Vor laufender Kamera

Nach WM-Aus für Italien: Drama um den großen Gianluigi Buffon

Das lässt keinen kalt: Torwartlegende Gianluigi Buffon konnte nach dem WM-Aus Italiens in den Playoffs seine Gefühle nicht mehr zurückhalten. Der große „Gigi“ weinte minutenlang in einem TV-Interview.

  •  Italiens Nationalmannschaft hat zum ersten Mal seit 60 Jahren die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft verpasst, die Fußballnation steht unter Schock.
  • Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon verkündete nach dem Spiel seinen Rücktritt.
  • Der 39-Jährige hatte bis zum Schluss gekämpft wie ein Löwe.

Mailand - Dieser Anblick geht nicht nur Fußballfans ganz nah: Der große Gianluigi Buffon - Welttorhüter, Fußballgott, Legende - steht mit vom Weinen geröteten Augen vor der Kamera, immer wieder senkt er den Kopf, wischt sich die Augen, bis er wieder in das rote Mikrofon sprechen kann. Auch wer des Italienischen nicht mächtig ist, weiß, das ist gerade eine seiner härtesten Prüfungen. Und der Reporter ist kurz davor, mitzuweinen.

Nach dem bitteren Scheitern in der WM-Qualifikation steht Italiens ganze Fußball-Welt unter Schock. „Das ist die Apokalypse“, kommentierte kurz nach dem 0:0 gegen Schweden im Playoff-Rückspiel am Montag die „Gazzetta dello Sport“. Der große „Gigi“ Buffon weinte bereits Sekunden nach Abpfiff und verkündete wenig später seinen Rücktritt. „Ich verlasse mit Sicherheit eine Nationalmannschaft mit fitten Jungs, die von sich reden machen werden“, sagte der 39-jährige Keeper im italienischen Fernsehen und gestand: Es sei schlimm, dass seine Karriere so ende.

Buffon startete am Ende des Spiels einen letzten verzweifelten Versuch

Der untröstliche Buffon nannte das Fehlen bei der WM eine „Katastrophe“. Zum ersten Mal seit 60 Jahren ist die Fußball-Nation nicht dabei. Es hätte für die Mannschaft und für das Land viel bedeutet, sagt er. Der Torhüter und seine Mannschaft kämpften bis zum bitteren Ende. In der Schlussphase standen alle Italiener inklusive Buffon in der gegnerischen Hälfte und drängten auf das ersehnte Tor - erfolglos.

Für Buffons langjährige Teamkollegen Daniele De Rossi und Andrea Barzagli war es ebenfalls die letzte Partie im Trikot der Azzurri. „Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagte Barzagli. „Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler“, kommentierte De Rossi. Nach dem Spiel habe eine Atmosphäre wie bei einem Begräbnis geherrscht. „Dabei ist niemand gestorben.“

Buffon geht - Zukunft von Nationaltrainer Ventura noch ungewiss

Nationalmannschaftstrainer Gian Piero Ventura entschied nach dem WM-Aus noch nicht über seine Zukunft. „Ich trete nicht zurück, weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe. Es gibt zahlreiche Überlegungen“, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht zu Dienstag. „Ich fühle mich danach, mich bei den Italienern zu entschuldigen, für das Ergebnis, nicht für unsere Anstrengungen.“

Bei den äußerst passiv agierenden Schweden brach dagegen Jubel aus, nachdem sie zum zwölften Mal das WM-Ticket gelöst hatten. Sie sind nach zuletzt zwei gescheiterten Versuchen erstmals seit 2006 wieder dabei. Vor elf Jahren waren die Skandinavier im Achtelfinale an Gastgeber Deutschland gescheitert. Schweden steht als 29. von 32 WM-Teilnehmern fest.

In hitziger Atmosphäre im legendären San Siro hatten die Gastgeber schnell die Initiative genommen und auf den frühen Führungstreffer gedrängt. Der Ex-Dortmunder Ciro Immobile war einer der Aktivposten, vergab jedoch seine besten Möglichkeiten (40. Minute/64.).

Während sich die Gäste immer mehr zurückzogen und überhaupt nichts mehr für die Offensive taten, scheiterten auch Giorgio Chiellini (58.) sowie Stephan El Shaarawy (87.) und ließen die Tifosi jeweils raunen. In der Schlussphase standen alle Italiener inklusive Buffon in der gegnerischen Hälfte und drängten auf das ersehnte Tor - erfolglos.

Medien sprechen von einer „Apokalypse“

Italien hat bislang an 18 Weltmeisterschaften teilgenommen und - wie Deutschland - vier Mal den Titel geholt, zuletzt 2006. In der Qualifikation für Russland reichte es in der Gruppenphase hinter Spanien in den vergangenen Monaten nur zum zweiten Platz. Gegen die Iberer setzte es im September ein 0:3.

Die spanische Zeitung „AS“ nannte die verpasste WM ein „Drama“, die befürchtete Apokalypse sei bereits Wirklichkeit. Der bereits im Vorfeld der Partie kritisierte Chef des Fußballverbands, Carlo Tavecchio, wollte sich 48 Stunden Zeit nehmen, um Konsequenzen aus der verpassten Qualifikation zu verkünden. Dass es Ventura sein wird, der die Mannschaft bis zur Europameisterschaft 2020 wieder aufbaut, gilt als unwahrscheinlich.

Das Spiel im Live-Ticker können Sie hier nachlesen

dpa/kg

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