Magath schreibt exklusiv in der tz

Hart aber Felix: Von Klopp werden jetzt Titel erwartet

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Felix Magath schreibt für die tz.

Für die tz analysiert unser Kolumnist Felix Magath (62) wöchentlich die Lage im deutschen ­Fußball. Dieses Mal steh das Trainer-Comeback von Jürgen Klopp beim FC Liverpool im Fokus.

Ist die Bundesliga schon zu langweilig geworden? Jedenfalls überstrahlten zwei Premieren dieses Wochenende klar: Zum einen war da der Einstand von Jürgen Klopp an der Seitenlinie des FC Liverpool in der Premier League, zum anderen schauten plötzlich alle nach Paderborn, weil dort Stefan Effenberg sein Trainer-Debüt in der 2. Bundesliga feierte. Zwei spannende Personalien.

Grundsätzlich würde es dem englischen Fußball sicher guttun, wenn ein paar mehr deutsche Einflüsse in der Premier League Einzug hielten. Ich befürchte jedoch, dass die Bereitschaft der Engländer eher gering ist, sich Neuem aufgeschlossen zu zeigen.

Es gibt Spieler auf der Insel, zu deren Selbstverständnis es nicht gehört, zweimal am Tag zu trainieren. Auch die Art der Vorbereitung aufs Spiel ist zu den Gepflogenheiten deutscher Teams unterschiedlich. Manche Mannschaften dort treffen sich erst zum Spiel mittags. Damit gibt man die Kontrolle in Sachen Ernährung und Schlaf sicher aus der Hand.

Zurück zu Jürgen Klopp. Er ist ein emotionaler Typ, daher passt Liverpool zu ihm. Mit seiner offenen, kommunikativen Art wird er ankommen – auch bei den Journalisten. Er muss aber auch damit leben, dass früher oder später in den englischen Zeitungen Dinge stehen werden, die schlicht erfunden sind. Außerdem sollte er sich der Erwartungshaltung bewusst sein. In Liverpool werden Titel erwartet, alleine schon aufgrund der Historie des Klubs. Das kann eine Belastung für Klopp werden. In Dortmund hatte er durchaus einige Jahre Zeit. Wie geduldig man in Liverpool sein wird, muss sich zeigen. Klar ist, dass man dort über kurz oder lang auch Titel erwarten wird.

Einen Titel kann Stefan Effenberg in Paderborn nicht gewinnen. Doch dafür kann er sich einen Namen als Trainer machen. Inzwischen ist es üblich, dass Vereine ehemaligen Spielern kaum eine Chance geben und stattdessen ihr Heil lieber in den Jugend-Abteilungen suchen. Viele bestens ausgebildete Fußball-Lehrer können zwar den Sport in schönsten Farben theoretisch erklären, haben selbst aber nie auf einem Top-Level gespielt. Diese Erfahrungen, die Stefan Effenberg in seiner Karriere gesammelt hat, sind durch keinen Lehrgang zu ersetzen! Jenes Pfund wird er einsetzen. Außerdem zählte für ihn als Spieler schon immer nur der Erfolg. So wird er sich auch als Trainer geben. Ich bin mir sicher, dass er in Paderborn seine Chance nutzen wird. Schon der Start war verheißungsvoll. Gegen Braunschweig sein Debüt zu feiern, war zudem auch mutig und es spricht für „Effe“. Er hat sich getraut, nach nur zwei Trainingstagen gegen dieses Spitzenteam anzutreten – und gewonnen.

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