Jurist und Fußballfunktionär

FIFA-Präsident Gianni Infantino: Seine Karriere und Stationen

Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, nimmt an einem Treffen mit der Direktorin des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Waly, für eine Unterzeichnung zur Zusammenarbeit zwischen UNODC und FIFA gegen Korruption und Verbrechen im Fußball teil
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Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA

Gianni Infantino bekleidet seit dem Jahr 2016 das Amt des FIFA-Präsidenten.

  • Gianni Infantino gehört zu den einflussreichsten Fußballfunktionären der Welt.
  • Seit 2016 bestimmt er als FIFA-Präsident maßgeblich über Organisation und Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaften.
  • Infantino steht international in der Kritik, ihm wird vor allem mangelnder Erfolg bei der Reform der FIFA vorgeworfen.

Zürich – Am 26. Februar 2016 trat Gianni Infantino bei der Wahl zum Präsidenten der FIFA (Federation Internationale de Football Association) gegen seinen wichtigsten Mitwettbewerber, Scheich Salman Bin Ibrahim Al Chalifa, an. Im ersten Wahlgang erhielt der Schweizer Kandidat nicht die erforderliche Mehrheit, konnte jedoch die anschließende Stichwahl für sich entscheiden: 115 der insgesamt 207 Stimmen der wahlberechtigten Mitgliedsverbände der FIFA entfielen auf Infantino. In seiner Dankesrede kündigte der neue FIFA-Präsident umfangreiche Reformvorhaben an.

Gianni Infantino: Herkunft und Ausbildung

Gianni Vincenzo Infantino kam im Ort Brig im Schweizer Kanton Wallis am 23. März 1970 zur Welt, seine Eltern waren italienische Gastarbeiter. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg und erwarb die Zulassung als Rechtsanwalt. Der Schweizer hat mit Italienisch, Deutsch und Französisch drei Muttersprachen. Darüber hinaus beherrscht er die Sprachen Englisch, Arabisch, Spanisch und Portugiesisch. Gianni Infantino ist mit Lina Al Achkar verheiratet, das Paar hat vier Kinder.

Gianni Infantino: Die Anfänge seiner Karriere als Fußballfunktionär

Zunächst arbeitete Gianni Infantino als beratender Rechtsanwalt an der Universität Neuenburg für mehrere Schweizer und internationale Fußballorganisationen. Im August 2000 nahm der Jurist seine Tätigkeit für die UEFA (Union of European Football Associations) auf. Unter anderem hatte er bei dieser Organisation die folgenden Ämter inne:

  • Generalsekretär beim Internationalen Zentrum für Sportstudien
  • Interims-Generaldirektor
  • Stellvertretender Generalsekretär
  • Generalsekretär

Gianni Infantino: Tätigkeit als FIFA-Präsident

Sepp Blatter übte das Amt des FIFA-Präsidenten seit 1998 aus. Durch ein mit einer Betätigungssperre verbundenes Ermittlungsverfahren der FIFA-Ethikkommission war Blatter im Jahr 2015 zum Rücktritt von diesem Posten gezwungen. Gianni Infantino kandidierte und gewann die Wahl zum FIFA-Präsidenten 2016.

In dieser Funktion stellte der Schweizer die Durchführung der folgenden Projekte in Aussicht:

  • Erhöhung der Anzahl der Teilnehmer an den Fußballweltmeisterschaften von 32 auf 40
  • Verdopplung der Leistungen für Entwicklungshilfe, die an ärmere Mitgliedsverbände ausgezahlt wird
  • umfangreiche Reformen der FIFA-Organisation

Aufgrund massiver Kritik an untreuem Verhalten und Bestechungsvorwürfen gegen verschiedene FIFA-Funktionäre machte es sich Infantino zur Aufgabe, die Strukturen des Verbandes zu optimieren. Unter anderem begrenzte er die Amtszeit des FIFA-Präsidenten auf maximal zwölf Jahre. Darüber hinaus setzte er diese Änderungen durch:

  • Einführung des Amtes eines Generalsekretärs (CEO), der statt des Präsidenten die operative Leitung des Verbandes übernimmt
  • Gründung eines Aufsichtsrats zur Überwachung der Tätigkeit des CEO, bestehend aus Council beziehungsweise Exekutivkomitee und Präsidenten
  • Offenlegung der Gehälter aller Funktionäre
  • Überprüfung der Integrität neuer Funktionäre

Gianni Infantino: Kritik an seiner Amtsführung

Schon kurz nach Amtsantritt wurde Kritik am neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino laut: Sie richtete sich gegen dessen im Mai 2016 implementierten Plan, dem Council das Recht einzuräumen, die Mitglieder der Compliance- und Audit-Kommission sowie der Ethik- und Disziplinarkommission der FIFA selbst auszuwählen, einzusetzen und zu entlassen. In der Folge trat der Chef der Audit- und Compliance-Kommission Domenico Scala aus Protest zurück, da er sich nicht mehr in der Lage sah, seine Aufgaben mit der erforderlichen Unabhängigkeit zu erfüllen.

Im März 2008 geriet Infantino durch sein Vorhaben, einen Milliardendeal mit geheimen Absprachen über den Verkauf von Fußballveranstaltungen durchzuführen, erneut in die Kritik. Beobachter gingen davon aus, dass der Schweizer Rechtsanwalt mit diesem Manöver versuchte, die Vergabe der WM 2026 zu manipulieren.

Seit Juli 2020 läuft ein Ermittlungsverfahren der Schweizer Staatsanwaltschaft gegen Gianni Infantino wegen Amtsmissbrauch, Begünstigung sowie Verletzung des Amtsgeheimnisses. Die Strafbehörde legt ihm zur Last, dass er sich mit dem gegen ihn ermittelnden Schweizer Bundesanwalt und einem Oberstaatsanwalt getroffen habe, um diese zu beeinflussen.

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