Wende oder Ende?

Gisdol und Labbadia im direkten Krisen-Duell

Markus Gisdol
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Kölns Trainer Markus Gisdol steht mächtig unter Druck. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bruno Labbadia und Markus Gisdol haben in ihren Trainerleben manche Krise gemeistert. Nun müssen der Hertha-Coach und sein Kollege vom 1. FC Köln im direkten Duell die Trendwende bei ihren Clubs schaffen. Dem Verlierer droht ein ziemlich ungemütliches Wochenende.

Köln (dpa) - Markus Gisdol will einfach nur in Ruhe arbeiten. Bruno Labbadia wünscht sich hingegen auch mal wieder etwas Krach. Vor dem direkten Duell am Samstag gehen die Trainer des 1. FC Köln und von Hertha BSC sehr unterschiedlich mit der Schieflage ihrer Krisen-Clubs um.

Gisdol will sich mit der Frage nach seiner Zukunft jedenfalls nicht beschäftigen. «Warum soll ich mich damit auseinandersetzen müssen? Das würde mir nur Energie rauben für wichtige Dinge», sagte er nach den glücklosen Auftritten des Tabellen-16., die in der 0:5-Klatsche in Freiburg kulminierten.

Labbadia hingegen beklagt nach dem ernüchternden 0:1 der Berliner in Bielefeld mittlerweile öffentlich ein Defizit in seinem jungen und von Manager Michael Preetz glücklos zusammengestellten Kader. «Es ist eine angenehmere Woche, wenn man gewonnen hat. Entsprechend ruhiger war es hier, und wir sind sowieso keine laute Mannschaft», sprach der einstige Top-Stürmer aus, was längst offensichtlich ist.

Zu brav, zu bieder und zu leise für das hochtrabende Ziel Königsklasse ist diese Hertha-Mannschaft. Ob vor der Reise nach Köln mal jemand zumindest intern auf den Putz haut? Vereint sind Gisdol und Labbadia mit der persönlichen Drucksituation. Dem Verlierer drohen bestenfalls noch bohrendere Frage nach dem Ausweg aus der Krise, möglicherweise folgt aber auch schon der Rauswurf.

Hier scheint die Lage für Gisdol bedrohlicher. FC-Manager Horst Heldt reagierte im klassischen Ablaufplan des Fußball-Geschäfts und redete sich aus der Frage nach einem Showdown für Gisdol gegen die Hertha heraus. «Unter einem Endspiel verstehe ich, dass es danach nicht weitergeht, dass es das letzte Spiel der Saison ist. Aber es geht für uns ja weiter», sagte Heldt. Ob mit oder ohne Gisdol ließ er offen.

In Berlin sitzen Labbadia und Preetz noch einträchtig nebeneinander auf der Bank und bei den Pressekonferenzen. Auf der Eskalationsskala für ein Rauswurf-Szenario ist man bei der Hertha noch auf unteren Stufen. «Wir sehen, wie Bruno alle Themen angeht und sind total von ihm überzeugt. Das ist in den vergangenen Wochen, in denen es nicht die gewünschten Ergebnisse gab, noch mal sehr deutlich geworden», sagte Preetz der «Sport Bild».

Die Berliner Besonderheit: Preetz' Worte könnten schnell wertlos sein. Wenn Millionen-Investor Lars Windhorst oder den Club-Bossen die Geduld abhanden kommt, könnte nicht nur der Trainer, sondern auch der einstige Hertha-Stürmer als Verwalter des jahrelangen Mittelmaßes in Ungnade fallen. «Die Ergebnisse sind bis hierhin enttäuschend. Das ist so, das wissen wir», sagte der Manager über Platz zwölf.

Die Ironie des Spielplans will es, dass sich Sebastian Hoeneß (38) als Trainer Nummer drei im Krisenmodus bei der TSG Hoffenheim nach dem Kräftemessen mit Arminia Bielefeld schon in der kommenden Woche auf die Duelle gegen Hertha BSC und den 1. FC Köln vorbereiten möchte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gisdol, Labbadia und Hoeneß diese ungewöhnliche Fußball-Krisenkreuzung nach Beginn der Rückrunde alle schadlos überqueren, scheint gering.

Gisdol kann darauf vertrauen, sich mit Drucksituationen auszukennen. Bei den Rheinländern stand er bereits einige Male in der Kritik. Bereits Ende November soll der 51-Jährige kurz vor einer Ablösung gestanden haben. Damals gewann der FC sensationell bei Borussia Dortmund und anschließend auch beim direkten Konkurrenten Mainz 05. Gisdol konnte bleiben. Auch Labbadia, wie Gisdol einst beim Hamburger SV in Amt und Würden, fühlt sich rein aus Erfahrung gut gewappnet.

© dpa-infocom, dpa:210115-99-38653/2

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