Ein Gastbeitrag von Anh Lê

Gleichberechtigung? Tiefschläge überall - So fühlt sich das für uns Fußballerinnen an

Vergebliches Warten: Auf den Schiedsrichter im Bezirkspokal und auf die Übertragung beim Champions-League-Finale - Anh Lê kann ihre Verbitterung nicht verbergen.
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Vergebliches Warten: Auf den Schiedsrichter im Bezirkspokal und auf die Übertragung beim Champions-League-Finale - Anh Lê kann ihre Verbitterung nicht verbergen.

Fußballerinnen bekommen bei Weitem nicht die gleiche Wertschätzung wie ihre männlichen Kollegen. Anh Lê vom Team München schildert, wie sich das anfühlt. Ein Gast-Kommentar.

Samstag 14. August 2021 12:00 Uhr: 1. Spieltag des Frauen Bezirkspokals Oberbayern

Wir warten vergebens auf unseren Schiedsrichter. In der prallen Sonne, bei gefühlt 32 Grad, hatte er wohl keine Lust, den Unparteiischen für 22 Fußballerinnen zu spielen. Ich weiß, es ist nicht fair ihm das zu unterstellen, wenn man jedoch des Öfteren vom Schiedsrichter versetzt wird, dann lässt sich die Verbitterung kaum verbergen. 

Samstag 14. August 2021 17:00 Uhr: Saison-Eröffnungsfeier der Fußballabteilung des TSV Turnerbund München

Bei der Verteilung der Sponsorengelder verkündet der Vorstand, dass dieses Jahr erstmalig das Geld nach einem Quotienten (Anzahl der erspielten Punkte durch die Anzahl der gespielten Spiele) verteilt wird. Bisher hatten die 1. Herren mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit den größten Anteil bekommen, die 2. Herren folgten und den kleinsten Anteil bekamen die Damen. Der Quotient drehte dieses und führte dazu, dass die Damen den größten Anteil bekamen, da sie in der vergangenen Saison das beste Ergebnis erzielt hatten. Das fühlt sich fair an. Wenn da nicht dieser Wermutstropfen wäre. Die Damenmannschaft soll nur 20 Präsentationsanzüge erhalten, während die beiden Herrenmannschaften jeweils 30 gestellt bekommen. Für mehr würde das Geld nicht reichen. Dies ist nicht nachvollziehbar, zumal die Damen zwei Ligen höher spielen, als die Herrenmannschaften. Wenn Geld für 80 Anzüge zur Verfügung steht, könnte man doch wenigstens 26 Stück an jede Mannschaft vergeben. Wir kämpfen nun für weitere 10 Anzüge und somit für Gleichberechtigung. 

Gleichberechtigung im Fußball? Negativ-Beispiele gibt es bei Profis und Amateuren leider zuhauf

Das ist nur ein Auszug aus unseren Erfahrungen und soll nicht alles schlechtmachen. Laut meinem Trainer, der nicht müde wird, für “seine” Damenmannschaft aufzustehen und laut zu sein, war es vor Jahren viel schlimmer. Damals waren die Frauen von einer Gleichbehandlung so weit entfernt wie der Nordpol vom Südpol. So war die Trainingsfläche der Damenmannschaft nicht selten sehr viel kleiner als die der Männer. Dies hat sich erledigt, nicht durch Einsicht oder Gleichberechtigung, sondern, weil ein weiterer Platz auf der Bezirksanlage gebaut wurde. Vielleicht spielt die Zeit für uns? Aber sollen wir uns damit genügen, dass es im Vergleich zu früher besser wurde oder unermüdlich für eine Gleichstellung kämpfen?

Wer denkt, dass es im professionellen Frauenfußball anders ist, der wird eines Besseren belehrt.

16. Mai 2021 21:04 Uhr Champions League Finale 

Sonntagabend Primetime, Sport 1 überträgt das UEFA Women’s Champions League Finale. Es gibt keine Vorberichterstattung. Wir freuen uns, dass das Spiel übertragen wird und haben uns mit einigen Spielerinnen zum Fußballabend verabredet. Der Fernseher ist eingeschaltet und die Getränke bereit. 21:00. offizieller Spielbeginn. Aber anstelle der Ersten Ballberührung im Mittelkreis wird uns einige Werbungen gezeigt. Es ist 21:04 Uhr als der grüne Rasen auf dem Bildschirm aufflimmert. Wir können es nicht fassen, denn es steht bereits 1:0. Die Emotionen unsererseits sind groß. In wenigen Augenblicken wird der Unterschied zwischen Damen und Herrenfußball so greifbar, so sichtbar, wie in diesem. Wut. Wut darüber, dass sie uns zwar das Spiel zeigen, aber verspätet mit der Übertragung beginnen. Wir sind uns einig: “So eine Übertragungsverzögerung wäre bei den Männern nie passiert.”

Das Eigentor der deutschen Nationalspielerin Melanie Leupolz wird uns erst sehr viel später in einer Wiederholung gezeigt.

Der Kommentator findet die Trikots der Spieler:innen wohl sehr ansprechend. Zitat aus unserer Whatsapp Gruppe: „Für den Shopping-Queen-Kommentar dem Kommentator gleich eine Schelle verpassen, bitte.“ Frauen werden, wie so oft, auf ihre äußere Erscheinung reduziert, wieso sollte das im Fußball anders sein?

Kleine Schritte, die wichtig sind: Frauenfußball bekommt nur nach und nach mehr Aufmerksamkeit

Was in letzter Zeit positiv auffällt: Sat.1 wirbt mit seinem Format „ran” für Fußballübertragungen, auf dem Plakat ist neben drei bekannten Fußballspielern auch Melanie Leupolz in ihrem Chealsea-Trikot zu sehen. Es sind diese kleinen Schritte, die wichtig sind.

Dies ist ein Gastbeitrag von Anh Lê. Sie ist Kapitänin der Frauenmannschaft im Team München.

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