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Flicks Fehlerliste: tz-Analyse nennt die schlimmsten WM-Mängel beim Namen

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Von: Manuel Bonke

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Die Kritik an Bundestrainer Hansi Flick wird lauter.
Die Kritik an Bundestrainer Hansi Flick wird lauter. © Stefan Matzke/sampics

Die Katastrophe von Katar bedeutet für den deutschen Fußball den Fall ins Bodenlose. Einer könnte dabei besonders zu Sturz kommen: Bundestrainer Hansi Flick.

München - Wenn von Bundestrainer Hansi Flick (57) die Rede ist, wird oft von einem Menschenfänger gesprochen, von einem, der sein Umfeld begeistert und für sich gewinnen kann. Daran ändert auch das erneute Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Katar nichts. Trotzdem werden einige seiner Entscheidungen im Vorfeld und während des Turniers in der Branche derzeitig intensiv diskutiert. Sowohl unter den Spielern als auch den Mitgliedern des DFB-Trosses. Die tz nennt Flicks Fehlerliste.

Nicht-Nominierung von Routinier Mats Hummels war krasse Fehleinschätzung

Kader-Nominierung: Auch wenn Flick es öffentlich nie ausgesprochen hätte, die Nicht-Nominierung von Routinier Mats Hummels (33) hatte in erster Linie zwischenmenschliche Gründe. Der Dortmunder ist bekannt dafür, gerne öffentlich den Finger in die Wunde zu legen – und in Katar hätte er genug Anlässe gefunden. Angesichts der wackeligen Auftritte der Innenverteidiger Niklas Süle (27) und Nico Schlotterbeck (23) war es im Nachgang eine krasse Fehleinschätzung, Hummels zu Hause zu lassen. Auf der Linksverteidiger-Position verzichtete der Bundestrainer auf Robin Gosens (28) von Inter Mailand, nahm stattdessen den Freiburger Christian Günter (29) als defensive Alternative ins Aufgebot. Gesetzt war hingegen der Leipziger David Raum (23), der international unerfahrene Verteidiger wirkte aber häufig überfordert und von der WM-Kulisse zu sehr beeindruckt. Der im Team äußerst beliebte Gosens hätte die nötige Routine mitgebracht – Angriffspower inklusive.

Wie man’s macht, ist’s falsch: Flick wechselte Goretzka gegen Japan ein, das brachte die Statik ins Wanken
Wie man’s macht, ist’s falsch: Flick wechselte Goretzka gegen Japan ein, das brachte die Statik ins Wanken. © Stefan Matzke/sampics

Rechtsverteidiger-Lotterie: Nur drei Gruppenspiele absolvierten die Deutschen, zu mehr reichte es ja bekanntlich nicht – auch, weil die Abwehr in immer neuen Varianten wackelte. Mit Niklas Süle (27), Thilo Kehrer (26) und Joshua Kimmich (27) versuchte es Flick mit drei unterschiedlichen Rechtsverteidigern. Der Trainer schaffte es in Katar nicht, für Kontinuität auf dieser Position zu sorgen. Vor allem Kehrer war vom Coach persönlich enttäuscht. Denn: Bis zur WM hatte der Spieler von West Ham United die meisten Spielminuten unter Flick gesammelt – und ausgerechnet beim Turnier blieb er, abgesehen vom Spanien-Spiel, außen vor. Stattdessen erhielt Süle gegen Japan den Vorzug, obwohl dieser auch in Dortmund nur bedingt Lust auf diese Position hat. Der Vorwurf, der nun laut wird: Hat Flick in jüngster Zeit überhaupt ein Spiel von Süle als Rechtsverteidiger beim BVB gesehen? Überzeugend waren diese nicht.

Aufstellung „am Ende auch eine kleine Bauchentscheidung“

Kommunikation: Eigentlich gilt Flick als großer Kommunikator. In Katar zeigte er ein anderes Gesicht. So soll Nico Schlotterbeck dem Vernehmen nach erst am Spieltag Bescheid bekommen haben, dass er gegen Japan von Anfang an spielt. Dem jungen Verteidiger blieb demnach keine Zeit, vor dem ersten WM-Spiel seiner Karriere mit seinen Vertrauten zu sprechen und sich dadurch die Nervosität nehmen zu lassen. „Mit Hansi ist das immer so eine Sache. Auch beim letzten Spiel gab es noch bis mittags die Überlegung, wie man aufstellt. Das ist am Ende auch eine kleine Bauchentscheidung“, erklärt DFB-Direktor Oliver Bierhoff (54) die späte Festlegung auf den Dortmunder als Starter.

Auf Hummels und Gosens verzichtete der Trainer. Und Schlotterbeck war überfordert.
Auf Hummels und Gosens verzichtete der Trainer. Und Schlotterbeck war überfordert. © Robert Michael/dpa

Bei Leon Goretzka (27) wiederum war es dem Anschein nach genau andersrum. Ihm teilte Flick wohl recht früh mit, dass er im ersten Gruppenspiel nicht in der Startelf stehen wird. Dementsprechend schlecht war die Laune des Mittelfeldspielers, und das sorgte im Teamcamp für eine angespannte Stimmung. Eine Folge: Flick wollte für Harmonie mit Goretzka sorgen und wechselte ihn gegen Japan ein – was zum Verhängnis wurde. Nachdem Ilkay Gündogan (32) vom Feld gegangen war, litt die Statik im deutschen Spiel – und das DFB-Team verlor trotz 1:0-Führung. Der Anfang vom Ende. (Manuel Bonke)

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