Interview vor Duell gegen Bayern

H96-Boss: "Stehen auf Relegationsplatz – dafür gibt es Gründe"

+
Die Entwicklung in Hannover geht in die falsche Richtung – Klubboss Kind will gegensteuern.

München - Vor einigen Jahren sammelte Hannover 96 in Europa noch Punkte für die Fünf-Jahres-Wertung, jetzt gegen den Abstieg. Die tz sprach mit Klubboss Martin Kind über die Gründe.

Herr Kind, es gab in dieser Saison schon schlechtere Zeitpunkte für ein Duell mit den Bayern. Schafft Hannover am Samstag die Sensation?

Kind: Bayern München ist nach wie vor der Ausnahmeverein im deutschen Fußball, deshalb dominiert er die Liga. Unter normalen Umständen werden die Bayern auch am Samstag gewinnen, aber wir wollen uns dieser Herausforderung natürlich stellen. Trotzdem sollten wir uns besser mit uns beschäftigen und unsere eigene Situation realistisch beurteilen. Wir stehen auf dem Relegationsplatz – und dafür gibt es Gründe.

Und die sind?

Uns gelingt es weder hinten Tore zu verhindern, noch vorne Tore zu schießen, um überwiegend Spiele zu gewinnen. Die Hinrunde hat unsere Schwächen deutlich gezeigt. Wir warten das Spiel gegen den FC Bayern noch ab, dann werden wir unsere Situation analysieren. Aber wir wissen jetzt schon, dass wir in der Winterpause dringend neue Spieler verpflichten müssen, um die Qualität der Mannschaft weiterzuentwickeln.

„Die Hinrunde hat unsere Schwächen deutlich gezeigt“

2011 und 2012 qualifizierte sich 96 noch für Europa, danach ging es bergab. Die Entwicklung geht in die falsche Richtung …

Unter Ex-Coach Slomka (r.) und Manager Schmadtke hatte man in Hannover noch gut lachen.

Das ist offensichtlich. Die beiden Jahre waren damals das Ergebnis guter Entscheidungen und erfolgreicher Arbeit von Trainer Mirko Slomka, Manager Jörg Schmadtke und der Mannschaft. Leider konnten wir das Duo Slomka/Schmadtke nicht halten und mussten neue Wege gehen. Die dann getroffenen Entscheidungen sind nicht immer erfolgreich gewesen. Im Ergebnis hat dieses zur Stagnation geführt. Und auch wir mussten feststellen, dass Stagnation Rückschritt bedeutet.

Es wurden dann also mehr falsche Entscheidungen getroffen als richtige?

Ob man da jetzt von richtig oder falsch sprechen kann, weiß ich nicht. Es waren jedenfalls schwierige Entscheidungen, die unsere Erwartungen zum Teil nicht vollumfänglich bestätigt haben.

Welche?

Zum einen trifft das auf die Transfers zu. Zum anderen auf strukturelle Entscheidungen. Seit der Trennung im Sommer von Sportdirektor Dirk Dufner wollen wir uns auch in dem Bereich stärker aufstellen. Mit Martin Bader als Geschäftsführer Sport und Christian ­Möckel als Sportlichem Leiter haben wir zwei Fachleute verpflichtet und diskutieren zurzeit, ob wir noch einen Sportdirektor einstellen. Ziel ist es, die sportliche Kompetenz im Klub weiterzuentwickeln und zu stabilisieren. In dieser Saison geht es darum, den Klassenerhalt zu sichern.

Wie lange bleibt das Umfeld noch geduldig?

Innerhalb einer Saison muss man Ergebnisse liefern, jedes Jahr aufs Neue. Wenn man sich dann in einer so kritischen Phase befindet wie wir, ist Unruhe vorprogrammiert. Aber glauben Sie mir, damit können wir umgehen.

Wie gehen Sie mit dem Thema TV-Gelder um?

Fakt ist: Märkte verändern sich. Ich bin immer ein Anhänger, Veränderungen selbst zu gestalten. In diesem Fall bedeutet das, sich der Diskussion über die Verteilung der Fernsehgelder zu öffnen. Das sehe ich ähnlich wie die Verantwortlichen des FC Bayern. Deren Vorstoß ist teilweise begründet und deshalb sollte man die Diskussion konstruktiv und ergebnisoffen führen. Schließlich müssen wir Antworten für die Zukunft finden. Ziel muss es sein, das Solidarsystem beizubehalten.

Interview: Sven Westerschulze

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
Juventus ändert Vereinslogo - wütender Aufschrei der Fans
Google-Panne: Bild von Fußballer Broich wird zum viralen Hit
Google-Panne: Bild von Fußballer Broich wird zum viralen Hit
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
DFB-Sportdirektor Flick hört überraschend auf 
So endete Werder Bremen gegen Borussia Dortmund
So endete Werder Bremen gegen Borussia Dortmund

Kommentare