Frust beim FCA

"Hätten auch in 120 Minuten kein Tor gemacht"

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Kevin Vogt landet unsanft

Augsburg - Der FC Augsburg setzt seinen spielerischen Aufwärtstrend eindrucksvoll fort - und verliert trotzdem gegen Hannover 96. Im Abstiegskampf wird die Zeit nun knapper.

Etwas mehr Beistand von oben hätten sich die tapferen Augsburger Abstiegskämpfer schon gewünscht. „Der Fußballgott war eben nicht auf unserer Seite“, betonte Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker und blickte auf eine Osterüberraschung der besonders bitteren Art: Trotz totaler Dominanz mussten sich die Schwaben Hannover 96 mit 0:2 geschlagen geben. Womit der aufstrebende FCA zugleich die bedeutungsvolle Chance verpasste, bis auf zwei Punkte an einen Nichtabstiegsrang in der Fußball-Bundesliga heranzurücken.

Dass die 13. Saisonniederlage dermaßen unverdient zustande kam wie keine andere in jüngster Vergangenheit, machte den Schmerz nur noch größer. Schlichtweg „ein Wahnsinn“ sei das, monierte Offensivmann Torsten Oehrl wortgewaltig. „Es hat den Anschein gemacht, als hätten wir auch 120 Minuten spielen können und dennoch kein Tor geschossen“, haderte auch Mittelfeldprofi Kevin Vogt. Sieben Großchancen standen am Samstag letztlich zu Buche - „aber die Bälle wollten einfach nicht rein“, meinte Kapitän Paul Verhaegh. „Mal rettet der Pfosten, mal wird der Ball noch abgefälscht, mal klärt der Torwart.“

Das Wissen um die 1:4-Pleite von Kontrahent Fortuna Düsseldorf gegen Leverkusen versetzte den Augsburgern nach der eigenen Pleite den nächsten Nackenschlag. „Wir haben einen Big Point verpasst“, klagte Oehrl. Dank der eklatanten Hoffenheimer Rückrundenschwäche bleibt zumindest der Abstand zum Relegationsrang konstant vier Punkte groß. Nicht nur insgeheim hoffen die Augsburger freilich auf mehr - nämlich womöglich die fünf Zähler entfernten Fortunen noch abzufangen und die Saison im Feld der geretteten Clubs zu beenden. „Wir werden sehen, ob's für den direkten Klassenverbleib reicht. Wenn nicht, gehen wir eben den Weg über die Relegation. Mir egal“, meinte Oehrl.

Das FCA-Restprogramm kommt allerdings sportlich noch ein bisschen anspruchsvoller als das der Rheinländer daher. Die Schwaben müssen noch beim FC Bayern sowie in Gladbach und Freiburg ran - obendrein schon kommenden Samstag beim Doublesieger Borussia Dortmund. „Aufgrund der guten Rückrunde hat die Mannschaft allen Grund, weiter selbstbewusst aufzutreten. Wir lassen auf keinen Fall locker, das haben wir uns fest vorgenommen“, versprach Manager Stefan Reuter.

Viel Aufwand, kein Ertrag - Bilder von Augsburg - Hannover

Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © dpa
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © dpa
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © dpa
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © dpa
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © Bongarts/Getty Images
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © Bongarts/Getty Images
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © dpa
Mit großem Engagement gehen die Augsburger gegen Hannover 96 zu Werke, doch am Ende steht die Mannschaft von Markus Weinzierl mit leeren Händen da. © Bongarts/Getty Images

Ein entscheidender Mann wird beim Projekt Ligaverbleib aber wohl bis zum Schluss fehlen. Ja-Cheol Koo hatte sich unter der Woche bei einem Länderspiel der südkoreanischen Nationalelf verletzt - und zwar ziemlich schwer, wie sich jetzt herausstellte. Wegen eines Risses in der Bauchmuskulatur müsse der 24-Jährige „mindestens sechs Wochen“ aussetzen, berichtete Reuter geknickt. Vergangene Saison noch hatte Koo in der entscheidenden Phase mit seinen Leistungen und Toren maßgeblich zum Klassenverbleib beigetragen. „Damit fehlt uns jetzt ein enorm wichtiger Spieler“, musste Reuter eingestehen.

Die Hannoveraner bejubelten dafür hinterher das Startelf-Comeback von Konstantin Rausch. Nach mehreren Wochen zum Vergessen durfte der 23-Jährige mal wieder über 90 Minuten ran - und schoss die niedersächsischen Europa-League-Aspiranten mit seinen ersten beiden Saisontoren (61./90.+1 Minute) prompt zum ersten Auswärtssieg seit dem 11. November 2012. „Er hat schwere Wochen hinter sich, aber zuletzt sehr gut trainiert“, lobte Trainer Mirko Slomka und meinte verschmitzt: „Das Ergebnis stimmt, der Rest ist Statistik.“

Rausch liegt ein Angebot von Hannover vor, doch auch der niedersächsische Rivale VfL Wolfsburg soll um die Dienste des Flügelspielers buhlen. Nein, er habe noch keine Entscheidung getroffen, sagte Rausch. „Ich bin einfach nur froh, dass wir unsere schwarze Auswärtsserie beendet haben“. Und zudem kostete er seine Sternstunde richtig aus. Nach dem 2:0 zog sich Rausch vor Freude das Trikot über den Kopf und ließ sich mit freiem Oberkörper vom 96-Anhang gebührend feiern. „Was für ein schönes Gefühl, das war der erste Doppelpack meiner Karriere“, sagte Rausch, der sich auch bei Slomka verlorengegangenes Vertrauen zurückholte.

dpa/sid

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