unerfreulichen WM 2015 mit ein, als auf kanadischem Kunstrasen die Finalspiele gegen die USA (0:2) und England (0:1) verloren gingen.

„Wir hatten danach nichts Zählbares“, erinnerte sich Däbritz. Der Trostpreis für Platz vier lautete damals die Olympia-Qualifikation, was 2016 in Rio de Janeiro ermöglichte, den Abschied von der langjährigen Bundestrainerin Silvia Neid mit der ersten Goldmedaille bei Olympischen Spielen zu veredeln. Doch mit der Inthronisierung ihrer überforderten Nachfolgerin Steffi Jones ging es steil bergab, ehe Interimstrainer Horst Hrubesch und nun seit Jahresbeginn Martina Voss-Tecklenburg das alte Selbstverständnis mit Leben füllten. Die letzte Niederlage (0:3 gegen Frankreich beim SheBelieves-Cup gegen Frankreich) liegt inzwischen fast anderthalb Jahre zurück.

Das Münchner Gespann ist unter Voss-Tecklenburg beauftragt, für das Gefüge die Balance zu wahren. „Gerade im Zentrum ist ein großer Vorteil, wenn man sich gut kennt“, betonte Leupolz. Die 25-Jährige hatte zuletzt allerdings Formschwankungen gezeigt und wird sich im Verein demnächst umgewöhnen müssen, denn Däbritz hat erst kürzlich ihren Wechsel zum französischen Topklub Paris St. Germain bestätigt. Als Fremdenführerin wird sich die 24-Jährige trotzdem im WM-Gastgeberland nicht verdingen, denn: „Mein Französisch ist noch nicht so gut.“

Fußball-WM der Frauen: DFB-Team will schrittweise denken

Däbritz wollte ohnehin allein über das anstehende WM-Turnier reden. „Der Traum wäre natürlich der Titel, aber das wird megaschwer. Wir wollen schrittweise denken.“ Jeder Ausrutscher in den Gruppenspielen gegen China, Spanien (12. Juni) und Südafrika (17. Juni) könnte ja dazu führen, dass der Weltmeister und Topfavorit USA bereits im Achtelfinale als Gegner auftaucht. Und dann wäre auf einmal auch die avisierte Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 als Minimalziel flöten.

Zuerst ist in Rennes die einstige Frauenfußball-Großmacht aus dem Reich der Mitte zu besiegen. „Bei der U20-WM haben wir gegen China mal 5:5 gespielt“, erinnerte sich Däbritz, „und im Viertelfinale der Olympischen Spiele war es auch knapp.“ Offenbar bleibt die Leistungsstärke des Auftaktgegners so schwierig vorherzusagen wie das Wetter in der Bretagne. Vor der öffentlichen Nachmittagseinheit im Stade Municipal im nahe gelegenen Örtchen Pont-Péan wechselten sich Regenschauer und Sonnenschein wahrlich hartnäckig ab. 

Von Frank Hellmann

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