tz-Interview zu Günters 70. Geburtstag

Delling: "Netzer braucht mich nicht einzuladen"

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Gerhard Delling (l.) mit seinem langjährigen TV-Experten Günter Netzer.

München - Einer der größten Stars des deutschen Fußballs wird 70: Günter Netzer. Geht es ihm gut dabei? Wir haben nachgefragt, bei einem echten Siezfreund: Gerhard Delling.

Herr Delling, wissen Sie schon, wie Sie Ihrem Freund an seinem Ehrentag eine Freude machen können?

Gerhard Delling: Ich denke schon, auch wenn es nicht einfach wird.

Es ist schwierig, jemandem etwas zu schenken, der schon alles hat.

Gerhard Delling: Das stimmt, aber es gibt ja auch Dinge, die diffundieren einfach – ein Glas Wein zum Beispiel. Wenn es ein guter Wein ist, wird er sogar sehr schnell sehr viel weniger.

Gut, also Wein. Was freut einen Günter Netzer sonst noch? Was ist ihm wirklich wichtig?

Gerhard Delling: Er würde sich sehr freuen, in einem lockeren Kreise von Menschen zu sitzen, die er als Freunde bezeichnet und zu denen er Vertrauen hat. Dazu etwas Gutes zu essen und zu trinken, das wird er mögen! Und so ist es ja auch geplant, dem Vernehmen nach soll es keinerlei große, offizielle Feier geben. Nur die Familie und enge Freunde.

Schauen Sie auf Kaffee und Kuchen vorbei?

Gerhard Delling: Ich habe ihm gesagt, er braucht mich nicht einzuladen – ich komme sowieso (lacht)! Aber in Wirklichkeit habe ich gar keine Zeit.

Wenn Sie dann anrufen und gratulieren, entgegnet er mit einem herablassenden Spruch?

Gerhard Delling: Nein, an seinem Geburtstag kann ich mir das nicht vorstellen. Da wird er sich einfach nur freuen.

Dürften Sie ihn ansonsten zurück ärgern, vielleicht mit Verweis auf sein vorangeschrittenes Alter?

Gerhard Delling: Das würde ziemlich an ihm abprallen. Er ist auch nicht eitel, was das Alter betrifft. Wir haben einen kleinen Film gemacht zuletzt, da kam schon heraus, dass ihm klar ist, was 70 für eine Hausnummer ist. Aber ich glaube, vom Geist her und auch körperlich hat er sich in den letzten zehn Jahren nicht sonderlich verändert.

Die Zahl 70 macht ihm also keine Angst?

Gerhard Delling: Nein, absolut nicht. So hat er es auch gesagt: Es kommt keine Panik auf.

Sie standen 1997 das erste Mal gemeinsam vor der Kamera. Wie hat er sich in all den Jahren verändert?

Gerhard Delling: Vom grundsätzlichen Charakter her gar nicht, aber es hat natürlich eine ganz normale Entwicklung stattgefunden, wie das bei jedem so ist. Er versteht heute natürlich mehr von der journalistischen Seite des Geschäfts, die er erst richtig kennenlernen musste.

Er hat sie an Ihrer Seite kennengelernt! Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie als TV-Duo so erfolgreich waren?

Gerhard Delling: Der entscheidende Punkt ist das Know-how von Günter Netzer. Es gibt kaum jemanden, der den Fußball und den Sport an sich so gut von so vielen Seiten und aus dem innersten Kreis kennt wie er! Dann war da die Bereitschaft, so ehrlich darüber zu sprechen. Und das Dritte, weshalb es auch über so lange Zeit so gut ging, war die Tatsache, dass wir uns komplett aufeinander verlassen konnten.

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Ab wann hatten Sie das Gefühl, hier entsteht eine Freundschaft?

Gerhard Delling: Das war schon sehr früh klar, eigentlich bereits nach den ersten eineinhalb Wochen in Paris damals.

Welche Momente der Zusammenarbeit sind Ihnen bis heute in besonderer Erinnerung geblieben?

Gerhard Delling: Da gab es viele, auch schwierigere. Ich weiß noch, wie ich mich bei der EM 2004 kaum bewegen und sprechen konnte, weil ich meine Wirbelsäule verdreht hatte. Das war dramatisch! Am Ende des Tages haben wir uns fast darüber amüsiert, wie wir das gemeistert haben. Oder 2010 in Südafrika, da hatten wir Tränen gelacht, weil wir immer diese Vuvuzelas im Ohr hatten. Da bekamen wir plötzlich beide einen Lachanfall.

Er hat Sie auch mal vor laufender Kamera als Milchbubi bezeichnet – völlig okay für Sie?

Gerhard Delling: Das ging klar, ich wusste ja, wie das gemeint war. Ihm ist es dann aufgefallen und er hat mich darauf angesprochen. Ich hatte gar kein Problem damit, im Gegenteil! Ich dachte nur, heute ist er gut drauf, da kann man auch mal zurückschießen.

Eine Zeitung hat Sie beide mal Siezfreunde bezeichnet. Haben Sie eigentlich noch mehr davon?

Gerhard Delling: So einen engen Siezfreund wie Günter Netzer habe ich sicherlich nicht noch einmal. Das war so ein Teil der Facette. Wenn man über so viele Jahre mit dem Anspruch arbeitet, auch ernst genommen werden zu wollen, dann hat das „Sie“ unsere Arbeit ungemein erleichtert. Es wäre schwierig, sich heute noch mal das „Du“ anzugewöhnen. Dafür sind wir zu alt.

Interview: Michael Knippenkötter

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